Archiv für die Kategorie ‘Mediendschungel’

Humorlose Werbung? Stinkt mir!

Dienstag, 09. März 2010

Werbung soll verkaufen, klar. Aber vorher noch fesseln, informieren und im Idealfall unterhalten!

Hier einer meiner Lieblingsspots:

Schade eigentlich, dass das keine Deo-Werbung ist …

Böse Falle

Mittwoch, 03. März 2010

Mausefallen sind ja noch relativ harmlos, Kaninchenfallen schon etwas deftiger, Bärenfallen mit Vorsicht zu genießen …

… doch wirklich gefährlich ist offenbar nur die Ypsilanti-Falle!

Wer hebt da voller List und Heimtücke eine Fallgrube aus, um wen zu Fall zu bringen? Wer fällt drauf rein? Etwa der Wähler? Und sind Politiker jetzt als Stimmenwilderer zu betrachten?

Wie auch immer: Ypsilanti-Falle, das merk ich mir. Und danke der WELT für diese herrlich dramatische Wortneuschöpfung!

Alles außer … neuen Ideen

Freitag, 26. Februar 2010

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis ein Praktiker-Konkurrent kontert. Jetzt ist es so weit: Toom Baumarkt bietet “20 Prozent Rabatt auf Tiernahrung”.

Das lässt Praktiker natürlich nicht auf sich sitzen: “20 Prozent auf alles außer … Pflanzen”, tönt es heute aus dem Radio. Mit einer Kunstpause vor “Pflanzen” und einem unausgeprochenen, aber deutlich wahrnehmbaren  ”Ätsch” in der Stimme.

Na da war aber jemand kreativ! Was kommt als nächstes? Werden bald 20 Prozent aller Pflanzenkäufe mit Tierfutter aufgewogen?

Kleine Frage an die Marketingabteilungen: Denkt ihr schon, oder klaut ihr noch?

Der gläserne Leser

Montag, 08. Februar 2010

Ja, ich HABE gestern Abend nach der Chorprobe noch ein großes Pils getrunken - und ein kleines hinterher. Meine Kehle war wie ausgetrocknet nach zwei Stunden „Sound of Silence” und „Every Breath you Take”. Tat einfach gut, die Hopfenkaltschale! Aber woher in aller Welt weiß Amazon das?

Heute früh, als ich mir einen (von einem Chor-Tenor empfohlenen) Thriller bestellen möchte, begrüßt mich die Online-Buchhandlung vorwitzig mit der Behauptung, dieses Buch könne mir gefallen: Die feine Art des Saufens. Ein Handbuch für den modernen Trinker” von Frank Kelly Rich.

Ich fühle mich ertappt und lese mit wachsender Verwunderung die Inhaltsangabe:

„Dieses höchst unterhaltsame Buch versammelt alles, was das stilvolle Trinkerherz begehrt: Benimmregeln für Betrunkene, 33 Dinge, die jeder Säufer einmal getan haben sollte, die besten Trinkertricks, Traumberufe für Trinker …”

Also bitte - als ob ich das nötig hätte! Ein „stilvolles Trinkerherz” hat mir noch kein Arzt attestiert, mein Benehmen lässt trotz des Gerstensaftes (hoffentlich) nicht mehr zu wünschen übrig als ohne Alkohol, mit Trinkertricks hab ich nichts am Hut und meinen Traumberuf längst gefunden.

Ich lese weiter:

„Und man erfährt, wie man Ruhm und Ehre nach der Sperrstunde erwirbt, die Mutter aller Partys inszeniert, und wie man mit Abstinenzlern auskommen kann. Kein Alkohol ist auch keine Lösung - deshalb gibt es dieses Buch.”

Lieber Frank Kelly Rich, wahrscheinlich haben Sie da ein Buch verfasst, das der Welt noch gefehlt hat. Genau wie das von Ihnen gegründete Magazin „The Modern Drunkard”. Und sicher können Sie und Ihre bezaubernde Frau Christa in Denver davon ganz wunderbar leben. Ich gönne es Ihnen. Aber keine Sorge - die Sperrstunde war für mich persönlich noch nie ein Problem, die Mutter aller Partys ist mit mir nicht verwandt und mit Abstinenzlern komme ich hervorragend aus - einige meiner besten Freunde sind Abstinenzler!

Und liebes Amazon-Team, ich weiß das Bemühen, mir interessante Produkte vorzuschlagen, sehr zu schätzen. Aber mir deswegen im Gasthaus zum kühlen Grunde nachzuspionieren und mir am nächsten Morgen mein harmloses Pils vorzurechnen, finde ich wirklich nicht nett von euch. Lieber schaue ich ganz unbeobachtet zu tief ins Glas, als dass ich zum gläsernen Leser werde …

In China …

Mittwoch, 13. Januar 2010

… fällt ein Reissack voller belangloser Nachrichten um. Beachtlich, wie viel da so reinpasst!

Rausgekrochen kommt jedenfalls zuerst Katy Perry, die übermütig lacht und verkündet, wie furchtbar hungrig sie sei. Dabei reibt sie ihr nicht vorhandenes Bäuchlein und tut so, als sei sie fett. Wahrscheinlich hat sie den Reis aufgefuttert, um dann die Aufmerksamkeit auf ihre Magengegend zu lenken und so zu tun, als habe sie sich aus Versehen als werdende Mutter geoutet. Tja, sowas kommt aber nicht vom Mädchenküssen, Katy!

Als nächstes befreit sich Prinzessin Caroline aus dem Sack. Hält sie Selbstgespräche? Nein, sie diskutiert mit dem Sack selbst! Verwechselt sie ihn etwa mit dem Herrn Gemahl? Kann doch nicht ihr Ernst sein. Andererseits - eine gewisse Ähnlichkeit ist unübersehbar … Doch was faselt sie da von “Aussage”? Spielt sie jetzt den dummen August, oder was?

Egal, wir vergessen die Prinzessin sofort, denn die graziösen Beine, die als nächstes zum Vorschein kommen, gehören Nicole. Kein Scherz! Sie hat genug von rasenden Weltmeistern, gibt sie bekannt, stattdessen will sie sich auf ihre Kinder … äh … Küche … äh, nein, genau, auf ihre Karriere konzentrieren. Wohlan und Aloah, kann man da nur sagen.

Oh, und wer ist die nächste? Etwa P!nk? Nein, die blonde Kurzhaarfrisur gehört dem Dornfelder unter den Fußballspielern - David Beckham. Vollkommen überschätzt sind alle beide, der Färbwein wie der Freistoßmän. Und letzterer hat’s auch mit der Farbe: Ein neues Tattoo zeigt Jesus Christ Superstar, allerdings in unbequem gebeugter Sitzhaltung. So, wie man sie manchmal beim Fußnägelschneiden einnimmt. Man darf gespannt sein, was auf die letzten freien Hautareale gestochen wird. Vielleicht ein Hungerhaken.

Ist der Sack endlich leer? Mitnichten. Da ist noch Platz für Bill Kaulitz, Bill Kaulitz’ Frisur sowie Brad Pitt, Angelina Jolie und ihre Kinderschar. Muss man darüber ein Wort verlieren? Nein.

Aber halt - wer irrt denn da noch herum? Das ist ja … tatsächlich, Dustin Hoffmann! Ihm kam zu Ohren, die Fortsetzung der “Reifeprüfung” würde gedreht und Mrs. Robinson sei schon gecastet. Nein, Dustin, das, was du meinst, ist bloß eine irische Real-Live-Polit-Doku-Soap, außerdem kommen als jugendliche Liebhaber keine Veteranen in Frage.

Aber jetzt - jetzt ist er leer, der Nachrichtensack. Wichtigeres ist den Tagesthemen zu entnehmen. Und was in China sonst noch so umfällt, findet man bei Google.

Daisy - gäääähn …

Montag, 11. Januar 2010

Draußen liegt Schnee. Mindestens sieben Zentimeter. Katastrophe! Wie konnte das passieren? Mitten im Winter? Wie gut, dass wir vorbereitet waren. Hätte ich keine Unwetterwarnung im Radio gehört, ich hätte womöglich nicht den warmen Pulli angezogen, sondern ein viel zu dünnes T-Shirt – und gnadenlos gefroren.

Aber zum Glück gibt es ja das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die uns zum Hamstern von Batterien, Kerzen, Trinkwasser und Lebensmitteln riet.

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe? Was machen die eigentlich im Sommer? Gänseblümchen zählen?

Apropos: Dass „Daisy” nichts anderes bedeutet als „Gänseblümchen”, dürfte bekannt sein. Dass „Gans” und damit „Gänseblümchen” von der indogermanischen Wurzel „ghan” stammt, die den Gähnlaut nachahmt, ist vielleicht weniger bekannt. Aber durchaus einleuchtend, oder?

Aber bevor hier alle einschlafen, hier noch was Nostalgisches für Winterromantiker:

Spirale des Wahnsinns

Montag, 04. Januar 2010

Ich war noch nie auf Mallorca. Ich besuche keine Diskotheken. Und ich bin kein Skihütten-Gast. Mit anderen Worten: Ich war in keinster Weise vorbereitet auf den Wendler …

Es ist Sonntag, früher Abend. Das Kaminfeuer prasselt. Der Tee ist süß und heiß. Ich mache es mir auf dem Sofa gemütlich und zappe durch die Programme. Eine Sekunde zu lange bleibe ich bei SAT1 hängen – und dann überkommt mich eine Schockstarre, die verhindert, dass ich weiterschalte. Denn was ich sehe, ist so unfassbar, dass das Wort „Fremdschämen” lächerlich untertrieben wäre.

Für alle, die ebenso ungebildet sind in Sachen „König des Discofox” oder „deutscher Popschlager” wie ich, hier eine kurze Definition: Michael Skowronek, genannt Michael Wendler, genannt der Wendler, ist ein Dinslakener ehemaliger Speditionskaufmann, der mit Titeln wie „Sie liebt den DJ”, „Partyhäschen” oder „Jede Liebe ist Selbstsucht” offenbar jede Menge Kohle macht.

So viel, dass er es sich goldfarbene Türgriffe leisten kann, eine voluminöse Sprudelbadewanne und ein Weibchen, das ihn anhimmelt und für ihn einkaufen geht. Zum Beispiel immer zehn Jeans auf einmal. Oder Hemden - aber nur in Schwarz oder Weiß. Andere Hemden zieht er nicht an, der Wendler. Er hat nämlich Geschmack. Und worauf er so richtig steht, das ist er selbst.

Deshalb gefällt er sich auch wahnsinnig gut als Hauptdarsteller einer sogenannten Doku-Soap mit dem Titel „Der Wendler-Clan”. Klingt peinlich – und ist es auch. Im höchsten Maße. Die Frage, womit das Dschungelcamp an Geschmacklosigkeit noch übertroffen werden kann, ist hiermit beantwortet. Der Wendler, der unter dem Namen Mic Skowy seine Songs schreibt und sich selbst vor laufender Kamera als „geile Sau” bezeichnet, schließt nicht nur – wie die Welt schreibt – die musikalische Lücke, die Rex Gildo durch seinen Sprung durchs Klofenster hinterlassen hat, sondern er überschreitet auch die Schamgrenze dessen, die bisher bei SAT1 für „guten Geschmack” galt.

Wer sich selbst davon überzeugen und Sätze wie „Es kann nur einen Herrn im Haus geben, und das bin zum Glück ich” (der Wendler) oder „Stimmt gar nicht, dass ich die Küche nie benutze, erst neulich hab ich doch mal was mit Reis gemacht” (dem Wendler seine Frau) hören möchte, sollte unbedingt die nächste Folge einschalten – bevor sich die Spirale des Wahnsinns noch schneller dreht und die Sendung abgesetzt wird …

Wo sind sie geblieben?

Montag, 14. Dezember 2009

Sag mir wo … nein, nicht die Blumen sind. Aber die netten Dinge aus früheren Jahrzehnten, die einfach heimlich, still und leise verschwunden sind, wie das Testbild. Einige davon kamen ja wieder, wie Tri Top. Andere wurden ersetzt, wie das West-Sandmännchen durch seinen Ost-Kollegen. Aber wo in aller Welt ist zum Beispiel das Fußball-Ballett aus der Sportschau geblieben? Wann wird man je versteh’n, trallallaala …

Ganz schön nobel? Hauptsache, saubere Fingernägel!

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Heute werden in Oslo und Stockholm die Nobelpreise feierlich überreicht. Was bei uns in den Nachrichten nur am Rande eine Rolle spielt, ist in Skandinavien DAS Top-Thema des Tages.

Svenska Dagbladet berichtet ausführlich über alle Aspekte des Ereignisses: unter anderem mit einem Benimmcode (Tabu: Jeans, Handys, Tischgespräche über brisante Themen, Handtasche auf dem Boden), einen genauen Sitzplan (der Chemiepreisträger hat einen Platz am Tisch des Königs) mit Zeitschema (Fanfaren erklingen um 19.00 Uhr, 19.11 Uhr und 19.13 Uhr) sowie ein Quiz über die Nobelpreisträger (Wie viele der drei Medizinnobelpreisträger sind Frauen? Wo wohnte Obama als Kind?).
Der interessierte Leser erfährt, welcher Chor singt, welche Speisen serviert werden und wer wann mit wem tanzen darf, kann und vielleicht auch will.

Viele Worte um gesellschaftlichen Schnickschnack? Egal: „Je mehr Wörter wir uns nehmen dürfen, desto freier sind wir doch” - sagt Herta Müller in ihrer Nobelpreisrede.

nobel

Deutlich pessimistischer dagegen diese Worte:
„Erbärmliches Halbleben, hätte vom menschenfreundlichen Arzt erstickt werden sollen, als er schreiend in dieses Leben trat. Größte Verdienste: die Fingernägel rein zu halten und nie jemandem zur Last zu liegen. Größte Fehler: keine Familie zu haben, keine frohe Laune, keinen guten Magen. Größter und einziger Anspruch: nicht lebendig begraben zu werden. Größte Sünde: nicht dem Mammon zu huldigen. Bedeutende Ereignisse in seinem Leben: keine.”
Schon erstaunlich, wie wenig Alfred Bernhard Nobel, der Erfinder des Dynamits und der Stifter des wohl angesehensten Preises, von sich selbst hielt.

Nur geträumt?

Freitag, 04. Dezember 2009

Nein, Tatsache: Eine fast fünfzigjährige Großmutter wird 2010 den Titel des Otto-Katalogs zieren. Das Ende des Jugendwahns?