Archiv für den Monat Dezember 2009

Clarissa von Reinhardts Silvestertipps für Hundehalter

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Der aktuelle  Spaß-mit-Hund-Newsletter gibt heute ausführliche Tipps für alle, deren Hunde nicht gerade begeistert sind von Silvester. Die Autorin  Clarissa von Reinhardt erlaubt ausdrücklich, diesen Text ungekürzt, unverändert und unter Nennung der Quelle weiträumig zu verbreiten. Was ich hiermit tue. Darum bittend, sich nicht an der Schreibweise “Sylvester” zu stören …

Hilfe für den Hund am Sylvestertag - oder:

Ist die Menschheit verrückt geworden?!

„Alle Jahre wieder…” kommt leider nicht nur das Christkind, sondern pünktlich eine Woche später auch die große Knallerei. Weihnachten gilt als stilles und besinnliches Fest, an dem es gar nicht ruhig genug sein kann, selbst unser altes deutsches Liedgut preist die „Stille Nacht, heilige Nacht…” , aber nur sieben Tage später scheint die Menschheit regelmäßig verrückt zu werden. Es kann gar nicht laut und grell genug werden - ganz gleich, einen wie hohen Preis wir dafür zahlen.

Ebenfalls fragt sich alle Jahre wieder der gesunde Menschenverstand, wie es sein kann, dass angesichts (ver)hungernder Menschen und Tiere, einer kriselnden Weltwirtschaft und scheinbar nicht lösbarer Umweltprobleme, die uns irgendwann alle miteinander mit einem ganz großen Knall ins Jenseits befördern könnten, überhaupt ein Mensch so verrückt sein kann, Geld für Raketen, Böller und Tischfeuerwerk auszugeben?! Ja wissen die Leut` denn wirklich nichts Besseres damit anzufangen? Für die ganz Ideenlosen wüsste ich da ein paar Umwelt- und Tierschutzorganisationen, die um jeden Cent dankbar wären. Auch das Frauenhaus, die Welt-hungerhilfe und Aktion Mensch hätten sicher einen besseren Verwendungszweck für die Milliarden, die da alljährlich in die Luft gepulvert werden.

Und nun möge mir bloß keiner mit der Tradition kommen! Ach, so vieles wird unter dem Deckmäntelchen der Tradition fortgeführt, so vieles, das man lieber bleiben lassen sollte: Der Stierkampf, die Treibjagd, Pferderennen oder auch die Unterdrückung der Frau, die nach wie vor in vielen Ländern dieser Erde zur guten (?) alten Tradition gehört. Na ja, manchmal ist die Tradition halt auch mehr alt als gut und gehört einfach abgeschafft. Es lohnt, darüber nachzudenken.

Als Tierhalterin habe ich mir die Knallerei schon als Jugendliche abgewöhnt. Zu sehr taten mir die Hunde (und Katzen!) leid, wenn sie sich zitternd unter der Eckbank verkrochen und tagelang nicht mehr aus dem Haus trauten. Ich dachte an die Wildtiere, die ebenfalls voller Angst und Schrecken flüchten und Schutz suchen vor einer nicht benennbaren und nicht verstehbaren Gefahr.

In meiner Hundeschule mehren sich jetzt wieder die Anrufe der Verzweifelten, die fragen, ob ich Tipps hätte, wie man mit dem geliebten Vierbeiner die Jahreswende halbwegs schadlos übersteht. Immer wieder stellt man mir die Frage, ob ich mich da auskenne. Oh ja, da kenne ich mich sogar sehr gut aus, denn drei meiner sieben Hunde haben schreckliche Angst und zwei fürchten sich zumindest etwas. Mit den folgenden, jahrelang im Ernstfall erprobten Tipps kommen wir ganz gut über die Runden:

Die einfachste Lösung zuerst: Hauen Sie mit Ihrem Hund einfach für ein paar Tage ab. Buchen Sie eine einsame Berghütte irgendwo im Nirgendwo. Das müssen Sie allerdings rechtzeitig tun, denn einsame Berghütten gibt`s bei weitem nicht so viele wie genervte Hundehalter, die diese zur Jahreswende händeringend suchen. Reisen Sie schon ein paar Tage vor Sylvester ab und bleiben Sie auch etwas länger, denn wie wir alle wissen, beginnt die Knallerei schon Tage vor dem ganz großen Spektakel und zieht sich auch noch bis zum zweiten oder dritten Januar hin.

Wenn diese Lösung nicht möglich ist, wäre mein wichtigster Tipp, dass Sie Ihrem Hund so viel Ruhe wie möglich vermitteln und durch Idolfunktion vorleben, dass Ihnen der ganze Rummel gar nichts ausmacht. Für mich ist dies zugegeben der schwierigste Part, denn tatsächlich könnte ich jedem, der da draußen rumknallt, ebenfalls eine knallen - kleine Kinder, die noch nicht wissen, was sie tun, ausgenommen.

Durch die Stimmungsübertragung beeinflussen wir unsere Hunde ganz enorm, je gelassener Sie also sind, desto eher kann Ihr Hund sich zumindest etwas beruhigen. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass Ihr Hund keine Angst mehr hat, nur weil Sie keine haben, denn ganz so einfach läuft es nicht. Es ist etwa wie bei einem bevorstehenden Besuch beim Zahnarzt, der Ihnen große Angst macht: Ein Partner, der Ihnen Mut zuspricht und Gelassenheit ausstrahlt, hilft zumindest etwas - einer der glaubt, man brauche doch keine Angst haben, weil er/ sie ja schließlich auch keine Angst hat, hilft überhaupt nicht, sondern nervt einfach nur.

Tipp Nummer zwei steht in direktem Zusammenhang mit Tipp Nummer eins: Haben Sie Zeit für Ihren Hund, stehen Sie ihm durch Anwesenheit zur Verfügung und ermöglichen Sie ihm das Kontaktliegen, wenn er es wünscht. Hierbei müssen Sie aber sehr präzise arbeiten, damit es nicht zu einer so genannten unbewussten Bestätigung kommt. Keinesfalls heißt dies nämlich, dass Sie Ihren Hund auf den Arm nehmen, herumtragen oder auf den Schoß setzen sollen, während Sie ihn streicheln und in endlosen Litaneien bedauern, denn dieses Verhalten würde die Angst Ihres Hundes nur verstärken. Allerdings sollten Sie andererseits auch keinesfalls - wie von manchen Trainern empfohlen - Ihren Hund ignorieren, wenn er Angst hat. Dieser Tipp, der die oben genannte „unbewusste Bestätigung” verhindern soll, ist weit über das Ziel hinaus geschossen, denn wenn Sie Ihren Hund ignorieren, wenn er Angst hat, was vermitteln Sie ihm dann?! Dass Ihnen seine Angst vollständig egal ist und er sich an jemand anderen wenden muss, wenn er Unterstützung und Schutz braucht - und das ist für eine gute Bindung und ein angestrebtes Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Halter das reinste Gift! Deshalb haben wir seit Jahren ein Ritual eingeführt, das bestens funktioniert:

Unser Wohnzimmer wird zu einer Liegelandschaft umgebaut. Zugegeben, bei nur einem Hund oder zweien ist das nicht nötig, es reicht ein bequemes Sofa, aber wir haben ja sieben… Einer von uns hält sich die meiste Zeit über auf der „Liegewiese” auf, meistens lesen wir oder telefonieren mit Freunden. Die Hunde kommen ganz von selbst und suchen den Körperkontakt, wenn die Knallerei losgeht. Sie legen sich mit hin, dürfen sich ankuscheln und unsere Nähe spüren. Einem von ihnen hilft es besonders, wenn wir ihn mit einer Decke so zudecken, dass nur noch sein Kopf rausschaut - er fühlt sich so eingehöhlt sicherer. Wenn die, die besonders große Angst haben, anfangen zu hecheln oder uns anzupföteln, reagieren wir darauf nur geringfügig und sagen einfach nur kurz „Ist schon o.k.” oder Ähnliches und strahlen weiterhin heitere Gelassenheit aus. Um diese Stimmung zu erzeugen, helfen übrigens Bücher des Dalai Lama ausgesprochen gut!

Zusätzlich läuft bei uns der Fernseher in einer Lautstärke, die gut erträglich ist, aber doch den Lärm von draußen zumindest teilweise abmildert. Diese Geräuschkulisse kann die Knallerei natürlich nicht übertönen, dann würden uns - und besonders unseren Hunden, deren Gehör viel feiner ist - ja die Ohren weh tun. Aber sie verhindert eine allzu starke Fokussierung auf die Knallgeräusche. Der besondere Tipp: Auf 3 SAT laufen jedes Jahr ab 11.00 Uhr vormittags bis weit nach Mitternacht Mitschnitte von tollen Live-Konzerten der vergangenen Jahre. Echte Sahnestücke der Musikgeschichte, von Phil Collins über U2, Michael Jackson, Pink oder Tina Turner, es ist für so ziemlich jeden Musikgeschmack etwas dabei.

Sehr hilfreich ist auch eine CD, die es als Beigabe zu dem Buch „Mit den Ohren eines Hundes” (sehr zu empfehlen!) gibt. Die auf ihr zu hörende Musik wurde nach jahrelangen Forschungen auf dem Gebiet der Psycho-Akustik arrangiert und ist speziell auf das akustische Wahrnehmungsvermögen von Hunden abgestimmt. Sie wirkt beruhigend und wird bereits erfolgreich in Tierheimen, Hundepensionen und Tierkliniken eingesetzt.

Sobald es am Nachmittag auch nur ansatzweise dämmrig wird, machen wir überall im Haus das Licht an, um die von draußen kommenden Lichtreflexe zu mildern. Sollten Sie Gardinen oder Rollos haben, sollten Sie diese schließen. Manchmal hört man den Tipp, mit dem Hund am besten in den Keller zu gehen, im Idealfall in einen Keller ohne Fenster. Dies ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn Sie das nicht ausschließlich zu Sylvester tun - sonst kann es schnell passieren, dass der Hund bereits das Heruntergehen in den Keller fürchtet, weil es für ihn in direktem gedanklichen Zusammenhang mit der Knallerei steht. Sollten Sie aber eine Art eingerichteten Hobbyraum haben, den Sie regelmäßig nutzen, kann es tatsächlich hilfreich sein, Sylvester dort unten zu verbringen, bis gegen 2.00 oder 3.00 Uhr nachts zumindest die schlimmste Knallerei vorbei ist.

Die Gassi-Runden reduzieren wir auf kurze Gänge in der Nähe des Hauses, damit die ängstlichen Hunde das Gefühl haben, jederzeit auf dem schnellsten Weg wieder nach Hause zu können. Ist „die Fluchtburg” in kürzester Zeit erreichbar, fühlt sich so mancher Hund zumindest etwas besser. Wenn Sie einen Garten haben, können Sie das Rausgehen auch auf diesen beschränken. Wir gehen am 31. Dezember immer eine ganz lange Runde sehr früh am Morgen, so gegen 6.00 Uhr - da ist es noch weitgehend ruhig. Danach bleiben wir mit den ängstlichen Hunden auf unserem Grundstück.

Wenn Sie einen Hund haben, der in Panikattacken verfällt, wenn er es - selbst in größerer Entfernung - knallen hört, dann führen Sie ihn an den Tagen rund um Sylvester mit doppelter Leinensicherung und bleiben Sie in der Nähe Ihres Hauses oder Ihres offen stehenden (!) Autos, denn für diese Hunde ist das Erreichen „der Fluchtburg” eine Frage des Überlebens.

Von der häufig empfohlenen Gabe von Medikamenten möchte ich dringend abraten! Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, dass jedes Psychopharmaka eine so genannte Umschlagwirkung zeigen kann. Das bedeutet in diesem Fall, dass der Hund nicht beruhigt, sondern ganz im Gegenteil, jetzt erst richtig hoch gefahren wird. Der Kreislauf wird aktiviert, der Puls rast wie verrückt, der Hund kommt nicht mehr zur Ruhe und der so gestresste Organismus nimmt die Außenreize durch die Adrenalinausschüttung noch stärker wahr. Vor ein paar Jahren wurde ich am Sylvesterabend von einer völlig verzweifelten Hundehalterin angerufen, bei deren Eurasier-Rüden genau das passiert war. Der Hund drehte völlig durch, speichelte, raste fieberhaft nach Unterschlupf suchend durch das Haus und war kaum noch ansprechbar. Die Tierärztin, die das Mittel verschrieben hatte, empfahl am Telefon, den Hund in die Praxis zu bringen, was vollkommen ausgeschlossen war für die Halterin, weil er sich nicht einmal mehr anfassen ließ, ohne deutlich drohend zu fletschen - was er übrigens sonst nie tat! Als ich nach halbstündiger Fahrt dort ankam, war der Hund bereits so durchgedreht, dass ich einen Kreislaufkollaps befürchtete. Uns blieb also nichts anderes übrig, als uns auf den Hund zu stürzen, ihn - halb im Würgegriff - ins Auto zu zerren und in die Klinik meines Vertrauens zu bringen. Dort wurde er in Narkose gelegt, um ihn erst einmal ruhig zu stellen. Dann wurde er an den Tropf gehängt, um die Wirkstoffe in seinem Körper möglichst schnell auszuschwemmen. Es dauerte mehr als 14 Tage, ehe dieser Hund sich halbwegs erholt hatte und sein Frauchen und mich wieder vertrauensvoll an sich heran ließ. Er war damals fünf Jahre alt und ich kannte ihn seit seiner Welpenzeit. Er hatte uneingeschränktes Vertrauen zu mir und seiner Halterin bis zu diesem Abend gehabt…

In einem anderen Jahr rief mich am 05. Januar eine Dame an, deren Hund sich seit Sylvester völlig verändert hatte. Er zitterte, sobald er nur angesprochen wurde und reagierte extrem auf jegliche Außenreize, die mit Geräuschen oder Licht zu tun hatten. Er flüchtete zum Beispiel in Panik unter den Küchentisch, als vor dem Haus die Straßenlaterne anging. Beim Beratungsgespräch stellte sich dann heraus, dass auch dieser Hund auf Anraten eines befragten Tierarztes Medikamente verschrieben bekommen hatte. Er wählte ein Mittel aus, das hauptsächlich auf der Basis eines Muskelrelaxans wirkte, das Bewusstsein aber kaum beeinflusste. Im Klartext bedeutete dies, dass dieser arme Hund, der schon immer große Angst vor Sylvester hatte, alles um sich herum mitbekam, aber unfähig war, sich zu bewegen. Gefangen im eigenen Körper konnte er weder hecheln, noch herumlaufen oder sich verkriechen, so wie er es sonst immer getan hatte. Die Folgen waren fatal - dieser Hund erlitt ein Trauma, von dem er sich nie mehr richtig erholte. Er hatte für den Rest seines Lebens Probleme und die Halterin verfluchte den Tag, an dem er das „Beruhigungsmittel” bekommen hatte.

Ich könnte noch einige solcher Beispiele nennen, die ich im Laufe der Jahre miterlebt habe. Es waren weit mehr als nur diese beiden und aus diesem Grund würde ich die Gabe von Medikamenten nicht empfehlen. Ich kenne keinen einzigen Hund, der sich nicht über kurz oder lang wieder erholt hätte nach der Knallerei - aber einige, die durch Medikamentengabe traumatisiert wurden. Selbstverständlich gibt es auch Hunde, die die Medikamentengabe gut vertragen - nur weiß man vorher nicht, ob es so sein wird und mir ist das Risiko für die mir anvertrauten Tiere definitiv zu groß, falls es nicht so sein sollte.

Hingegen macht eine Kollegin von mir recht gute Erfahrungen mit der Gabe von Bach-Blüten. Suchen Sie sich einen seriösen Therapeuten, der eine individuelle Mischung für Ihren Hund zusammenstellt. Die im Handel erhältlichen, fertigen Mischungen möchte ich Ihnen nicht empfehlen, da sie der eigentlichen Lehre Bach`s und seinem Verständnis über die Wirkung der Blütenmittel nicht entsprechen. Eine Umschlagwirkung ist hier nicht bekannt, es soll aber nicht verschwiegen werden, dass es in seltenen Fällen zu einer Erstverschlimmerung der Symptome kommen kann, ähnlich wie wir sie aus der Homöopathie kennen. Sollte diese gerade an Sylvester auftreten, wäre das natürlich fatal. Deshalb ist eine vorherige Gabe zum Ausprobieren empfohlen.

Einigen Hunden hilft auch der D.A.P.-Stecker recht gut, der im Fachhandel erhältlich ist. D.A.P. ist die Abkürzung für Dog Appeasing Pheromone. Diese Pheromone sind Duftstoffe, die eine Mutterhündin während der Laktationsphase zwischen der Milchleiste absondert und die beruhigend auf die Welpen wirken. Man fand heraus, dass diese Wirkung auch noch bei erwachsenen Hunden eintritt und schließlich gelang es, diese Pheromone zu synthetisieren. Steckt man nun diesen Stecker in die Steckdose, wird der Geruch der Pheromone ausgeströmt. Wichtig ist hierbei allerdings, dass Sie dem Hund die Gelegenheit geben, den Raum zu verlassen, wenn er das wünscht, denn nicht alle Hunde mögen diesen Geruch und nicht auf alle wirkt er beruhigend! Beobachten Sie Ihren Hund, ob er sich freiwillig in die Nähe des Steckers begibt und tatsächlich ruhiger wird oder ob ihm dieser Geruch völlig egal zu sein scheint oder er sogar den Raum verlässt. Auch hier ist es sinnvoll, nicht erst am Sylvesterabend auszuprobieren, welche Reaktionen Ihr Hund zeigt, fangen Sie ruhig schon ein bis zwei Wochen vorher damit an. Auf gar keinen Fall sollten Sie die ebenfalls erhältlichen D.A.P.-Halsbänder verwenden, denn einmal angelegt kann der Hund sich eben nicht mehr frei entscheiden, ob er den Geruch sucht oder meidet, sondern ist ihm ausgeliefert. Interessant ist, dass der Hersteller anfangs, als es nur die Stecker gab, selbst ausdrücklich darauf hinwies, wie wichtig es ist, dem Hund die Möglichkeit zum Ausweichen zu geben. Trotzdem hat er dann die Halsbänder und auch noch ein Spray auf den Markt gebracht. Man macht sich so seine Gedanken, was hinter diesem Sinneswandel steckt…

Für viele Menschen ist übrigens unklar, warum Hunde gerade vor Sylvester so große Angst haben. Manchmal sogar solche, die zum Beispiel keine Probleme mit Schüssen oder Gewitter haben. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass durch die Knallerei gleich mehrere Sinne deutlich überstrapaziert werden: Der Gehörsinn durch den Lärm, der Gesichtssinn (die Augen) durch die ungewohnten und in großer Anzahl auftretenden Lichtreflexe und der Geruchssinn durch den Gestank, den die Böller verursachen und der ebenfalls ungewohnt ist für den Hund.

Abschließend wünsche ich Ihnen und Ihrem Hund (oder Ihren Hunden) eine möglichst ereignislose Sylvesternacht und hoffe, dass die hier zusammengefassten Tipps helfen, mit möglichst viel Ruhe und Frieden ins neue Jahr zu kommen!

Clarissa v. Reinhardt, www.animal-learn.de

 

P.S. : Als Autorin erlaube ich ausdrücklich, diesen Text ungekürzt, unverändert und unter Nennung der o.g. Quelle weiträumig zu verbreiten. Wenn Sie ihn erhalten haben, freue ich mich, wenn Sie ihn an Freunde und Bekannte weiter schicken, ihn in Foren oder auch gern auf Ihre eigene Homepage stellen. Sie dürfen ihn auch ausdrucken, kopieren und verteilen. Desto mehr Menschen er erreicht, desto mehr Tieren kann hoffentlich geholfen werden.

Willkommen in KW 53

Dienstag, 29. Dezember 2009

Ja, es gibt sie, die 53. Kalenderwoche. Jedenfalls im Jahr 2009. Entscheidend ist gemäß Definition nach DIN 1355/ISO 8601, dass die erste KW mindestens vier Tage des neuen Jahres enthält.

Ähm … und was heißt das? Theoretisch – auch praktisch – ist es also möglich, dass Silvester schon in der 1. KW des neuen Jahres liegt, oder umgekehrt: der 1., 2. und 3. Januar noch in der letzten KW des Vorjahres. Allerdings liegt der 4. Januar immer, immer, immer in der 1. Kalenderwoche. Und wenn ein Jahr mit einem Donnerstag beginnt bzw. endet, hat es 53 Wochen.
Alles klar?

Unzählige Tücken und Fallen bergen Kalender übrigens für Korrekturleser. Falsch geschriebene „Mitwoche” und „Samtage” oder Dienstage, die gleich doppelt vorkommen, dicht gefolgt von einem Donnerstag, sind da nur die Spitze des Eisberges …

Mehr zur Fehlerfundgrube Kalender gibt’s im Sprachtipp der Protextbewegung. Diesmal übrigens von mir.

Früher war mehr Lametta

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Unübertroffen:

 

 
Ich wünsche frohe Feiertage!

Zu viel Zucker im Kaffee?

Montag, 21. Dezember 2009

Von Ur-Giveaways, automobiler Kaufreizinflation und dem Praktiker-Effekt

„Die sind mir zu sauer”, behauptete der Fuchs. Fabelhafte Ausrede - in Wahrheit erreichte er die Trauben nur deshalb nicht, weil sie zu hoch hingen.

Oder ist das nur eine üble Verleumdung? Immerhin gilt er doch als clever, der Fuchs. Außerdem: Früchte haben nun mal süß zu sein - sonst werden sie verschmäht. Und das wäre fatal, denn immerhin sind sie ein genialer Marketingtrick der Natur …

Traube, Apfel, Birne & Co.:
Die ersten Giveaways aller Zeiten

„Iss meine Früchte, sie schmecken lecker”, so lautet das süße Versprechen von Baum und Strauch. Die Botschaft wird verstanden, das Ziel der Kampagne erreicht: nämlich die Verbreitung des Samens. Oder anders gesagt: die Verbesserung der Marktposition.

Süßer Geschmack ist eine Verlockung, die auch bei der Zielgruppe Homo sapiens wirkt. Übrigens besser, als es gut für uns wäre, wie Statistiken zu Übergewicht, Karies und Diabetes zeigen.

Und das halbe Königreich dazu?
Süße Versprechen - doch manchmal wäre weniger mehr

Ein Würfel Zucker pro Tasse schmeckt angenehm süß, zwei sind auch noch annehmbar, aber drei, vier oder gar mehr? „Widerlich süß”, würden die meisten von uns diese Maßlosigkeit kommentieren.
Auch im Marketing wirkt es sich nicht unbedingt positiv aus, wenn mit des Guten zu viel gelockt wird:

„20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung” - dieses Angebot scheint öfter zu gelten, als es nicht aktuell ist. Längst fragt sich der clevere Verbraucher, warum er überhaupt jemals 100 Prozent zahlen sollte. Da wäre man ja schön blöd! Einfach zwei, drei Wochen abwarten, und schon gibt’s alles zum Schnäppchenpreis.
Der Effekt? Das Angebot wird zur Standarderwartung, die kaum noch zu toppen ist. Werbewirkung? Leider verpufft. Dank inflationärer Marketingversprechen.

Die Kaufanreize der Autohäuser haben einen ganz ähnlichen Effekt. Denn sie sind so beliebig, dass man sie kaum der entsprechenden Marke zuordnen kann: Leasing ohne Anzahlung, Mehrwertsteuer geschenkt, Winterreifen dazu, Abwrackprämie verdoppelt, Klimaanlage gratis, Null-Prozent-Finanzierung … Schon erstaunlich, was da alles aus dem Hut gezaubert wird. Aber macht es die Verbraucher glücklich, dankbar und der Marke treu ergeben? Mitnichten: Sie werden gierig und vermuten einen schier unendlichen Verhandlungsspielraum.
Fazit aus Marketingsicht: ein Musterbeispiel für Etatverschwendung!

Übertriebene Rabatte machen auch mich generell hellhörig: Wo „70 Prozent reduziert” draufsteht, muss ja vorher eine Wahnsinnsgewinnspanne einkalkuliert gewesen sein - so die logische Folgerung. Und wenn ich das Pech habe, das betreffende Produkt vor gerade mal einer Woche zum ursprünglichen Preis gekauft zu haben, setze ich gleich vor Ärger das Hassmützchen auf …

Und die Moral von der Geschicht?
Süßholz raspeln ist kalter Kaffee …

Wahrscheinlich hat der Fuchs in der Fabel in Wahrheit die Nase gerümpft, weil die Trauben unerträglich süß waren. Ganz bestimmt sogar. Denn sauer macht ja bekanntlich lustig. Überzuckertes dagegen höchstens Bauchweh …

Was bei Früchten funktioniert, kann auch im Marketing den gewünschten Erfolg bringen. Wenn nämlich die süßen Versprechen wohldosiert sind, gezielt eingesetzt werden, perfekt auf den Geschmack der Zielgruppe abgestimmt sind und mit der unverwechselbaren Rezeptur des Unternehmens harmonieren.

Zum Glück ist die Gewürzmischung in Heide Liebmanns Advents-Blogparade perfekt komponiert und überaus köstlich. Gerne habe ich über ihr Thema “Zu viel Zucker im Kaffee” nachgedacht und das Türchen mit der Nummer 21 verzuckert …

Ach - du arbeitest zu Hause?

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Trudie Fleißig ist selbstständig. Sie arbeitet im Homeoffice als Übersetzerin. Vielleicht ist sie auch Architektin, Programmiererin oder Designerin - das spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass sie in ihrem Homeoffice rundum zufrieden ist.

„Wie schaffst du es nur, dich zu motivieren?”, fragen ihre kritischen Freundinnen, doch Trudie lächelt nur: “Gar kein Problem. Hier hab ich Heimspiel, hier kann ich so arbeiten, wie es mir gefällt. Was könnte motivierender sein?”

„Wie gelingt es dir bloß, dich zu organisieren?”, bohren sie weiter, aber Trudie bleibt souverän. Sie hat alles im Griff, führt ein Zeittagebuch, macht Tages-, Wochen-, ja sogar Jahrespläne und präsentiert stolz einen perfekt strukturierten Arbeitsplatz. Selbst gegen akute Aufschieberitis hat sie effektive Strategien.

„Dann kommt aber garantiert deine Freizeit zu kurz!”, vermuten die ungläubigen Freundinnen, denen Trudie jedoch sofort das Gegenteil beweist: Sie hat gelernt, zu delegieren und „Nein!” zu sagen, sie schaltet in der Mittagspause und nach Feierabend den Anrufbeantworter ein und arbeitet grundsätzlich nie an Wochenenden. Burnout? Hat bei Trudie keine Chance!

„Also mir fiele zu Hause die Decke auf den Kopf”, rümpft eine der Freundinnen die Nase. Aber Trudie lacht: Sie nutzt regelmäßige Pausen, um zu entspannen, sich zu bewegen, frische Luft zu tanken und gesund zu essen.

„Aber du vereinsamst dabei doch total.” Nicht die Bohne! Denn Trudie ist mit Kolleginnen und Kollegen in aller Welt vernetzt, tauscht sich mit ihnen auf Internetplattformen aus und lernt dabei täglich dazu.

Da erwacht Trudie. Ihr Kopf liegt auf dem harten Schreibtisch, ihr Rücken wird von spitzen, kleinen Fingern ihrer Kinder malträtiert. Mist, sie ist wieder bei der Arbeit eingeschlafen. Das kommt davon, wenn die Abgabetermine einen dazu zwingen, die Nächte durchzuarbeiten.

Die Kinder laden Spielsachen, Handschuhe und Mütze auf ihrem Schreibtisch ab und teilen ihr lauthals mit, dass sie Hunger haben. Ihr Mann streckt gutgelaunt den Kopf zur Bürotür rein und freut sich über die Harmonie in seiner kleinen Familie, fragt, ob Trudie zufällig seine Hemden gebügelt hat und verkündet dann: „Muss mal kurz weg, du bist ja eh da.” „Aber …” setzt Trudie an und will sagen, dass sie ABSOLUT keine Zeit hat, sich um die Kinder zu kümmern, weil sie WAHNSINNIG viel zu tun hat, da klingelt das Telefon: der Handwerker. Er kommt in einer halben Stunde vorbei, will die Heizung warten. Auch das noch! Aber - ja, sie ist eh zu Hause. Nicht zu leugnen.

„Was gibt’s zu essen”, schreien die Kinder, und da fällt Trudie auf, dass auch ihr Magen knurrt. Kunststück, sie ist schon seit Stunden - Tagen? - nicht mehr dazu gekommen, sich eine Mahlzeit zuzubereiten. Ist nicht ihr Mann heute mit dem Kochen an der Reihe?

Es klingelt an der Haustür. Die Post. Der Hund bellt, die Kinder toben, jemand schaltet den Fernseher nicht nur ein, sondern auch lauter …

Trudie seufzt und nimmt ein Päckchen entgegen. Sie packt es aus und fängt an zu strahlen, als sie den Titel des Buches liest, das sie sich neulich bestellt hat:

Homeoffice. Erfolgreiches Heimspiel dank Zeit- und Selbstmanagement” von Birgit Golms und Gudrun Sonnenberg.

„Meine Rettung!”, seufzt sie erleichtert, und ich bin sicher, dass sie damit ins Schwarze getroffen hat. Denn das Buch meiner lieben Kolleginnen Birgit und Gudrun ist wirklich ein perfekter Ratgeber für alle, die im Homeoffice erfolgreich arbeiten wollen. Kaufen!

Wanted: Das schönste deutsche Wort mit der Vorsilbe “hoch”

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Die Auswahl ist groß: Von hochprozentig, hochhackig und hochnotpeinlich über Hochzeit, Hochwasserhosen und Hochsaison bis hin zu hochschaukeln, hochpäppeln und hochjagen.

Doch nun habe ich von meiner lieben Kollegin Jutta das beeindruckendste aller „hoch”-Wörter gelernt. Bis eben gehörte hochmögend nicht einmal zu meinem passiven Wortschatz, und schon hab ich diese wunderbare, vom Aussterben bedrohte Vokabel selbst gebraucht.

Hochinteressant, was?

Wo sind sie geblieben?

Montag, 14. Dezember 2009

Sag mir wo … nein, nicht die Blumen sind. Aber die netten Dinge aus früheren Jahrzehnten, die einfach heimlich, still und leise verschwunden sind, wie das Testbild. Einige davon kamen ja wieder, wie Tri Top. Andere wurden ersetzt, wie das West-Sandmännchen durch seinen Ost-Kollegen. Aber wo in aller Welt ist zum Beispiel das Fußball-Ballett aus der Sportschau geblieben? Wann wird man je versteh’n, trallallaala …

Apropos Spam

Samstag, 12. Dezember 2009

Witzig, was so täglich im Spamfilter landet. Dank eines Russischkurses, den ich als Fünfzehnjährige mal besucht habe, kann ich sogar erahnen, dass meine Blogbeiträge in einigen Kommentaren als “sehr gut” gelobt werden und dass man in anderen schlicht für die Info dankt.
Nun gut, darüber kann man grinsen.
Ganz anders dieser Beitrag, den ich soeben gelöscht habe: “Ich wünsche dir zu Weihnachten, dass du innerhalb eines Jahres den Menschen verlierst, der dir am meisten am Herzen liegt.”
Was für kranke Arschlöcher sind es, die sich so etwas ausdenken?

Ganz schön nobel? Hauptsache, saubere Fingernägel!

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Heute werden in Oslo und Stockholm die Nobelpreise feierlich überreicht. Was bei uns in den Nachrichten nur am Rande eine Rolle spielt, ist in Skandinavien DAS Top-Thema des Tages.

Svenska Dagbladet berichtet ausführlich über alle Aspekte des Ereignisses: unter anderem mit einem Benimmcode (Tabu: Jeans, Handys, Tischgespräche über brisante Themen, Handtasche auf dem Boden), einen genauen Sitzplan (der Chemiepreisträger hat einen Platz am Tisch des Königs) mit Zeitschema (Fanfaren erklingen um 19.00 Uhr, 19.11 Uhr und 19.13 Uhr) sowie ein Quiz über die Nobelpreisträger (Wie viele der drei Medizinnobelpreisträger sind Frauen? Wo wohnte Obama als Kind?).
Der interessierte Leser erfährt, welcher Chor singt, welche Speisen serviert werden und wer wann mit wem tanzen darf, kann und vielleicht auch will.

Viele Worte um gesellschaftlichen Schnickschnack? Egal: „Je mehr Wörter wir uns nehmen dürfen, desto freier sind wir doch” - sagt Herta Müller in ihrer Nobelpreisrede.

nobel

Deutlich pessimistischer dagegen diese Worte:
„Erbärmliches Halbleben, hätte vom menschenfreundlichen Arzt erstickt werden sollen, als er schreiend in dieses Leben trat. Größte Verdienste: die Fingernägel rein zu halten und nie jemandem zur Last zu liegen. Größte Fehler: keine Familie zu haben, keine frohe Laune, keinen guten Magen. Größter und einziger Anspruch: nicht lebendig begraben zu werden. Größte Sünde: nicht dem Mammon zu huldigen. Bedeutende Ereignisse in seinem Leben: keine.”
Schon erstaunlich, wie wenig Alfred Bernhard Nobel, der Erfinder des Dynamits und der Stifter des wohl angesehensten Preises, von sich selbst hielt.

Keine Nager weit und breit

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Ich + Ich läuft im Radio. Ich (allein) schaue aus meinem Fenster: Kann nicht erkennen, dass dort ein Hamster toben würde. Was singen die da nur?

Mit freundlichen Grüßen

Agathe Bauer