Archiv für den Monat Juli 2010

Wetter macht Werbung … wofür?

Donnerstag, 22. Juli 2010

“Donner ist gut und eindrucksvoll, aber die Arbeit leistet der Blitz.”

Da hat Mark Twain zweifellos recht - wie so oft. Aber was bedeutet das letztendlich? Dass der Donner ein lärmendes Werbemittel ist und der Blitz das leuchtende Produkt? Dass das Gewitter selbst ein eindrucksvolles Medium ist, um das Thema Wetter zu präsentieren? Oder dass marktschreierisches Getöse nur bedeutet, dass das Highlight schon vorüber ist?

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Wo ist der Haken?

Freitag, 16. Juli 2010

»Fehlt da nicht ein Apostroph?«

»Ein Apostroph? Wo denn?«

»Na da, auf dem Plakat: ›Charles Knie‹.«

»Wieso, der Typ heißt einfach so: Charles Knie. Stünde da Charles’ Knie, dann wäre das Knie von einem Charles gemeint.«

»Und wenn das Knie von einem Charles Knie gemeint wäre?«

»Dann stünde da ›Charles Knies Knie‹. Auch ohne Apostroph.«

»Und wenn der Nachname nicht ›Knie‹ wäre, sondern ›Knies‹?«

»Stimmt, dann hieße es: ›Charles Knies’ Knie‹.«

»Ich wusste doch, da fehlt ein Apostroph …«

Abgebrannt - wir helfen!

Dienstag, 13. Juli 2010

Heute braucht es nicht viele Worte - sondern Taten. Für eine Kollegin und ihre Familie, die gerade nochmal mit dem Leben davongekommen sind - aber sonst fast alles verloren haben. Wer helfen will, kann das hier tun: http://www.abgebrannt-wir-helfen.de>

Was hat er, was er nicht hat?

Montag, 12. Juli 2010

Genauer gesagt: Was hat Jogi, was Klinsi nicht hat? Abgesehen von dichtem Haar? Nun - bald jene Dekoration, die Leute wie Helmut Schmidt, Heidi Kabel, Heinrich Böll oder Inge Meysel einst ablehnten: den “Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland”, also known as Bundesverdienstkreuz, das den Auszeichner mindestens so schmückt wie den Ausgezeichneten. Verliehen wird es üblicherweise für “besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet”. Hm. Politisch? Eher nicht. Ehrenamtlich? Noch weniger. Also politisch, kulturell oder geistig? Ich fühle mich überfragt. Von mir selber. Und der Hitze. Und überhaupt …

Love & Peace & Happy Birthday

Mittwoch, 07. Juli 2010

Alles Gute zum Siebzigsten wünsche ich dem wahrscheinlich unauffälligsten, aber auch lustigsten der Fab Four. Und zur Feier des Tages hier einer der wenigen von ihm komponierten Beatles-Titel:

 

Ich hoffe, er meint damit nicht diesen unsäglichen Octopus, der auf einen Sieg der Spanier im WM-Halbfinale getippt hat …

Kasperles Oma goes Anti Aging

Montag, 05. Juli 2010

Ein Drama in drei Akten mit Gretel, Großmutter und Croco Schrapnell

Szene eins,
in der Gretel einen Entschluss fast

Gretel am Frühstückstisch. Liest laut aus der Zeitung: „Das ist ja interessant: Wir sind Grand Prix. Wir sind im Halbfinale. Wir sind … faltig?”
Schlägt entsetzt die Hand vor den Mund, rauft sich die Haare, rennt dann vor den Spiegel und ruft entsetzt: „Aber ich seh doch noch prima aus!”
Schenkt sich ein Glas Wasser ein, trinkt es leer und liest weiter: „Mit einer verjüngenden Gesichtsmassage können Sie jetzt den Alterungsprozess umkehren.”
Steht auf und geht in der Küche umher. Denkt laut: „Aber schaden kann es ja nichts. Und ein bisschen Entspannung täte selbst einer so jungen Frau wie mir gut. Die 89 Taler sind zwar kein Schnäppchen, aber ich gönn mir ja sonst nix.”
Gesagt, getan. Gretel greift zum Telefon und wählt: „Hallo, hier ist Gretel Jungblut. Ich rufe wegen Ihrer Anzeige an. Ja, genau, Gesichtsmassage, das Angebot für 89 Taler. Wann könnte ich da … Tatsächlich, schon heute? Oh, das ist fein. Dann mache ich mich gleich auf den Weg!”
Gretel legt auf und stützt die Hände in die Hüften: „Jetzt bin ich aber gespannt!”

Szene zwei,
in der Oma Kaspary gehörig in die Bredouille kommt

Gretel betritt den Schönheitssalon. Croco Schrapnell deutet mit unglaublich langen, spitzen knallroten Krallen auf die Sitzgruppe und grinst sie gefährlich an: „Nur einen Augenblick, bitte. Ich kümmere mich nur eben noch kurz um Oma Kaspary.”
Gretel nimmt Platz und schaut sich unbehaglich um. An der Theke findet noch ein abschließendes Beratungsgespräch statt. Croco Schrapnell baut unzählige Schönheitsprodukte auf: „So, hier, wie bei der Behandlung besprochen, Ihr Beautyprogramm, Oma Kaspary. Die Foundationcreme und das Augengel und die Feuchtigkeitscreme und die Abendmaske und …”
Oma Kaspary wird blass und blasser: „Aber morgens benutze ich doch nur lauwarmes Wasser. Und abends meine Nachtcreme. So viel Sachen brauche ich nicht, so viel Zeit hab ich auch gar  nicht.”
Croco Schrapnell lacht schrill und winkt ab: „Daran werden Sie sich in wenigen Tagen gewöhnt haben. Das dauert keine drei Minuten. Und wir hatten das doch besprochen - all diese Produkte gehören zu Ihren Anti-Aging-Programm!”
Oma Kaspary gibt ihren Widerstand noch nicht auf: „Ich wollte aber doch bloß die Gesichtsmassage aus dem Angebot …”
Croco Schrapnell zieht die Augenbrauen hoch bis zum Haaransatz: „Wollen Sie nun jünger aussehen oder nicht? Ich kann nicht zaubern - wenn Sie nicht wie vereinbart mitarbeiten, hilft eine einzige Massage nicht viel. Sie brauchen sieben Beautyprodukte jeden Morgen und sieben andere am Abend und sieben weitere Massagetermine pro Monat in den nächsten sieben Jahren …”
Oma Kaspary weiß nicht recht: „Aber warum so viele Sachen? Reicht nicht eine Salbe?”
Croco Schrapnell schüttelt den Kopf: „Würden Sie denn beim Kuchenbacken einfach eine Zutat weglassen? Da braucht man auch sieben Sachen, sonst wird der Kuchen nichts: Eier und Schmalz, Butter und Salz, Milch und Mehl und Safran. Kann man etwa einfach auf das Mehl verzichten? Oder die Eier? Na, sehen Sie!”
Oma Kaspary zögert noch: „Und das hilft dann wirklich?”
Croco Schrapnell breitet die Rechnung vor Oma Kaspary aus und nickt heftig: „Aber natürlich, ich garantiere Ihnen, dass Sie in sieben Jahren fast ein Jahr jünger aussehen werden, als Sie sind!”
Oma Kaspary schaut auf die Rechnung und stößt einen spitzen Schrei aus: „Zweitausendzweihundert Taler? Aber ich habe doch nur die neunundachtzig Taler für die Gesichtsmassage aus dem Angebot dabei, was soll ich nur tun?”
Gretel flüstert: „Abhauen, Oma Kaspary …”
Croco Schrapnell räumt die vierzehn Beautyprodukte in eine Tüte und stellt sie resolut hinter den Tresen: „Am besten machen Sie sich sofort auf den Weg zur Bank, Oma Kaspary. Und wenn Sie gleich wiederkommen, bekommen Sie auch Ihre Produkte und einen Kalender mit Ihren Folgeterminen gratis dazu!”
Erleichtert seufzt Oma Kaspary auf und verlässt im Eiltempo den Salon. Auf dem Weg hinaus zwinkert Gretel ihr zu. Oma Kaspary zwinkert zurück.

Szene drei,
in der Gretel logische Schlüsse zieht und bissige Bemerkungen ignoriert

Croco Schrapnell hat jetzt Zeit für Gretel: „Und wie kann ich Ihnen helfen?”
Gretel steht auf: „Ich kam eigentlich wegen der Gesichtsmassage, aber nun fürchte ich, das Sie gar nichts für mich tun können.”
Croco Schrapnell entblößt ihr scharfes Gebiss und grinst bedrohlich: „Wieso das denn?”
Gretel lächelt, denn sie weiß, dass sie viel besser aussieht als Croco Schrapnell: „Nun, haben Sie nicht eben selber zu Oma Kaspary gesagt, dass eine einzelne Gesichtsmassage überhaupt nichts nützt, wenn man nicht für mehr als zweitausend Taler Kosmetikprodukte von Ihnen kauft?”
Croco Schrapnell schießt zurück: „Das täte Ihnen aber wirklich gut. Ich sehe doch von hier aus, dass es Ihre alternde Haut bitter nötig hat!”
Gretel lacht: „Ihre Methoden sind ja wirklich alles andere als seriös.”
Croco Schrapnell kreischt schrill: „Ich bin immerhin Kosmetikerin und Gesichtsspezialistin und Anti-Aging-Fachkraft und Mesotherapeutin und Ernährungberaterin und … ja, überhaupt, Sie sollten weniger Fett essen, das kann ich Ihnen raten.”
Gretel schaut an ihrem schlanken Körper herunter und lacht: „Sehe ich etwa aus, als äße ich zu viel Fett?”
Croco Schrapnell: „Das sagt mir meine Erfahrung.”
Gretel marschiert resolut zur Tür und ruft über die Schulter zum Abschied: „Und meine Erfahrung sagt mir: Leute wie Sie müssen ständig Lockangebote machen. Stammkunden bekommen Sie jedenfalls niemals!”

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen ist alles andere als Zufall … Leider. Wäre das alles nur Fantasie, kämen jetzt der Kasper und der Seppel mit dem Wachtmeister, um das böse Krokodil zu verhaften.

Schapp Urlaub. Schapp voll Bock. Und schapp Vertrag …

Samstag, 03. Juli 2010

Hörenswert heute auf SWR3 - und lesenswert auf der SWR3-Website - ist ein Beitrag über die Veränderung der deutschen Sprache durch Fußballer mit Migrationshintergrund. Statt “er hat einen Vertrag” setzt sich das artikellose “er hat Vertrag” immer mehr durch. Und das nicht nur bei den Spielern selbst, sondern auch bei den Kommentatoren und Journalisten. Hat irgendwer Problem damit?

Alles Mumpitz!

Donnerstag, 01. Juli 2010

Zeit für einen neuen Blog-Eintrag. Aber worüber? Ist nicht alles gesagt, was zu sagen ist über die Hitze, die Präsidentenwahl, den Werbewert von Jogis Jungs oder Maradonas pathetisches Geschwafel?

Nein, da überlasse ich das heutige Thema lieber dem Zufall. Nicht jedoch, ohne Biggis Pommeswelt beim Viertelfinale der Blog-WM alles Gute zu wünschen! Hier dürfen übrigens alle abstimmen, nicht nur die Mitglieder der Bundesversammlung …

Und nun nehme ich das nächstliegende Buch zur Hand (Duden: Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen), schlage es auf, lese meinen Zufallsfund und lerne:

Ohne Komma schreibt man:
Eingemummelt saß das Kind auf der Terrasse.

Mit Komma KANN man schreiben:
Ganz in Decken eingemummelt[,] saß das Kind auf der Terrasse.

Mit Komma MUSS man schreiben:
Das Kind saß auf der Terrasse, ganz in Decken eingemummelt.

Aha. So ist das also. Aber gilt diese Regel auch im Hochsommer? Und wer in aller Welt setzt ein Kind bei Temperaturen, die ein Einmummeln notwendig machen, auf eine Terrasse? Ja, und ist “einmummeln” überhaupt ein korrektes deutsches Wort?

Ich blättere im Rechtschreibduden und finde - im Gegensatz zum wunderschönen Winterwetter-Adjektiv “gefriergezuckert” - das Verb “einmummeln” mit dem Zusatz, dass das umgangssprachlich sei.

Neugierig greife ich jetzt zum Herkunftswörterbuch und erfahre, dass “mummen” veraltet für “sich in eine Maske einhüllen” ist und heute durch “einmummen” ersetzt wird. Verwandt ist “einmummeln” also auch mit dem Hessischen Mombotz (Schreckgestalt), mit “Mummelputz” (Vogelscheuche), Mummenschanz (Lustbarkeit vermummter Gestalten, Maskenball) und dem seit dem 19. Jahrhundert gebräuchlichen “Mumpitz” (Unsinn, Schwindel). Neuere Ableitungen wie Vermummungsverbot würden wohl den etymologischen Rahmen des Duden-Bandes sprengen …

Mumpitz gefällt mir sehr. Ich nehme mir vor, dieses kraftvolle Wort häufiger zu gebrauchen. Nicht nur auf der Terrasse - und nicht nur, wenn es kühl genug ist zum Einmummeln …