Fahrerwechsel?

30. August 2010

Dass man mit englischsprachigen Slogans („Come in and find out” - „Komm rein und finde wieder raus”) die Konsumenten mehr verwirrt denn entzückt, hat sich längst rumgesprochen. So manches Unternehmen hat - wie Douglas - seine Lehre draus gezogen (und macht das Leben seitdem schöner). Dass aber ausgerechnet in Frankreich, dem Mutterland der Anglizismenfeinde, in dem man „ordinateur” sagen muss statt „PC”, „logiciel” statt „Software” oder „matériel” statt „Hardware”, dass also nun hier gerade der umgekehrte Schritt gegangen wird, ist zutiefst verstörend:

Wo einst im TV-Spot der maskulin-markante Franzose „Créateur d’Automobile” hauchte und damit im Grunde nicht nur andeutete, dass die von Renault ganz passable Autobauer sind, sondern viel mehr als das, nämlich auch „Schöpfer” des Automobils, der Lebensfreude und des gesamten irdischen Glücks, da hören wir nun:

„Drive the Change”. 

Hallo? Renault-Leute? Was hat man mit euch gemacht? Seid ihr noch bei Trost? Und vor allem: Was wollt ihr damit sagen? Etwa: „Zeit für Fahrerwechsel”? Oder: „Zur Abwechslung mal fahren” - als zynische Motivation für alle, die zu spät kommen, weil sie im Stau stehen?

Nein, selbstverständlich nicht. Die von Renault haben sich naturellement allerhand dabei gedacht. Wie viel Gehirngrütze sie genau investiert haben, beweisen sie auf ihrer Website: „Mit dem neuen Markenclaim ‚Drive the change‘ lässt Renault keinen Zweifel und seinen Ambitionen und Visionen für die automobilie Gegenwart und Zukunft”, steht da. Unter anderem. Der Text ist natürlich viel länger und wird von Zeile zu Zeile bedeutungsschwangerer.

Schlüsselworte wie „Verpflichtung”, „Anspruch”, „innovativ”, „nachhaltige Mobilität”, „Selbstverständnis” und „Pionier” fehlen dabei ebensowenig wie „zukunftsgerichtet”, „Tradition”, „Herausforderung”; Optimierung” und „ökologisches Engagement”. Ein Text also, der das klassische Bullshit-Bingo revolutioniert und von dem eine neue Generation dieses Heiße-Luft-Entlarvungs-Spiels ausgehen könnte!

Was bleibt übrig, wenn man nach dem Sinn all dieser hohlen Phrasen sucht? Ich recherchiere weiter und finde diese Aussage: „Renault hat einen neuen Markenclaim: ‚Drive the Change‘. Damit präsentieren sich die Franzosen als Autobauer, der sich voll und ganz der Umwelt verschrieben hat.”
Aha. Die von Renault wollen jetzt also auch Elektroautos bauen. Soso. Und weiter? Man höre, sehe und staune:

Sieht so aus, also wollte der McGyver unter den Autobauern ganz nebenbei noch den Klimawandel stoppen, die soziale Ungerechtigkeit rund um den Globus ausmerzen und überhaupt die ganze Welt retten …

Was mich allerdings wundert: Ist nicht in Frankreich der Gebauch englischer Werbesprüche unter Strafe gestellt? Schauen wir also mal auf der französischen Website der automobilen Weltverbesserer nach.

Und tatsächlich: Dort steht „Changeons de vie, changeons l’automobile”.

Nomen est omm-ommm-ooooooooo-meeeeeeeeeen

26. August 2010

Ein guter Produktname ist leicht merkbar, problemlos auzusprechen und klangvoll , soll dabei die richtigen Assoziationen wecken und überhaupt einzigartig sein. Ein perfekter Name kann noch mehr als das: Er KLINGT wie sein Produkt:

Ist das, was hier für Motorräder so eindrucksvoll nachgewiesen wurde, auch auf andere Produktgruppen übertragbar? Wie klingt es, wenn Hunde Nassfutter verschlingen (Chappi)? Oder wenn jemand traurig ob des Flecks im Lieblingskleid aufstöhnt (Ace)? Wenn ein fast fertig zusammengebautes Regal aus Streichhölzern unerwartet in sich zusammenkracht (Ikea)? Oder wenn die Waschmaschine auf Schleudergang schaltet (Rei)? Na also! Weitere Beispiele? Her damit!

Grüße an Einstein

25. August 2010

Heute wird Sean Connery 80, Claudia Schiffer 40 und die Diddl-Maus 20. Ist es das, was Einstein mit seiner Relativitätstheorie meinte? Recht hat er: Zeit ist relativ. Manch eine(r) ist mit 20 nicht so schön wie die Schiffer mit 40 oder so maskulin wie Connery, dafür mit 80 noch so nervig wie die Diddl-Maus …

Es ist … doch kein Klatschverstärker!

23. August 2010

Im Frühjahr schon wurde hier fleißig über Sinn und Zweck dieses Fundstücks nachgedacht:

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Der Platz ist noch immer der gleiche, auch wenn aus der D-Jugend-Mannschaft inzwischen ein C-Jugend-Team geworden ist. Das gestrige Fußballturnier, das gefühlte 37 Stunden gedauert hat und bei dem es geschätzte 358 Regenschauer (und ein Gewitter) gab, brachte endlich die heißersehnte Abkühlung Aufklärung:

Wenn ein Traktor mit Anhänger rückwärts in Richtung der Betonmauer parkt und man von oben Heu auf den Anhänger schaufelt, stellt dieses Metallteil eine wunderbare Rutsche dar, die dafür sorgt, dass kein Hälmchen danebengeht.

Wie ausgefuchst! Also DARAUF hätten wir wirklich kommen können …

Dass begeisterte Eltern ihren Jungs zujubeln und beim Klatschen die schallverstärkende Wirkung unter dieser Heurutsche nutzen, ist demnach zwar nicht im Sinne des Erfinders, aber er wird wohl auch nichts dagegen haben.

Adlerauge, sei wachsam

20. August 2010

Es geht doch nichts über eine Schlusskorrektur vorm Drucken. Buchstabendreher, Tippfehler, falsche Trennungen oder - gerade gestern erlebt - Blindfotos statt der echten Mitarbeiterporträts kommen nun mal vor. Idealerweise nur in der vorletzten Version.

Schon in Zeiten, als die Protextbewegung noch Zukunftsmusik war, gab es Leute, die am falschen Ende sparten. Wie jener Drucker, der im Jahr 1586 das Lübecker Stadtrecht verlegte. Ob er nur aufs Korrekturlesen verzichtete oder sogar selbst sinnentstellende Änderungen vorgenommen hat, das Resultat bleibt sich gleich: Der Text strotzte nur so vor Fehlern - und der Name des Buchdruckers wurde zum Symbol für derartige Verschlimmbesserungen.

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Wie er hieß? Sein Familienwappen verrät es, wenn man die Abbildungen wörtlich nimmt …

Isländisch lernen in einer Woche - kann man das?

15. August 2010

Nein, kann man nicht. Normalerweise. Aber Daniel Tammet kann - ein junger Engländer mit Asperger-Syndrom und Inselbegabung. Oder besser gesagt: Inselbegabungen, im Plural. Schach spielen, die Zahl Pi auswendig aufsagen, Sprachen in Rekordzeit lernen - das kann Daniel Tammet besser als links von rechts unterscheiden oder Redewendungen mit übertragenem Sinn verstehen.

Sein Buch heißt “Elf ist freundlich und Fünf ist laut“, Untertitel “Ein genialer Autist erklärt seine Welt”, und ist absolut lesenswert. Faszinierend, wo er Zusammenhänge herstellt und Verbindungen sieht zwischen Fakten und Gefühlen (siehe Buchtitel) und wie ihm das beim Verstehen und Lernen hilft.

Beispiel: Vokabeln in Fremdsprachen. Als er Deutsch lernte, stellte er beispielsweise fest, dass viele Wörter, die etwas Schmales, Langgestrecktes bezeichnen, mit der Phonemgruppe “str-” anfangen: Straße, Strick, Strang, Strecke, Strahl, Strähne, Strich, Streifen, Strom, Strumpf …

Diese Beobachtung macht er nicht als Einziger. So schreibt er auf Seite 213: “Andere Sprachwissenschaftler haben darauf hingewiesen, dass einige strukturelle Wortmerkmale, die man normalerweise nicht mit irgendeiner Funktion verbindet, wie etwa bestimmte Phonemgruppen am Anfang eines Wortes, eine merkliche Auswirkung auf den Leser oder Hörer haben. Zum Beispiel bei Wörtern, die mit ’schl-’ beginnen, wie schlaff, Schlamm, Schleim, schlabbrig, Schlampe, Schlange, schläfrig, schludrig und ähnliche mehr, die alle negative Assoziationen wecken und zum Teil extrem abwertend sind.”

Auch für Nicht-Savants ist das in spannender Ansatz. Gleich mal weiterspinnen: Wo findet man weitere Parallelen? Ich prüfe mal nach für “br-”: Brot, Braten, Brauerei - da ist der Zusammenhang offensichtlich! Ähnlich wie die “w-” Wörter im Pfälzischen “Weck, Worschd und Woi” (Brötchen, Bratwurst, Wein). Nicht unlogisch auch die Reihe Klang, klar, Klavier, klassisch und klatschen.

Doch wer findet das verbindende Element bei Gnu, Gnade, Gnom und Gneis? Oder bei Pfahl, Pfanne, Pfau und Pfeil? Und wer macht neue Vorschläge? Ich bin gespannt!

Klingt lecker - ist es aber nicht unbedingt

11. August 2010

Von allen Lebensmitteln, die ich ungerne (bzw. niemals) zu mir nehme, hat Lakritze den mit Abstand schönsten Namen. LAKRITZE - das klingt so herrlich nach frechdachsigen Gören und Lausbuben und einem kernig-süßen Kauvergnügen und nach früher und überhaupt. Vielleicht schmeckt es ja auch danach - denjenigen, die Lakritze mögen. Mir genügt es, das Wort zu mögen und nachzuschauen, was es ursprünglich bedeutet: Es kommt nämlich von Mittelhochdeutsch „lakerize” und Althochdeutsch „lacricie”, was wiederum vom mittellateinischen „liquiricia” bzw. dem griechischen „glycyrriza” entlehnt ist. Ursprünglich kommt es von Griechisch „lycys” (süß) und „rhiza” (Wurzel) - denn Lakritze wird aus Süßholzwurzel hergestellt. Wie der Name im Grunde schon sagt, wenn man Griechisch kann. (Wer nicht Griechisch kann, mag vielleicht lieber salzige Lakritze.) Nicht verwandt ist Lakritze übrigens mit dem Wort Likör, obwohl sich die lateinische Version unter volksetymologischem Einfluss des Wortes „liquor” (Flüssigkeit) zu „liquiricia” wandelte. Wenngleich der ja auch süß schmeckt. Und ich ihn nicht mag …

Liebe Kinobesitzer,

09. August 2010

seit gestern weiß ich aus Erfahrung am eigenen Leib, warum sich die Sitze in den ersten Reihen so schlecht verkaufen. Da wird einem ja bei der Werbung schon schwindelig! Und der arme Nacken …

Noch während des Vorspanns zum Hauptfilm hatte ich dann diese geniale Idee, mit der ihr künftig diese ungeliebten Sitze garantiert loswerdet - und das für teuer Geld: Liegesitze!

Mit Kopfstütze natürlich und Fußhochlegemöglichkeit. Wie Omas Fernsehsessel. Idealerweise sogar mit Entspannungsmassagefunktion - lautlos und sanft. Na, wär das was? Ich an eurer Stelle würde diese Idee SOFORT aufgreifen. Von den Mehreinnahmen könnt ihr mir ja einen angemessenen Anteil überweisen. Alternativ akzeptiere ich auch lebenslange Freikarten. Oder - noch besser: Gratis-Popcorn und Softdrinks für sämtliche Kinder und Kindsköpfe in meiner Begleitung. Denn das kommt im Allgemeinen teurer als die Tickets selbst …

Wetter macht Werbung … wofür?

22. Juli 2010

“Donner ist gut und eindrucksvoll, aber die Arbeit leistet der Blitz.”

Da hat Mark Twain zweifellos recht - wie so oft. Aber was bedeutet das letztendlich? Dass der Donner ein lärmendes Werbemittel ist und der Blitz das leuchtende Produkt? Dass das Gewitter selbst ein eindrucksvolles Medium ist, um das Thema Wetter zu präsentieren? Oder dass marktschreierisches Getöse nur bedeutet, dass das Highlight schon vorüber ist?

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Wo ist der Haken?

16. Juli 2010

»Fehlt da nicht ein Apostroph?«

»Ein Apostroph? Wo denn?«

»Na da, auf dem Plakat: ›Charles Knie‹.«

»Wieso, der Typ heißt einfach so: Charles Knie. Stünde da Charles’ Knie, dann wäre das Knie von einem Charles gemeint.«

»Und wenn das Knie von einem Charles Knie gemeint wäre?«

»Dann stünde da ›Charles Knies Knie‹. Auch ohne Apostroph.«

»Und wenn der Nachname nicht ›Knie‹ wäre, sondern ›Knies‹?«

»Stimmt, dann hieße es: ›Charles Knies’ Knie‹.«

»Ich wusste doch, da fehlt ein Apostroph …«