Hörenswert heute auf SWR3 - und lesenswert auf der SWR3-Website - ist ein Beitrag über die Veränderung der deutschen Sprache durch Fußballer mit Migrationshintergrund. Statt “er hat einen Vertrag” setzt sich das artikellose “er hat Vertrag” immer mehr durch. Und das nicht nur bei den Spielern selbst, sondern auch bei den Kommentatoren und Journalisten. Hat irgendwer Problem damit?
Archiv für die Kategorie ‘Klugscheißerei’
Schapp Urlaub. Schapp voll Bock. Und schapp Vertrag …
Samstag, 03. Juli 2010Ey, Frollein!
Mittwoch, 09. Juni 2010Mit der korrekten Anrede ist es so eine Sache. Selbst bei prominenten Würdenträgern kann man mal ins Grübeln kommen …
“Herr Papst” ist sicher nicht ganz korrekt, “Papa Ratze” darf nur Stefan Raab zum Oberhaupt der katholischen Kirche sagen - alle anderen murmeln ergriffen “Heiliger Vater” oder “Eure Heiligkeit”, wenn sie ihn mal treffen. Wobei Letzteres zu Verwirrung führen könnte, wenn er sich in einem Raum mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen oder dem Dalai Lama befände, denn auch das sind Heiligkeiten.
Immerhin gibt es in kirchenführenden Kreisen kein Genderproblem. Wobei - so problematisch ist es ja meist gar nicht, die korrekte weibliche Form zu finden. Natürlich heißt es Frau Bundeskanzlerin, Herr Senator, Frau Staatsanwältin, Herr Botschafter, Frau Generalin, Herr Wachtmeister … Nein, Unsinn: Bei der Polizei sind derartige Dienstgrad-Anreden unüblich geworden (gibt es überhaupt noch Wachtmeister? Falls nicht, wäre es schade um das schöne Wort, das aber immerhin im Kasperletheater weiterleben wird).
Unabhängig von Würdenträgern und Adeligen (Durchlaucht, Hoheit, Majestät, Hochwohlgeboren), denen man ja im Alltag seltener begegnet, war bis heute noch eines ungeklärt: nämlich die korrekte Anrede einer Kellnerin. Irgendwelche Vorschläge? Vielleicht “Bedienung” oder “Frollein”?
Die Deutsche Knigge-Gesellschaft hat diese Frage nun endlich geklärt. Es gab Tausende von Vorschlägen, aus denen eine Jury “Frau Ober” auswählte. Wer hätte das gedacht!
Warum nicht Frau Oberin? Ganz einfach: Damit wäre eine Kloster-Vorsteherin gemeint …
E15 - der Unaussprechliche.
Donnerstag, 22. April 2010Wer es ernsthaft probiert, den Namen Eyjafjallajökull auszusprechen, wird schnell an seine Grenzen stoßen …
Kein Wunder, dass der Vulkan auch gerne “E15″ genannt wird - für den Anfangsbuchstaben und die 15 folgenden Lettern. Dabei hört es sich doch gar nicht sooo kompliziert an:
Übrigens:
Eyja steht für Insel, fjall für Berg, das a zeigt einen Genitiv an und jökull heißt Gletscher. Eyjafjallajökull ist also gar nicht der Name des Vulkans, sondern des Gletschers drumherum.
Namen sind eben doch mehr als Schall und Rauch - sie sind auch Asche und Zungenbrecher …
Rosen? Nee, das war gestern …
Montag, 15. Februar 2010Was für ein Zufall: Ein Tag nach dem Valentinstag, von dem uns die Werbung für Schnittblumenanbieter, Schmuckläden und Designer-Outlets weismachen will, er sei in unseren Breiten Tradition, ist Rosenmontag. Der wird zwar hierzulande kräftig gefeiert, hat aber mit Rosen weit weniger zu tun als der legendäre Bischof Valentin von Terni (der eigentlich Schutzpatron der Floristen sein müsste) und der nach ihm benannte Tag der Liebenden.
Rosenmontag nämlich kommt von “Rasen(d)montag” - und bedeutet eigentlich “toller, verrückter Montag”. Närrisch, was?
Rückrufaktion!
Mittwoch, 10. Februar 2010Hiermit gebe ich bekannt, dass ich sämtliche von mir jemals verfassten Texte zurückrufe, in denen das Wort “Litfasssäule” vorkommt, denn hierbei handelt es sich um einen gefährlichen Schreibfehler.
Bitte mailen Sie die Texte umgehend an meine Textwerkstatt, das “ss” wird dort gegen ein ungebremstes “ß” eingetauscht. Nicht notwendig ist die Rücksendung, wenn in Ihrem Text bereits richtigerweise “Litfaßsäule” steht oder das Wort dort nie vorkam.
Der Umtausch wird selbstverständlich kostenlos vorgenommen, die Begründung gibt’s gratis dazu: Anders als bei Passstraße, Nusssorbet oder Fassspund stehen hier keine drei “s” nebeneinander, und das, obwohl die 2. Silbe kurz gesprochen wird, weil “Litfaß” ein Eigenname ist: Die Litfaßsäule ist nach seinem Erfinder Ernst Litfaß benannt.
Gibt es eigentlich noch Litfaßsäulen?
Spinnen geht über trainieren
Dienstag, 12. Januar 2010Rumspinnen ist eine feine Sache. Mir jedenfalls macht es viel mehr Spaß als in einer verschwitzten Muckibude zu trainieren.
Offenbar geht es nicht nur mir, sondern allen Spinnern - Verzeihung: Spinnen - so. Denn die stehen nicht so auf Muskeln und sparen in den Beinen gleich sämtliche Strecker ein. Beugemuskeln genügen, gestreckt wird mit Hilfe eines hydraulischen Systems. Wie bei Citroën, nur ohne Räder.

Foto: © Danny Wyatt / PIXELIO
Wie erkennt man also, ob eine Spinne noch lebt oder tot ist? Nein, man muss ihr keinen Spiegel vors Gesicht halten (haben Spinnen überhaupt Gesichter?), sondern man erkennt es an den gekrümmten, angezogenen Beinen. Denn mit ihrem Ableben sinkt auch der innere Flüssigkeitsdruck in den Spinnenbeinen. Da würden allerdings auch keine Muskelpakete mehr helfen …
Bis drei zählen können fast alle. Bis zehn dagegen nur wenige …
Samstag, 02. Januar 2010Das hat mich beim Jahrtausendwechsel schon aufgeregt, und nun geht es wieder los: Ständig ist die Rede vom neuen Jahrzehnt.
Na wie lange dauert wohl ein Jahrzehnt? Richtig, 10 Jahre. Man zähle mal bis 10. Ist ganz leicht. In Worten:
eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn
Das Jahr 10 war also das letzte Jahr des ersten Jahrzehnts. Genau wie 2010 das letzte Jahr dieses Jahrzehntes ist. Es endet an Silvester, also in 363 Tagen.
Doch jetzt genug der Klugscheißerei. Ein glückliches neues Jahr wünsche ich allerseits!
Willkommen in KW 53
Dienstag, 29. Dezember 2009Ja, es gibt sie, die 53. Kalenderwoche. Jedenfalls im Jahr 2009. Entscheidend ist gemäß Definition nach DIN 1355/ISO 8601, dass die erste KW mindestens vier Tage des neuen Jahres enthält.
Ähm … und was heißt das? Theoretisch – auch praktisch – ist es also möglich, dass Silvester schon in der 1. KW des neuen Jahres liegt, oder umgekehrt: der 1., 2. und 3. Januar noch in der letzten KW des Vorjahres. Allerdings liegt der 4. Januar immer, immer, immer in der 1. Kalenderwoche. Und wenn ein Jahr mit einem Donnerstag beginnt bzw. endet, hat es 53 Wochen.
Alles klar?
Unzählige Tücken und Fallen bergen Kalender übrigens für Korrekturleser. Falsch geschriebene „Mitwoche” und „Samtage” oder Dienstage, die gleich doppelt vorkommen, dicht gefolgt von einem Donnerstag, sind da nur die Spitze des Eisberges …
Mehr zur Fehlerfundgrube Kalender gibt’s im Sprachtipp der Protextbewegung. Diesmal übrigens von mir.
Das 20.-November-Quiz
Freitag, 20. November 2009Wenn die UNESCO schon einen Welttag der Philosophie festlegt, dann will ich mal nicht so sein und das Ereignis ignorieren. Stattdessen mach ich es zum Tagesthema und rufe ein Quiz aus: Von wem stammt dieses Zitat?
“Mein Impuls geht immer dahin, Logik zu zerstören. Denn wenn man der Logik folgt, ist das Ergebnis vorhersehbar und nicht mehr kreativ.”
Ein Tipp: Konfuzius war’s nicht. Und auch nicht Aristoteles …
Fünfhundertsieben Johannisbrotbaumsamen oder eine kleine Orange
Mittwoch, 30. September 2009Die Samen des Johannisbrotbaums sind hörnchenförmig gebogen und hießen daher im Griechischen „kerátion” - was die Verkleinerungsform ist von „kéras”, Horn. Daraus wurde im Arabischen „qirat” und im Mittellateinischen „carratus”. Mit Karate hat es also nichts zu tun, wenn der jüngst in einem südafrikanischen Bergwerk gefundene Riesendiamant als 507-Karäter bezeichnet wird. Er sei ungefähr so groß, wie eine kleine Orange, sagte ein Sprecher des Diamantenförderers. Passender Vergleich - abgesehen vom Preis. Wenn die Orangen irgendwann 18 Millionen pro Stück kosten, muss man den Sekt wohl wieder pur trinken …
