Archiv für die Kategorie ‘Diesunddas’

Erfrischend destruktiv

Montag, 08. März 2010

Leider muss darauf verzichtet werden, den Überfall auf das Berliner Pokerturnier zu kommentieren. Daher hier so gut wie unkommentiert die Hymne zum Weltfrauentag:

Dass sich Annabelle auf Amarell reimt, MUSS ein purer Zufall sein …

Hoch lebe … das Wetter

Dienstag, 02. März 2010

Wenn alle anderen Gesprächsthemen zu emotional, zu brisant, zu unergiebig oder zu aufregend sind, bleibt immer noch das Wetter.

Seit genau 50 Jahren liefert uns der TV-Wetterbericht hierzu ordentlich Futter. Fachbegriffe wie “strichweise Regen” und “vereinzelte sonnige Abschnitte” haben wir ebenso in die Alltagssprache übernommen wie “Azorenhochs” und “Tiefausläufer”.

Mir persönlich gelingt es - obwohl mich die Wetterthematik brennend interessiert - nur selten, der Vorhersage konzentriert zu lauschen. Wahrscheinlich sind die floskelhaften Formulierungen schuld - das Ohr hört automatisch weg.

Möglicherweise habe ich darum auch weggehört, als Xynthia angekündigt wurde. Scheint es nur so, oder hat man 2007 vor Kyrill wesentlich eindringlicher gewarnt? Die Auswirkungen waren jedenfalls gleich - wenigstens auf meinen Organismus: Ich wurde fürch-ter-lich schläfrig.

Wie kommt es, dass mich Orkane generell so ermüden? Ist das eine Schrulle meines Leibes, oder gibt es eine logische Erklärung? Falls ja - her damit!

Rettet das Kauderwelsch!

Dienstag, 23. Februar 2010

 

Nein, es ist eben NICHT damit getan, dass Politiker unüberlegte Stammtischparolen absondern oder dass sich Möchtegernpromis durch TV-Interviews stottern. Nein, das einzig echte Kauderwesch ist in Gefahr …

Beziehungsweise, wenn man es politisch korrekter als sintemal Martin Luther ausdrücken möchte: das Rätoromanische, jene in der Abgeschiedenheit des Schweizer Kantons Graubünden beheimatete, uralte romanische Sprache, die von ihren Sprechern „Rumantsch” genannt wird. Tatsächlich kommt der Begriff „Kauderwelsch” von Churwelsch” und bezeichnete einst die schwer verständliche Sprache der Menschen aus dem Rheintal von Chur.
Heute gibt es nur noch rund 30.000 Menschen, die Rätoromanisch sprechen, und Forscher schätzen, dass die Sprache in 50 Jahren ganz ausgestorben sein wird.

„Tschuntschientschuncontatschun tschancs tschufs”

Wäre es nicht schade um Zungenbrecher wie diesen? Ok, als Sprachanfänger muss man nicht unbedingt mit der rätoromanischen Version von „fünfhundertfünfundfünfzig schmutzige Hammel” anfangen - einer Wendung, die im Sprachalltag eh eine höchst untergeordnete Rolle spielt.
Ganz anders sieht es aus mit „Con aults ei quei cuolm?”, zu Deutsch: „Wie hoch ist dieser Berg”, was man gerade im Engadin sicher gleich mehrmals täglich sagen darf, ohne gleich als einseitig interessiert zu gelten. Oder „Tgi essas Vus?”, was so viel heißt wie: „Wer sind Sie?”

Klingt kernig. Und kompliziert …

Ok, diese Beispielsätze lesen sich wie eine zünftige Mischung aus Italienisch und Husten. Aber trotzdem ist es nicht hinzunehmen, dass Rätoromanisch einfach so ausstirbt. Warum das so ist, obwohl sie eine der vier offiziellen Amtssprachen der Schweiz ist? Wahrscheinlich liegt es daran, dass es keine einheitliche rätoromanische Schriftsprache gibt, sondern mehrere Dialekte, die sich deutlich unterscheiden. So heißt „der Fuchs” auf Sursilvan beispielsweise „l’uolp”, auf Sutsilvan „la vualp”, auf Surmiran „la golp”, auf Ober- sowie auf Unterengadinisch „la vuolp” und auf Münstertalerisch „la uolp”. Alle verwandt mit Italienisch „la volpe”, aber eben doch - anders.

Es lebe die Vielfalt!

Speisekarten, Zeitschriften, Stadtratprotokolle - alles liest und schreibt man im Engadin inzwischen auf Deutsch. Unsere Sprache verdrängt das vom Aussterben bedrohte Rätoromanisch! Das können wir nicht hinnehmen.

Ich fordere daher alle Leserinnen und Leser auf: Adoptiert sofort mindestens einen rätoromanischen Ausdruck!

Warum nicht einfach „Bien di” - klingt das nicht viel netter als unser „Guten Tag”?

Alle Fragen des Universums minus eins

Freitag, 12. Februar 2010

Dass 42 die Antwort auf alle Fragen des Universums ist, weiß inzwischen jedes Kind. Doch wie genau lautet die Frage? Vielleicht: Wo sind die ganzen Kugelschreiber hin, die ich neulich noch hatte? Warum lässt mein Drucker sein rotes Lämpchen neckisch blinken, anstatt sich auf seine Kernkompetenz zu besinnen? Keiner weiß es. Doch eines der vielen ungeklärten Rätsel der Menschheit ist jetzt gelöst:

Forscher fanden heraus, warum in Flugzeugen so häufig Tomatensaft getrunken wird!

Etwa weil sein Haltbarkeitsdatum bald überschritten ist und die FlugbegleiterInnen ihn den Passagieren aufnötigen? Oder ist es die nackte Flugangst, die Menschen dazu treibt, ein Getränk zu ordern, das sie unter normalen Umständen nicht anrühren würden?

Nein, die Antwort lautet: Es liegt am Luftdruck!

Statt ein muffiges Aroma zu verbreiten, duftet (und schmeckt) Tomatensaft in 10.000 m Höhe lecker, fruchtig, köstlich …

Der Luftdruck also. Marktlücken tun sich auf - der Druckkammergastronomie gehört die Zukunft!

Oder gibt es die längst, zumindest für die High Society? An die Stelle der soeben gelöste Frage nach dem Rätsel des Tomatensaftkonsums auf Flugreisen tritt sofort eine neue:

Welchem Druck muss ein Mensch ausgesetzt sein, um sein Kind Amadeus Benedict Edley Luis Becker zu nennen?

Rückrufaktion!

Mittwoch, 10. Februar 2010

Hiermit gebe ich bekannt, dass ich sämtliche von mir jemals verfassten Texte zurückrufe, in denen das Wort “Litfasssäule” vorkommt, denn hierbei handelt es sich um einen gefährlichen Schreibfehler.

Bitte mailen Sie die Texte umgehend an meine Textwerkstatt, das “ss” wird dort gegen ein ungebremstes “ß” eingetauscht. Nicht notwendig ist die Rücksendung, wenn in Ihrem Text bereits richtigerweise “Litfaßsäule” steht oder das Wort dort nie vorkam.

Der Umtausch wird selbstverständlich kostenlos vorgenommen, die Begründung gibt’s gratis dazu: Anders als bei Passstraße, Nusssorbet oder Fassspund stehen hier keine drei “s” nebeneinander, und das, obwohl die 2. Silbe kurz gesprochen wird, weil “Litfaß” ein Eigenname ist: Die Litfaßsäule ist nach seinem Erfinder Ernst Litfaß benannt.

Gibt es eigentlich noch Litfaßsäulen?

Perfektes Timing

Donnerstag, 04. Februar 2010

Die FDP fordert nationale Streusalzreserven. Also so etwas Ähnliches wie die US-amerikanischen Goldreserven, nur eben Salz. Salz wird den Untergang des Abendlandes verhindern. Aber auch den Untergang der FDP?

Nun wollen wir mal nicht so streng sein. Das Argument kommt wirklich zum richtigen Zeitpunkt: Am Tag NACH Einsetzen des Tauwetters. Und überhaupt NACHDEM das Thema in jeder Talkshow, in jeder Automobilzeitschrift und an jedem Stammtisch durchgekaspert wurde. Nicht zu vergessen NACHDEM die FDP “Regierungsverantwortung übernommen” hat.

Nationale Streusalzreserven - also wirklich. Sowas fordert man doch höchstens als Oppositionspartei! Aber so lange wollte sie dann doch nicht mehr warten mit dem Vorschlag, die FDP …

Seh ich richtig?

Samstag, 23. Januar 2010

Wenn ich aufs Ergebnis schaue, leider ja: Der 1. FC Kaiserslautern hat gegen den Tabellenletzten Ahlen leider nur ein Null zu Null geschafft.

Aber darum geht es nicht, sondern um den Schiedsrichter. Beziehungsweise die Schiedsrichterin: Sie heißt Bibiana Steinhaus, ist Polizeibeamtin und hat das Spiel heute geleitet.

bibiana-steinhaus1

Hej, ich wusste gar nicht, dass Schiedsrichterinnen inzwischen in der zweiten Herrenliga eingesetzt werden. Super!

Nächster Schritt: eine Frau als Bundestrainerin. Damit sich die jungen Millionäre mal so richtig ins Zeug legen …

 

Nix zu melden

Freitag, 22. Januar 2010

Wo Rauch ist, ist meistens auch Feuer. Deshalb sind Rauchmelder eine prima Sache. Im Prinzip. Wenn es brennt, verursachen sie ein ohrenbetäubendes Getöse, das verhindert, dass Menschen im Schlaf an einer Rauchvergiftung sterben. Ihr Signalton ist so schrill, dass man sofort aufwacht und sich in Sicherheit bringen kann.

Doof ist nur, wenn dieser Radau losgeht ohne auch nur das leiseste Fünkchen eines Feuers. Einfach so aus dem nichts heraus.

Noch doofer, wenn davon kein anderer Mitbewohner wach wird. Da bleibt einem nichts anderes übrig, als mitten in der Nacht einen Küchenstuhl zu erklimmen und dem Ungetüm, das an der Decke hängt und immer lauter trötet, die Batterie zu entreißen.

Lieber Rauchmelder, du hast hier bitte nix zu melden - außer ernstgemeinten Warnungen.

Clarissa von Reinhardts Silvestertipps für Hundehalter

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Der aktuelle  Spaß-mit-Hund-Newsletter gibt heute ausführliche Tipps für alle, deren Hunde nicht gerade begeistert sind von Silvester. Die Autorin  Clarissa von Reinhardt erlaubt ausdrücklich, diesen Text ungekürzt, unverändert und unter Nennung der Quelle weiträumig zu verbreiten. Was ich hiermit tue. Darum bittend, sich nicht an der Schreibweise “Sylvester” zu stören …

Hilfe für den Hund am Sylvestertag - oder:

Ist die Menschheit verrückt geworden?!

„Alle Jahre wieder…” kommt leider nicht nur das Christkind, sondern pünktlich eine Woche später auch die große Knallerei. Weihnachten gilt als stilles und besinnliches Fest, an dem es gar nicht ruhig genug sein kann, selbst unser altes deutsches Liedgut preist die „Stille Nacht, heilige Nacht…” , aber nur sieben Tage später scheint die Menschheit regelmäßig verrückt zu werden. Es kann gar nicht laut und grell genug werden - ganz gleich, einen wie hohen Preis wir dafür zahlen.

Ebenfalls fragt sich alle Jahre wieder der gesunde Menschenverstand, wie es sein kann, dass angesichts (ver)hungernder Menschen und Tiere, einer kriselnden Weltwirtschaft und scheinbar nicht lösbarer Umweltprobleme, die uns irgendwann alle miteinander mit einem ganz großen Knall ins Jenseits befördern könnten, überhaupt ein Mensch so verrückt sein kann, Geld für Raketen, Böller und Tischfeuerwerk auszugeben?! Ja wissen die Leut` denn wirklich nichts Besseres damit anzufangen? Für die ganz Ideenlosen wüsste ich da ein paar Umwelt- und Tierschutzorganisationen, die um jeden Cent dankbar wären. Auch das Frauenhaus, die Welt-hungerhilfe und Aktion Mensch hätten sicher einen besseren Verwendungszweck für die Milliarden, die da alljährlich in die Luft gepulvert werden.

Und nun möge mir bloß keiner mit der Tradition kommen! Ach, so vieles wird unter dem Deckmäntelchen der Tradition fortgeführt, so vieles, das man lieber bleiben lassen sollte: Der Stierkampf, die Treibjagd, Pferderennen oder auch die Unterdrückung der Frau, die nach wie vor in vielen Ländern dieser Erde zur guten (?) alten Tradition gehört. Na ja, manchmal ist die Tradition halt auch mehr alt als gut und gehört einfach abgeschafft. Es lohnt, darüber nachzudenken.

Als Tierhalterin habe ich mir die Knallerei schon als Jugendliche abgewöhnt. Zu sehr taten mir die Hunde (und Katzen!) leid, wenn sie sich zitternd unter der Eckbank verkrochen und tagelang nicht mehr aus dem Haus trauten. Ich dachte an die Wildtiere, die ebenfalls voller Angst und Schrecken flüchten und Schutz suchen vor einer nicht benennbaren und nicht verstehbaren Gefahr.

In meiner Hundeschule mehren sich jetzt wieder die Anrufe der Verzweifelten, die fragen, ob ich Tipps hätte, wie man mit dem geliebten Vierbeiner die Jahreswende halbwegs schadlos übersteht. Immer wieder stellt man mir die Frage, ob ich mich da auskenne. Oh ja, da kenne ich mich sogar sehr gut aus, denn drei meiner sieben Hunde haben schreckliche Angst und zwei fürchten sich zumindest etwas. Mit den folgenden, jahrelang im Ernstfall erprobten Tipps kommen wir ganz gut über die Runden:

Die einfachste Lösung zuerst: Hauen Sie mit Ihrem Hund einfach für ein paar Tage ab. Buchen Sie eine einsame Berghütte irgendwo im Nirgendwo. Das müssen Sie allerdings rechtzeitig tun, denn einsame Berghütten gibt`s bei weitem nicht so viele wie genervte Hundehalter, die diese zur Jahreswende händeringend suchen. Reisen Sie schon ein paar Tage vor Sylvester ab und bleiben Sie auch etwas länger, denn wie wir alle wissen, beginnt die Knallerei schon Tage vor dem ganz großen Spektakel und zieht sich auch noch bis zum zweiten oder dritten Januar hin.

Wenn diese Lösung nicht möglich ist, wäre mein wichtigster Tipp, dass Sie Ihrem Hund so viel Ruhe wie möglich vermitteln und durch Idolfunktion vorleben, dass Ihnen der ganze Rummel gar nichts ausmacht. Für mich ist dies zugegeben der schwierigste Part, denn tatsächlich könnte ich jedem, der da draußen rumknallt, ebenfalls eine knallen - kleine Kinder, die noch nicht wissen, was sie tun, ausgenommen.

Durch die Stimmungsübertragung beeinflussen wir unsere Hunde ganz enorm, je gelassener Sie also sind, desto eher kann Ihr Hund sich zumindest etwas beruhigen. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass Ihr Hund keine Angst mehr hat, nur weil Sie keine haben, denn ganz so einfach läuft es nicht. Es ist etwa wie bei einem bevorstehenden Besuch beim Zahnarzt, der Ihnen große Angst macht: Ein Partner, der Ihnen Mut zuspricht und Gelassenheit ausstrahlt, hilft zumindest etwas - einer der glaubt, man brauche doch keine Angst haben, weil er/ sie ja schließlich auch keine Angst hat, hilft überhaupt nicht, sondern nervt einfach nur.

Tipp Nummer zwei steht in direktem Zusammenhang mit Tipp Nummer eins: Haben Sie Zeit für Ihren Hund, stehen Sie ihm durch Anwesenheit zur Verfügung und ermöglichen Sie ihm das Kontaktliegen, wenn er es wünscht. Hierbei müssen Sie aber sehr präzise arbeiten, damit es nicht zu einer so genannten unbewussten Bestätigung kommt. Keinesfalls heißt dies nämlich, dass Sie Ihren Hund auf den Arm nehmen, herumtragen oder auf den Schoß setzen sollen, während Sie ihn streicheln und in endlosen Litaneien bedauern, denn dieses Verhalten würde die Angst Ihres Hundes nur verstärken. Allerdings sollten Sie andererseits auch keinesfalls - wie von manchen Trainern empfohlen - Ihren Hund ignorieren, wenn er Angst hat. Dieser Tipp, der die oben genannte „unbewusste Bestätigung” verhindern soll, ist weit über das Ziel hinaus geschossen, denn wenn Sie Ihren Hund ignorieren, wenn er Angst hat, was vermitteln Sie ihm dann?! Dass Ihnen seine Angst vollständig egal ist und er sich an jemand anderen wenden muss, wenn er Unterstützung und Schutz braucht - und das ist für eine gute Bindung und ein angestrebtes Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Halter das reinste Gift! Deshalb haben wir seit Jahren ein Ritual eingeführt, das bestens funktioniert:

Unser Wohnzimmer wird zu einer Liegelandschaft umgebaut. Zugegeben, bei nur einem Hund oder zweien ist das nicht nötig, es reicht ein bequemes Sofa, aber wir haben ja sieben… Einer von uns hält sich die meiste Zeit über auf der „Liegewiese” auf, meistens lesen wir oder telefonieren mit Freunden. Die Hunde kommen ganz von selbst und suchen den Körperkontakt, wenn die Knallerei losgeht. Sie legen sich mit hin, dürfen sich ankuscheln und unsere Nähe spüren. Einem von ihnen hilft es besonders, wenn wir ihn mit einer Decke so zudecken, dass nur noch sein Kopf rausschaut - er fühlt sich so eingehöhlt sicherer. Wenn die, die besonders große Angst haben, anfangen zu hecheln oder uns anzupföteln, reagieren wir darauf nur geringfügig und sagen einfach nur kurz „Ist schon o.k.” oder Ähnliches und strahlen weiterhin heitere Gelassenheit aus. Um diese Stimmung zu erzeugen, helfen übrigens Bücher des Dalai Lama ausgesprochen gut!

Zusätzlich läuft bei uns der Fernseher in einer Lautstärke, die gut erträglich ist, aber doch den Lärm von draußen zumindest teilweise abmildert. Diese Geräuschkulisse kann die Knallerei natürlich nicht übertönen, dann würden uns - und besonders unseren Hunden, deren Gehör viel feiner ist - ja die Ohren weh tun. Aber sie verhindert eine allzu starke Fokussierung auf die Knallgeräusche. Der besondere Tipp: Auf 3 SAT laufen jedes Jahr ab 11.00 Uhr vormittags bis weit nach Mitternacht Mitschnitte von tollen Live-Konzerten der vergangenen Jahre. Echte Sahnestücke der Musikgeschichte, von Phil Collins über U2, Michael Jackson, Pink oder Tina Turner, es ist für so ziemlich jeden Musikgeschmack etwas dabei.

Sehr hilfreich ist auch eine CD, die es als Beigabe zu dem Buch „Mit den Ohren eines Hundes” (sehr zu empfehlen!) gibt. Die auf ihr zu hörende Musik wurde nach jahrelangen Forschungen auf dem Gebiet der Psycho-Akustik arrangiert und ist speziell auf das akustische Wahrnehmungsvermögen von Hunden abgestimmt. Sie wirkt beruhigend und wird bereits erfolgreich in Tierheimen, Hundepensionen und Tierkliniken eingesetzt.

Sobald es am Nachmittag auch nur ansatzweise dämmrig wird, machen wir überall im Haus das Licht an, um die von draußen kommenden Lichtreflexe zu mildern. Sollten Sie Gardinen oder Rollos haben, sollten Sie diese schließen. Manchmal hört man den Tipp, mit dem Hund am besten in den Keller zu gehen, im Idealfall in einen Keller ohne Fenster. Dies ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn Sie das nicht ausschließlich zu Sylvester tun - sonst kann es schnell passieren, dass der Hund bereits das Heruntergehen in den Keller fürchtet, weil es für ihn in direktem gedanklichen Zusammenhang mit der Knallerei steht. Sollten Sie aber eine Art eingerichteten Hobbyraum haben, den Sie regelmäßig nutzen, kann es tatsächlich hilfreich sein, Sylvester dort unten zu verbringen, bis gegen 2.00 oder 3.00 Uhr nachts zumindest die schlimmste Knallerei vorbei ist.

Die Gassi-Runden reduzieren wir auf kurze Gänge in der Nähe des Hauses, damit die ängstlichen Hunde das Gefühl haben, jederzeit auf dem schnellsten Weg wieder nach Hause zu können. Ist „die Fluchtburg” in kürzester Zeit erreichbar, fühlt sich so mancher Hund zumindest etwas besser. Wenn Sie einen Garten haben, können Sie das Rausgehen auch auf diesen beschränken. Wir gehen am 31. Dezember immer eine ganz lange Runde sehr früh am Morgen, so gegen 6.00 Uhr - da ist es noch weitgehend ruhig. Danach bleiben wir mit den ängstlichen Hunden auf unserem Grundstück.

Wenn Sie einen Hund haben, der in Panikattacken verfällt, wenn er es - selbst in größerer Entfernung - knallen hört, dann führen Sie ihn an den Tagen rund um Sylvester mit doppelter Leinensicherung und bleiben Sie in der Nähe Ihres Hauses oder Ihres offen stehenden (!) Autos, denn für diese Hunde ist das Erreichen „der Fluchtburg” eine Frage des Überlebens.

Von der häufig empfohlenen Gabe von Medikamenten möchte ich dringend abraten! Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, dass jedes Psychopharmaka eine so genannte Umschlagwirkung zeigen kann. Das bedeutet in diesem Fall, dass der Hund nicht beruhigt, sondern ganz im Gegenteil, jetzt erst richtig hoch gefahren wird. Der Kreislauf wird aktiviert, der Puls rast wie verrückt, der Hund kommt nicht mehr zur Ruhe und der so gestresste Organismus nimmt die Außenreize durch die Adrenalinausschüttung noch stärker wahr. Vor ein paar Jahren wurde ich am Sylvesterabend von einer völlig verzweifelten Hundehalterin angerufen, bei deren Eurasier-Rüden genau das passiert war. Der Hund drehte völlig durch, speichelte, raste fieberhaft nach Unterschlupf suchend durch das Haus und war kaum noch ansprechbar. Die Tierärztin, die das Mittel verschrieben hatte, empfahl am Telefon, den Hund in die Praxis zu bringen, was vollkommen ausgeschlossen war für die Halterin, weil er sich nicht einmal mehr anfassen ließ, ohne deutlich drohend zu fletschen - was er übrigens sonst nie tat! Als ich nach halbstündiger Fahrt dort ankam, war der Hund bereits so durchgedreht, dass ich einen Kreislaufkollaps befürchtete. Uns blieb also nichts anderes übrig, als uns auf den Hund zu stürzen, ihn - halb im Würgegriff - ins Auto zu zerren und in die Klinik meines Vertrauens zu bringen. Dort wurde er in Narkose gelegt, um ihn erst einmal ruhig zu stellen. Dann wurde er an den Tropf gehängt, um die Wirkstoffe in seinem Körper möglichst schnell auszuschwemmen. Es dauerte mehr als 14 Tage, ehe dieser Hund sich halbwegs erholt hatte und sein Frauchen und mich wieder vertrauensvoll an sich heran ließ. Er war damals fünf Jahre alt und ich kannte ihn seit seiner Welpenzeit. Er hatte uneingeschränktes Vertrauen zu mir und seiner Halterin bis zu diesem Abend gehabt…

In einem anderen Jahr rief mich am 05. Januar eine Dame an, deren Hund sich seit Sylvester völlig verändert hatte. Er zitterte, sobald er nur angesprochen wurde und reagierte extrem auf jegliche Außenreize, die mit Geräuschen oder Licht zu tun hatten. Er flüchtete zum Beispiel in Panik unter den Küchentisch, als vor dem Haus die Straßenlaterne anging. Beim Beratungsgespräch stellte sich dann heraus, dass auch dieser Hund auf Anraten eines befragten Tierarztes Medikamente verschrieben bekommen hatte. Er wählte ein Mittel aus, das hauptsächlich auf der Basis eines Muskelrelaxans wirkte, das Bewusstsein aber kaum beeinflusste. Im Klartext bedeutete dies, dass dieser arme Hund, der schon immer große Angst vor Sylvester hatte, alles um sich herum mitbekam, aber unfähig war, sich zu bewegen. Gefangen im eigenen Körper konnte er weder hecheln, noch herumlaufen oder sich verkriechen, so wie er es sonst immer getan hatte. Die Folgen waren fatal - dieser Hund erlitt ein Trauma, von dem er sich nie mehr richtig erholte. Er hatte für den Rest seines Lebens Probleme und die Halterin verfluchte den Tag, an dem er das „Beruhigungsmittel” bekommen hatte.

Ich könnte noch einige solcher Beispiele nennen, die ich im Laufe der Jahre miterlebt habe. Es waren weit mehr als nur diese beiden und aus diesem Grund würde ich die Gabe von Medikamenten nicht empfehlen. Ich kenne keinen einzigen Hund, der sich nicht über kurz oder lang wieder erholt hätte nach der Knallerei - aber einige, die durch Medikamentengabe traumatisiert wurden. Selbstverständlich gibt es auch Hunde, die die Medikamentengabe gut vertragen - nur weiß man vorher nicht, ob es so sein wird und mir ist das Risiko für die mir anvertrauten Tiere definitiv zu groß, falls es nicht so sein sollte.

Hingegen macht eine Kollegin von mir recht gute Erfahrungen mit der Gabe von Bach-Blüten. Suchen Sie sich einen seriösen Therapeuten, der eine individuelle Mischung für Ihren Hund zusammenstellt. Die im Handel erhältlichen, fertigen Mischungen möchte ich Ihnen nicht empfehlen, da sie der eigentlichen Lehre Bach`s und seinem Verständnis über die Wirkung der Blütenmittel nicht entsprechen. Eine Umschlagwirkung ist hier nicht bekannt, es soll aber nicht verschwiegen werden, dass es in seltenen Fällen zu einer Erstverschlimmerung der Symptome kommen kann, ähnlich wie wir sie aus der Homöopathie kennen. Sollte diese gerade an Sylvester auftreten, wäre das natürlich fatal. Deshalb ist eine vorherige Gabe zum Ausprobieren empfohlen.

Einigen Hunden hilft auch der D.A.P.-Stecker recht gut, der im Fachhandel erhältlich ist. D.A.P. ist die Abkürzung für Dog Appeasing Pheromone. Diese Pheromone sind Duftstoffe, die eine Mutterhündin während der Laktationsphase zwischen der Milchleiste absondert und die beruhigend auf die Welpen wirken. Man fand heraus, dass diese Wirkung auch noch bei erwachsenen Hunden eintritt und schließlich gelang es, diese Pheromone zu synthetisieren. Steckt man nun diesen Stecker in die Steckdose, wird der Geruch der Pheromone ausgeströmt. Wichtig ist hierbei allerdings, dass Sie dem Hund die Gelegenheit geben, den Raum zu verlassen, wenn er das wünscht, denn nicht alle Hunde mögen diesen Geruch und nicht auf alle wirkt er beruhigend! Beobachten Sie Ihren Hund, ob er sich freiwillig in die Nähe des Steckers begibt und tatsächlich ruhiger wird oder ob ihm dieser Geruch völlig egal zu sein scheint oder er sogar den Raum verlässt. Auch hier ist es sinnvoll, nicht erst am Sylvesterabend auszuprobieren, welche Reaktionen Ihr Hund zeigt, fangen Sie ruhig schon ein bis zwei Wochen vorher damit an. Auf gar keinen Fall sollten Sie die ebenfalls erhältlichen D.A.P.-Halsbänder verwenden, denn einmal angelegt kann der Hund sich eben nicht mehr frei entscheiden, ob er den Geruch sucht oder meidet, sondern ist ihm ausgeliefert. Interessant ist, dass der Hersteller anfangs, als es nur die Stecker gab, selbst ausdrücklich darauf hinwies, wie wichtig es ist, dem Hund die Möglichkeit zum Ausweichen zu geben. Trotzdem hat er dann die Halsbänder und auch noch ein Spray auf den Markt gebracht. Man macht sich so seine Gedanken, was hinter diesem Sinneswandel steckt…

Für viele Menschen ist übrigens unklar, warum Hunde gerade vor Sylvester so große Angst haben. Manchmal sogar solche, die zum Beispiel keine Probleme mit Schüssen oder Gewitter haben. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass durch die Knallerei gleich mehrere Sinne deutlich überstrapaziert werden: Der Gehörsinn durch den Lärm, der Gesichtssinn (die Augen) durch die ungewohnten und in großer Anzahl auftretenden Lichtreflexe und der Geruchssinn durch den Gestank, den die Böller verursachen und der ebenfalls ungewohnt ist für den Hund.

Abschließend wünsche ich Ihnen und Ihrem Hund (oder Ihren Hunden) eine möglichst ereignislose Sylvesternacht und hoffe, dass die hier zusammengefassten Tipps helfen, mit möglichst viel Ruhe und Frieden ins neue Jahr zu kommen!

Clarissa v. Reinhardt, www.animal-learn.de

 

P.S. : Als Autorin erlaube ich ausdrücklich, diesen Text ungekürzt, unverändert und unter Nennung der o.g. Quelle weiträumig zu verbreiten. Wenn Sie ihn erhalten haben, freue ich mich, wenn Sie ihn an Freunde und Bekannte weiter schicken, ihn in Foren oder auch gern auf Ihre eigene Homepage stellen. Sie dürfen ihn auch ausdrucken, kopieren und verteilen. Desto mehr Menschen er erreicht, desto mehr Tieren kann hoffentlich geholfen werden.

Sind wir nicht alle ein bisschen Pippi?

Samstag, 28. November 2009

Das Wortfeilchen behauptet, die eigentliche Pippi zu sein. Aber dazu ist sie ja viel zu jung, nicht wahr? Außerdem kann ich beweisen, dass meine Kindheit genauso langstrümpfig war wie ihre:
kinderbild-pippi-ausschnitt

Dass ich mich an Fasnacht als Pippi verkleidete, war sowas von selbstverständlich, ebenso wie die Tatsache, dass Funkenmariechen-Kostüme nicht in die Tüte kamen.

Als eines sonntagnachmittags (14 Uhr? Lief Pippi nicht immer am frühen Nachmittag?) die Fernsehansagerin sprach: “Und heute, liebe Kinder, kommt Pippi zum letzten Mal zu euch”, musste ich sehr weinen. Hätte mir damals jemand gesagt, dass es Wiederholungen geben würde und Videos und DVDs und YouTube und Stieg Larsson, der seine Figur Lisbeth Salander als erwachsene Pippi Langstrumpf erschuf, es hätte mich wirklich getröstet!