Archiv für den Monat April 2010

Und täglich grüßt der Rollmops

Donnerstag, 29. April 2010

Was haben „Schnecke”, „Hündchen”, Wurm” und „kleine Ente” gemeinsam? Nun, sie bezeichnen alle dasselbe. In ihrer jeweiligen Übersetzung. So wie der tschechische bzw. slowakische „Rollmops” (zavináč). Und auch wenn dieser nicht täglich auf dem Speiseplan steht - auf den Tisch kommt er dennoch ständig. Auf den Schreibtisch, genauer gesagt …

Gemeint ist natürlich … das @-Zeichen, das 1971 für elektronische Post definiert wurde und ohne das keine E-Mail-Adresse funktioniert!

Man lese und staune, wie fantasiereich sein Name in den unterschiedlichen Sprachen übersetzt wird - von „Elefantenohr”, „Affenschwanz” oder „Strudel”:

Animalische Wortwahl:

Im Zeichen des Affen

Besonders häufig wird unser nächster tierischer Verwandter bemüht: Als „Klammeraffe”, „Affenschaukel”, „Affenohr” und „Affenschwanz” kennt man das @-Zeichen in deutschen Büros. Letztgenannte Version entspricht auch der niederländischen Bezeichnung „apenstaartje”. Auch in Polen sagt man „małpka” (Äffchen) und in Bulgarien „маймунско a” (Affen-A). Während die Russen das „Hündchen” bemühen (sobačka), die Ungarn den „Wurm” (kukac) und die Griechen die „kleine Ente” (papaki), sagt der Italiener klangvoll „chiocciola” (Schnecke). Unsere nordischen Nachbarn wählen tierische Umschreibungen: In Island heißt es „fílseyra” (Elefantenohr), in Dänemark und Schweden „snabel-a” (Rüssel-A).

Feinsinnige Metaphern, kringelige Umschreibungen oder staubtrockene Vokabel?

Das schönste Sprachbild kennt man übrigens im Türkischen: Da heißt das @-Zeichen ganz romantisch „gul” - Rose!
Andernorts geht es deutlich bodenständiger zu: „A bildua” (A gerollt) sagt der Baske, „Ohrwaschel” der Österreicher, während der Norweger „krøllalfa” (Kringel-Alpha) verwendet und man in Bosnien-Herzegowina die herzallerliebste Bezeichnung „ludo A” (irres A) gebraucht. Auch hier folgt die Sprache der Form des Zeichens.
Ganz sachlich spricht man dagegen in Litauen: Hier trennt ein simples „Eta” den personenbezogenen Benutzernamen vom maschinenbezogenen Domainnamen. In Spanien und Portugal entspricht „arroba” - der Name des @-Zeichens - der Gewichtseinheit für einen Viertelzentner. Natürlich aus historischen Gründen. Und in Finnland sagte man anfangs „taksamerkki” (Gebühren-Zeichen) oder „yksikköhinnan merkki” (Stückzahl-Zeichen). Doch das hat der Finne sich - wahrscheinlich in der Sauna - noch mal durch den Kopf gehen lassen, und inzwischen bevorzugt er das technischere „ät-merkki” oder das bildhaftere „kissanhäntä” - den Katzenschwanz. Na also!

Wer hat’s erfunden?

Dass das @-Zeichen erst in Zusammenhang mit der E-Mail entstand, stimmt übrigens nicht. Sonst wäre es wohl kaum auf den Tastaturen der ersten Heimcomputer aus den 1980er Jahre zu finden gewesen. Und schon damals war das Symbol uralt: Es taucht bereits in lateinischen Handschriften aus dem Mittelalter auf - möglicherweise als Abkürzung für „ad” (an, zu). In der frühen Neuzeit machte der Klammeraffe Karriere als Gewichtsmaß oder im Handelswesen. Heute steht es symbolisch für das Internetzeitalter - und dafür, dass in unserer hochtechnisierten Welt immerhin Platz für fantasievolle Namen bleibt!
@ alle, die weitere Bezeichnungen, Übersetzungen oder Verwendungen des Klammeraffen kennen: verratet ihr sie mir? Ich bin gespannt!

Sie lebt. Und schreibt!

Dienstag, 27. April 2010

Als “Queen of Crime” wird heute so manche Autorin bezeichnet, die einen halbwegs spannenden Kriminalroman zustande gebracht hat. Klar, es gibt viele gute, moderne Krimiautoren und -autorinnen. Aber echte Queens waren Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und P. D. James.

Die ich - bis letzte Woche - allesamt für tot hielt. Und das seit Jahrzehnten!
Zu zwei Dritteln stimmt diese Einschätzung auch - nicht jedoch für Phyllis Dorothy James, Baroness James of Holland Park, besser bekannt als P. D. James.

Die ist nämlich höchst lebendig, wird im August 90 Jahre jung und hat einen ziemlich neuen Krimi auf dem Buchmarkt, der es mit hochgelobten Neuentdeckungen allemal aufnehmen kann: „Ein makelloser Tod” ist toll geschrieben, handwerklich perfekt gestrickt und kommt ganz ohne lähmende Nebenhandlungen voller Melancholie aus, die den neuester Wallander-Roman von Mankell zur trübsinnigen Parodie eines Kriminalromans werden ließ.

Hiermit bedanke ich mich offiziell bei P. D. James für Spannung ohne Schnickschnack, für erfrischend pures Krimivergnügen und den Beweis dafür, dass eine flotte Schreibe keine Frage des Alters ist!

E15 - der Unaussprechliche.

Donnerstag, 22. April 2010

Wer es ernsthaft probiert, den Namen Eyjafjallajökull auszusprechen, wird schnell an seine Grenzen stoßen …

Kein Wunder, dass der Vulkan auch gerne “E15″ genannt wird - für den Anfangsbuchstaben und die 15 folgenden Lettern. Dabei hört es sich doch gar nicht sooo kompliziert an:

Übrigens:

Eyja steht für Insel, fjall für Berg, das a zeigt einen Genitiv an und jökull heißt Gletscher. Eyjafjallajökull ist also gar nicht der Name des Vulkans, sondern des Gletschers drumherum.

Namen sind eben doch mehr als Schall und Rauch - sie sind auch Asche und Zungenbrecher …

SOS

Mittwoch, 21. April 2010

English for Runaways … oder für Untiefstapler:

What are you sinking about?

Der blanke Hohn

Dienstag, 20. April 2010

„Scheiß Tigerente” sagt man nicht?

Sagt Horst Eckert (79) aber laut und deutlich. Darf der das? Scheinbar. Immerhin hat er das Kinderzimmer-Streifentier erfunden. Denn Horst Eckert ist Janosch. Und Janosch mag seine Erfindung nicht mehr. Behauptet, sie nur „aus Hohn” gemalt zu haben.

Doch damit ist jetzt Schluss: Horst Eckert will nicht mehr malen und schreiben, sondern nur noch in der Hängematte liegen.

Aber was nützt es? All die Trilliarden von Schulranzen, Kinderzimmertapeten, Radiergummis und Sportbeuteln in Tigerenten-Design können nicht mehr ungeschehen gemacht werden!

Gibt es eigentlich auch Tigerenten-Hängematten?

Bassemoluff

Mittwoch, 14. April 2010

Schon lange frage ich mich, wieso auch bei 50 Metern Sicht und weniger mindestens jeder 10. Autofahrer ohne Licht fährt (und auf meine Handzeichen, die darauf aufmerksam machen sollen, mit Vogelzeigen oder Zurückwinken reagieren).

Aber dieser Clip, auf den mich meine liebe Kollegin Henrike aufmerksam gemacht hat, beweist: Man braucht keinen Nebel, um jemanden zu übersehen. Unsere Wahrnehmungsfähigkeit ist immer eingeschränkt. Bassemoluff:

Von wegen „ich hab alles im Blick” - wer den Durchblick hat, weiß, dass seine Wahrnehmungsfähigkeit nicht perfekt ist.

… und schon wieder Geburtstag. Alles Gute, Tante Käthe!

Dienstag, 13. April 2010

Zum 50. Geburtstag von Rudi Völler (es kann nur einen geben) hier nochmal seine legendäre Wutrede:

Bewundernswert Waldis Ruhe und Völlers Frisur, die nicht einmal durch das Hassmützchen derangiert wurde, das er da aufsetzte …

A oder A? BBeide!

Dienstag, 06. April 2010

Nu isse 60, Agneta (ohne „h”) Åse Fältskog, die Heldin meiner Kindheit, bekannt als Agnetha (mit „h”), die Blonde von ABBA mit dem blauen Lidschatten, dem klaren Sopran und der unvergleichlichen Melancholie in der Stimme.

Überhaupt nicht vergleichbar vor allem mit Fridas warmem, ausdrucksstarkem Mezzosopran. Denn sie sangen stets unterschiedliche Parts und hatten ihre Solos jeweils bei den Songs, zu denen ihre Stimmen am besten passten.

Doch es gibt eine Ausnahme:

Beide haben „I don’t know how to love him” aufgenommen, das Lied der Maria Magdalena aus der Rockoper „Jesus Christ Superstar”.

Der Titel “Vart ska min kärlek föra” klingt bei Agnetha so:

 

… und bei Frida als „Vad gör jag med min kärlek” so:

Ich sag doch: Kein Vergleich. Beide super.

Tack för allt! Och: Grattis på födelsedagen, Agnetha …

 

Der Name des Bieres

Donnerstag, 01. April 2010

Produktnamen dürfen zwar kreativ sein, aber nicht anstößig. Doch wo liegt da die Grenze?

“Fucking Hell” hielt man im europäischen Markenamt zunächst für zu vulgär. Jetzt aber hat es mit der Markeneintragung doch noch geklappt. Ist eben Zufall, dass es Sprachen gibt, in denen dieser Name etwas nicht ganz so Leckeres bezeichnet wie das, worum es sich tatsächlich handelt: nämlich einfach nur ein helles Bier aus dem österreichischen Ort Fucking. Tja.