Archiv für den Monat Juni 2009

Amygdala - Prinzessin ohne Furcht und Tadel

Dienstag, 30. Juni 2009

Jabba der Hutte, Obi-Wan Kenobi, Darth Maul, Jango Fett – die Namen der Star-Wars-Figuren sind an Fantasie kaum zu überbieten!
Eine Prinzessin Amygdala dagegen gibt es dort nicht, wohl aber eine Padmé Amidala, Königin von Beruf und spätere Senatorin von Naboo.

Dabei wäre Amygdala ein mindestens ebenso guter Name für sie gewesen – bezeichnet man damit doch ein Kerngebiet des Gehirns, genauer gesagt einen Teil des Limbischen Systems. Die Amygdala spielt eine wesentliche Rolle bei der Analyse möglicher Gefahren, bei der emotionalen Bewertung von Situationen und bei der Entstehung von Angst.

Mit einer besser funktionierenden Amygdala hätte sich Königin Amidala vielleicht nie mit Anakin eingelassen, es hätte nie einen Luke Skywalker gegeben – und unser Hund würde stattdessen wahrscheinlich »Lumpi« oder »Strolch« heißen …

Luke Skywalker Abidi - mit mehr Amygdala als nötig (halb Hund, halb Angsthase)

Luke Skywalker Abidi - mit mehr Amygdala als nötig (halb Hund, halb Angsthase)

Aber zurück zu Amygdala. Das klingt nicht nur majestätisch, geheimnisvoll und beeindruckend, sondern auch international. Ich könnte mir spontan vorstellen, im Restaurant einen trockenen Amygdala Kabinett zu ordern – frisch importiert aus Kalifornien. Oder meine Single-Freundin an die niveauvolle Partnerschaftsbörse Amydala zu verweisen. Oder auf die Frage nach unserem Urlaubsziel zu antworten: »Wahrscheinlich wieder nach Holland, vielleicht aber auch auf die Insel Amygdala - das soll das reinste Paradies sein!«

Wessen Fantasie sprudelt weiter?

Apropos Moonwalk

Montag, 29. Juni 2009

Erst 30 Jahre nach der Mondlandung – also vor nunmehr 10 Jahren – wurde der Text der Trauerrede bekannt, die US-Präsident Nixon gehalten hätte, wenn die Apollo-11-Mission schiefgelaufen wäre:
»Das Schicksal hat es bestimmt, dass die Männer, die zum Mond geflogen sind, um ihn friedlich zu erkunden, auf dem Mond bleiben müssen, um dort in Frieden zu ruhen.«

Zum Glück wurde stattdessen ein anderes Zitat berühmt:
»Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.«


- Einfach genial, diese ersten Worte, die je auf dem Mond gesagt wurden! Allerdings nicht ganz so spontan, wie viele denken.
Denn Neil Alden Armstrong war Astronaut. Kein Texter.

Deshalb wurde da nichts dem Zufall überlassen. Es heißt, die US-Regierung beauftragte den Schriftsteller Norman Mailer damit, einen geistreichen Ausspruch zu ersinnen. Denn wer den Wettlauf ins All gewinnt, muss das auch sprachlich würdevoll kommentieren. Ein übermütiges »Huch, ich fühl mich ja auf einmal so leicht« hätte die Bedeutung jenes Augenblicks am 21. Juli 1969 definitiv nicht so eindrucksvoll untermauert wie das vielzitierte »That’s one small step for a man, one giant leap for mankind.« So die hervorragende Textvorlage!

Doch dann versaute Armstrong beinahe noch alles. Denn er war Astronaut. Kein Schauspieler. Tatsächlich ist auf den Originalaufnahmen zu hören: »That’s one small step for man, one giant leap for mankind.« Was fehlte, ist ein »a« vor »man«: ein simpler unbestimmter Artikel, der aus der ganzen »Menschheit« einen einzelnen »Mann« macht - oder eben nicht. Aber dann wäre die Pointe völlig ruiniert.
Deshalb wird der vergessene Artikel, den laut offiziellen Verlautbarungen eine Funkstörung verschluckte, in allen Zitaten hinzugefügt. Neil Armstrong selbst kann sich nicht erinnern. Erst Jahre später gab die amerikanische Weltraumbehörde zu, dass sie die legendären Worte korrigiert hatte. Ach …

You are not alone

Freitag, 26. Juni 2009

Michael Joseph Jackson war Wunderkind ohne Kindheit, King of Pop und zuletzt tragische Figur. Er bescherte uns mit »Thriller« das erfolgreichste Popalbum aller Zeiten, Songs wie »We are the World«, den Moonwalk, absurde Interviews, makabre Balkonszenen, seinen Zerfall dokumentierende Bildergalerien und Prozesse, die mehr Frage- als Ausrufezeichen hinterließen. Nun wird er zur Legende - als genialer, zu früh gestorbener Musiker. Wahrscheinlich läuft gerade schon die erste Jamsession mit Amadeus, Freddie, Janis, Buddy, John, Jimi, Elvis und Kurt. You are not alone, Jacko!

Träume - auf Sand gebaut

Donnerstag, 25. Juni 2009

Lilians Entdeckung: Ich bin schlichtweg begeistert …

Trendtextsorte: Bildunterschriften mit In-Klammer-Biografie

Mittwoch, 24. Juni 2009

Zum Glück ist mein schrundiges Geläuf* alle paar Wochen reif für die Fußpflege. Dabei kann man wunderbar arbeiten … Oder die Klatschpresse studieren! Eine intensive Analyse brachte mich gestern zur Erkenntnis, dass darin heutzutage die Bildunterschrift offenbar zur wichtigsten Textsorte geworden ist.

Früher hieß es ganz knapp:
Schauspielerin Pampelmuse Vandercouch beim Einkaufen.
Aber wer ist heute schon nur noch Schauspielerin? Das Leistungsspektrum muss natürlich ergänzt werden, ebenso (und das ist heimtückisch) das Alter.

Es muss also heißen:
Schauspielerin, Sängerin und Topmodel Pampelmuse Vandercouch (39) beim Shopping.
Aber was trägt sie? Ganz entscheidende Frage.

Die Neugier wird befriedigt:
Schauspielerin, Sängerin und Topmodel Pampelmuse Vandercouch (39, in Dior, Stiefel von Gucci), beim Shopping.
Nur: der Star shoppt nicht alleine. Sondern gemeinsam mit dem markenbewussten Nachwuchs! Und auch nicht irgendwo …

Wir lesen also:
Schauspielerin, Sängerin und Topmodel Pampelmuse Vandercouch (39, in Dior, Stiefel von Gucci), beim Shopping mit Töchterchen Chinchilla in New York.
Der geneigte Leser KANN sich damit nicht zufrieden geben. Wie alt ist Chinchilla? Was trägt sie? Wessen Gene sind für ihr Wallehaar verantwortlich?

Auch diese Fragen bleiben nicht unbeantwortet:
Schauspielerin, Sängerin und Topmodel Pampelmuse Vandercouch (39, in Dior, Stiefel von Gucci), beim Shopping mit Töchterchen Chinchilla (12, aus der ersten Ehe mit Regisseur Ricki Coolman) in New York.
Doch damit ist es längst nicht genug. Einzelkinder sind in gewissen Kreisen out, ebenso wie die Beschränkung auf selbstgemachten Nachwuchs.

Es muss erneut ergänzt werden:
Schauspielerin, Sängerin und Topmodel Pampelmuse Vandercouch (39, in Dior, Stiefel von Gucci), beim Shopping mit Töchterchen Chinchilla (12, in Junk Food, aus der ersten Ehe mit Regisseur Ricki Coolman) und Adoptivsohn Cuxhavn (4 Monate, aus Mikronesien, im Tragetuch von Hoppediz, Farbe Oslo) in New York.

Tatsächlich: Wer braucht noch redaktionellen Text, wenn die Bildunterschrift schon dermaßen informativ ist?

* Ja, ja, ich weiß. »Geläuf« bedeutet für den Weidmann eigentlich »Spur des Federwildes«, und im Galopprennsport bezeichnet man so den Boden, auf dem die Pferderennen stattfinden. Ich nehm mir aber die dichterische Freiheit, meine Knicksenkspreizplattfüße mit hohem Spann, Hallux valgus und Fersensporn so zu nennen. Wer schlimmere Füße hat, werfe den ersten Duden!

»Schande, Schande, Schande …«

Dienstag, 23. Juni 2009

Meinen Deutschlehrern habe ich durchaus viel zu verdanken!
Sebastian Krämer offenbar auch …

Hören, grinsen, bookmarken!

»Mehr Licht …«

Montag, 22. Juni 2009

Die letzten Worte Goethes sind angeblich unvollendet. Eigentlich soll er gefrankfurtert haben wollen: »Mer liecht hier so schlecht«.
Nun gut, das war ins Unreine gesprochen – Goethe ahnte wohl nicht, dass es bei diesem Textentwurf bleiben würde. Oder doch?

Letzte Worte sind eine Textsorte, mit der Profis selten beauftragt werden. Aber wenn, dann müsste man erst einmal diese Top Ten überbieten:

Platz 10 – General Sedgewick:
»Die könnten nicht mal einen Elefanten treffen auf diese Entfern…«

Platz 9 – Eva Maria Veigel (zur Tee servierenden Zofe):
»Stell sie hin, dumme Gans! Denkst du, ich kann sie nicht selbst nehmen?«

Platz 8 – Karl Marx:
»Geh raus, verschwinde! Letzte Worte sind etwas für Narren, die zu Lebzeiten nicht genug gesagt haben.«

Platz 7 – Maria Montessori:
»Werde ich nicht mehr gebraucht?«

Platz 6 – Conrad Hilton:
»Der Duschvorhang gehört nach innen in die Wanne.«

Platz 5 – Anna Pawlowa:
»Macht mir mein Schwanenkostüm fertig.«

Platz 4 – Humphrey Bogart:
»Ich hätte nicht vom Scotch zu den Martinis wechseln sollen.«

Platz 3 – Dominique Bouhours (zu seinen Grammatikschülern):
»Ich bin dabei zu sterben, oder: Ich sterbe gerade – beide Wendungen sind gebräuchlich.«

Platz 2 – Marlene Dietrich (zu einem Priester):
»Was soll ich mit Ihnen reden? Ich habe demnächst einen Termin mit Ihrem Boss!«

Platz 1 – Oscar Wilde:
»Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.«

„Ich kann Kanzler”

Freitag, 19. Juni 2009

Hilfe. Jetzt castet der Seniorensender ZDF schon Nachwuchspolitiker. Und das Tragischste: Man soll das witzig finden. Dabei ist allein schon der Titel zum Heulen … Bei einer Show namens „Ich kann Deutsch” wären die ZDF-Macher wohl eher durchgefallen. Stattdessen suchen sie „Germany’s next Angela”, wie Spiegel Online es so schön formuliert, und schämen sich nicht einmal.

Wie lange muss man noch warten, bis es sich ausgecastet hat in der Glotze? Man ist ja einiges gewohnt: Barden, Balletteusen, Mundharmonikaspieler, Tarzan und Jane, Wickie-und-die-starken-Männer-Darsteller, Millionärsbräute, chinesische Torleute - alles wird uns als Pseudounterhaltung vorgeführt, niedergemacht, gefeiert und wieder vergessen.

Nun also auch Kanzlerdarsteller. Apropos Kanzlerdarsteller: Warum eigentlich sitzt der Schröder da nicht in der Jury?

Haben ist seliger denn Durst?

Donnerstag, 18. Juni 2009

Was für eine Enttäuschung musste ich erleben, als der Deutsche Sprachrat 2004 seine Entscheidung im internationalen Wettbewerb „schönstes deutsches Wort” bekanntgab: „Habseligkeiten” war das Gewinner-Wort.

Hab-se-lig-kei-ten. Einer der idiotischsten Fünfsilber, die mir spontan einfallen.

„Kinder an die Macht”, kann ich da Herbert Grönemeyer nur beipflichten, denn die Kinder-Jury hatte sich immerhin für „Libelle” entschieden. Sogar das bei der offiziellen Auszeichnung fünftplatzierte Wort „Rhabarbermarmelade” hätte mir besser gefallen als „Habseligkeiten”, obwohl auch das weder richtig schön noch richtig witzig ist. Loriot hatte - unnachahmlich und stilsicher - „Auslegeware” vorgeschlagen. DAS ist witzig!

Mein Vorschlag war „Gemütlichkeit”. Als ich ihn einreichte, hatte ich selbstverständlich höchst überzeugende Argumente: „Gemütlichkeit” ist sowas von schön und sowas von deutsch und unübersetzbar obendrein, dass man es nicht mehr toppen kann.

Hausschuhe können ebenso gemütlich sein wie Jogginghosen oder Sofas oder Küchen oder ein Kaffeekränzchen oder eine Skatrunde oder ein Sonntagsfrühstück oder ein Kinoabend. Jeder versteht etwas anderes unter „Gemütlichkeit”, und doch weiß jeder, was damit gemeint ist. Oder, besser gesagt, was damit definitiv NICHT gemeint sein kann: Stress, Streit und Sorgen sind mit „Gemütlichkeit” unvereinbar, und das das kann man von „Habseligkeiten” leider nicht behaupten.

Ich komme über die Entscheidung des Deutschen Sprachrates einfach nicht hinweg. Warum nur fiel diese Wahl auf ein Wort, bei dem man in erster Linie an den bröseligen Inhalt von Herrenhandtaschen denkt oder an Wohnungsentrümpelungen oder Flüchtlingstrecks?

Nicht zu vergessen jenen unglücklichen Briten, der sich im chaotischen Tunnelsystem seiner eigenen Habseligkeiten verirrte und verdurstete, wie Petra zu berichten weiß. Wie ungemütlich!

Ich nehme alles zurück!

Mittwoch, 17. Juni 2009

Bisher gehörte ich zu denjenigen, die Twitter für pure Zeitverschwendung hielten: »Wer soll denn das ganze Gezwitscher lesen?«, dachte ich, und: »Wer kann überhaupt noch arbeiten, wenn alle followen?«

 Heute höre ich in den Nachrichten, dass die Opposition im Iran der offiziellen Nachrichtensperre trotzen - mit Hilfe von Twitter. Cool!