Archiv für die Kategorie ‘Plaudertasche’

Perfektes Timing

Donnerstag, 04. Februar 2010

Die FDP fordert nationale Streusalzreserven. Also so etwas Ähnliches wie die US-amerikanischen Goldreserven, nur eben Salz. Salz wird den Untergang des Abendlandes verhindern. Aber auch den Untergang der FDP?

Nun wollen wir mal nicht so streng sein. Das Argument kommt wirklich zum richtigen Zeitpunkt: Am Tag NACH Einsetzen des Tauwetters. Und überhaupt NACHDEM das Thema in jeder Talkshow, in jeder Automobilzeitschrift und an jedem Stammtisch durchgekaspert wurde. Nicht zu vergessen NACHDEM die FDP “Regierungsverantwortung übernommen” hat.

Nationale Streusalzreserven - also wirklich. Sowas fordert man doch höchstens als Oppositionspartei! Aber so lange wollte sie dann doch nicht mehr warten mit dem Vorschlag, die FDP …

Weinprobe erfolgreich. Tränen gelacht.

Montag, 23. November 2009

Das Inserat im regionalen Anzeigenblättchen ist unübersehbar: Weinprobe im Seminarraum des nachbardörflichen Pferdehofes. „Die haben einen Seminarraum?”, staune ich und maile meiner Freundin A.: „Kino am Freitag können wir verschieben – ich hab ‘ne bessere Idee …”

Der Abend beginnt verheißungsvoll. Wir verlaufen uns und geraten in die Kneipe des Hofes. An den vollen Biergläsern der Anwesenden erkennen wir rasch, dass wir hier falsch sind. „Raus, rechts und noch mal rechts”, verkündet die robuste Wirtin, und die gaffenden Biertrinker kommentieren unsere Flucht mit lautem Gröhlen. Uns schwant Übles.

Raus, rechts, wieder rechts – immerhin ist die Wegbeschreibung korrekt. Am langen Tisch sitzen bereits sieben bis neun Einheimische. Wir sind mit Abstand die jüngsten im Raum – abgesehen von einer Blondgelockten und einem Kerl im Sportvereins-T-Shirt. Wir grüßen höflich und setzen uns zwischen den Winzer und einen älteren Herrn, der mit Hilfe einer Lupe dabei ist, die Liste der zu verkostenden Weine zu entziffern.

Ich ignoriere, dass man uns anstarrt, und lese erfreut, dass es nur zwei Rotweinsorten geben wird, gefolgt von acht Weißweinen. Ich lese deutlich weniger erfreut, dass davon nur der Chardonnay als „trocken” bezeichnet wird – und lediglich der Rivaner als „halbtrocken”. Alle anderen werden als „feinherb” angekündigt. Au Backe.

Der kraftvolle Tritt eines Wirtinnenfußes stößt die Tür weit auf. Sie bringt Käseplatten. Lecker! Leider nicht so sortiert, wie der Winzer und seine Frau es bestellt haben – passend zu den Weinsorten. Immerhin wurden kleine Papierflaggen hineingespießt mit Aufschriften wie „Rotweinkäse”, Brie” oder „Emmentaler”.

Inzwischen hat sich der Raum gefüllt. „Ganz schön kahl und geschmacklos eingerichtet”, raunt A. mir zu. „Was für ein perfekter Ort für eine Weinprobe”, jubelt eine Seniorin mit Pagenkopf. Und weil sie vor Neugier platzen würde, wenn sie noch länger warten würde, wendet sie sich dann an uns: „Sie sind wohl nicht von hier?”

Wir sind sofort geständig. Ja, wir kommen aus dem Nachbarort. Er liegt etwa einen Kilometer entfernt – der Ortsteil, in dem ich wohne, sogar nur wenige Hundert Meter. Ein Katzensprung. Mit anderen Worten: Wir sind Fremde! Aber werden vollkommen vorurteilsfrei aufgenommen und sofort integriert. „Sie hab ich schon mal beim Einkaufen gesehen, da bin ich ganz sicher”, behauptet der Pagenkopf und deutet auf meine Freundin.  A. gibt zu, regelmäßig einkaufen zu gehen. So, so. Zufälle gibt’s!

Endlich wird die Veranstaltung offiziell eröffnet. Der Winzer, der in der Hektik der Vorbereitungen offenbar nicht mehr dazu gekommen ist, seinen Nasenhaarschneider zum Einsatz zu bringen, ergreift das Wort. Es sei ja wohl nicht notwendig, dass er sich vorstelle, da fast jeder im Raum ihn seit Jahren – ach was, seit Jahrzehnten! – kenne, sagt er. Dann fällt sein Blick auf A. und mich. „Oder möchten Sie, dass ich …?”, fragt er höflichkeitshalber. Ich versichere ihm, dass wir das super fänden.

Alle lachen. Auch A. und ich. Lachen überwindet kulturelle Barrieren und verbindet. Noch mehr verbindet die Freude darüber, dass die Gläser nun gefüllt werden. Der St. Laurent ist köstlich, sehr leicht und angenehm. Der Dornfelder ist ein Dornfelder. Überschätzt, wie Beckham oder die Schweinegrippe. Der Rotweinkäse schmeckt fabelhaft. Der Lupenmann hat Schwierigkeiten, ihn zu identifizieren – ich reiche ihm einige Häppchen.

Es gibt neue Gläser – zum letzten Mal an diesem Abend. Für die unterschiedlichen Weißweine scheint das nicht nötig zu sein. Umso nötiger ist es also, die Probiergläser, die stets üppig gefüllt werden, artig zu leeren.

Chardonnay und Rivaner werden geöffnet. Nein, nicht entkorkt– das Image des Schraubverschlusses ist zu unrecht so negativ. Immerhin kann Wein in Schraubverschlussflaschen nicht korkig werden, nicht wahr? Und in zehn, zwanzig Jahren wird selbst ein 200-Euro-Wein so abgefüllt sein. Ganz sicher. Alle nicken eifrig. Ein Mann mit rotem Kopf spricht sachkundig über Öchslegrad und Mostgewicht.
„Lecker, der Chardonnay”, findet A., und ich kann ihr nur zustimmen. Wir lernen, dass diese Rebsorte erst seit wenigen Jahren in der Pfalz angebaut wird. Alle erheben ihre Gläser auf die globale Erwärmung, die dies möglich machte.

Der Rivaner ist nicht so mein Fall. Auch Weißburgunder und Kerner schmecken etwas zu – ähm – feinherb. Dem Lupenmann reiche ich den dazugehörigen Brie. Inzwischen sind wir ein eingespieltes Team. Positiv überrascht bin ich vom Riesling. Dumm nur, dass ich beim Einschenken um „nur einen kleinen Tropfen” gebeten habe. Der rotkopfige Mann fachsimpelt mit dem Winzer über Restsäure und Haltbarkeit. Seine Frau, eine Dame im Pullunder, interessiert sich für Grundsätzlicheres: „Warum gibt es so viele Rieslingsorten auf der Welt, und vor allem: Warum schmecken alle unterschiedlich?” Die Pagenkopffrau erklärt, dass die zahllosen Männer, die es auf der Welt gäbe, ja auch unterschiedlich seien. Eine Argumentation, die alle restlos überzeugt. Selbst die schweigsame Blondgelockte nickt heftig, nach kurzem Blick auf ihren Begleiter im Sportvereins-Shirt.

Die Stimmung wird immer ausgelassener. Wir sind nun bei Huxelrebe Kabinett und Gewürztraminer Spätlese angekommen. Ich reichte dem Lupenmann den Emmentaler. Die Pagenkopffrau setzt ihr Verhör fort: „So, so, Sie kommen also aus dem Nachbarort!”, prostet sie A. zu. In ihren Worten liegt Anerkennung für die Strapazen des weiten Weges, den A. auf sich genommen hat. Ihr rotkopfiger Mann hakt ein: „Sie sind wohl nicht zufälligerweise mit Familie X verwandt?” A. teilt mit, dass das nicht der Fall ist. „Sehr gut”, lautet das einstimmige Urteil. Familie X scheint hier keinen guten Ruf zu genießen. Die Pullunderfrau ist noch nicht überzeugt: „Mit wem sind Sie denn sonst so verwandt?” A. erklärt, dass sie aus Berlin stammt und weder mit Familie X noch irgendwelchen anderen Dorfbewohnern verwandt ist.

Der Sportvereinsmensch verliert das Interesse an A. Er konzentriert sich wieder auf den Zweck unserer Zusammenkunft und kostet: „Igitt, was für eine süße Brühe”, verkündet er. Und mit den Worten „Pfui, Spätlese – sowas kann man ja nicht trinken!”, schenkt er sein Glas erneut randvoll. Er leert es in einem Zug und verzieht das Gesicht: „Was für ein Zuckerwasser, wer trinkt bloß so ein Gesöff?”, woraufhin er sein Glas erneut füllt und … offenbar in eine Art Endlosschleife gerät.

Ich reiche dem Lupenmann einen Käse namens Nussknacker. Er bedankt sich überschwänglich, was mich irgendwie ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Aus dem Supermarkt kennt man mich nicht, aber immerhin habe ich zugegeben, im 500 m entfernten Ortsteil zu wohnen. „Kennen Sie Frau Y?”, fragt mich die Pullunderdame. Ich habe Frau Y im Sommer mal am Friedhofstor getroffen. Sie hat meinen Hund gestreichelt, wir diskutierten das Wetter und wünschten uns zum Abschied noch einen schönen Tag. „Ja, ich kenne Frau Y”, sage ich freundlich und sorge für wahre Begeisterungsstürme. „Was, wirklich? Sie kennen Sie?” Nun ja, in einem 300-Seelen-Ort kennt man sogar die Zugezogenen! Die Pullunderdame jedoch kann das Ausmaß des Zufalls kaum fassen: „Ich hab nämlich bei Frau Y mal was eingeworfen!”, jubelt sie, und nun bin auch ich überwältigt. Ist die Welt nicht ein Dorf? Darauf kann man gar nicht oft genug anstoßen …

Das 20.-November-Quiz

Freitag, 20. November 2009

Wenn die UNESCO schon einen Welttag der Philosophie festlegt, dann will ich mal nicht so sein und das Ereignis ignorieren. Stattdessen mach ich es zum Tagesthema und rufe ein Quiz aus: Von wem stammt dieses Zitat?

“Mein Impuls geht immer dahin, Logik zu zerstören. Denn wenn man der Logik folgt, ist das Ergebnis vorhersehbar und nicht mehr kreativ.”

Ein Tipp: Konfuzius war’s nicht. Und auch nicht Aristoteles …

»Keinen Versuch es gibt«

Dienstag, 11. August 2009

Luke Skywalker: »In Ordnung, ich werde es versuchen.«

Yoda: »Nein. Versuchen nicht. Tun … oder nicht tun. Keinen Versuch es gibt.«

Zitat aus Star Wars Episode V, Das Imperium schlägt zurück, 1980

Im Grunde ist doch alles, was man tut, ein Versuch. Man darf es nur nicht zugeben, da hat der alte Jedi-Meister recht. Auch wenn er sich etwas verquer ausdrückt. Ob sein Objekt-Subjekt-Verb-Satzbau wohl vom vielen Meditieren kam? Die Antwort man nie erfahren wird …

»Mehr Licht …«

Montag, 22. Juni 2009

Die letzten Worte Goethes sind angeblich unvollendet. Eigentlich soll er gefrankfurtert haben wollen: »Mer liecht hier so schlecht«.
Nun gut, das war ins Unreine gesprochen – Goethe ahnte wohl nicht, dass es bei diesem Textentwurf bleiben würde. Oder doch?

Letzte Worte sind eine Textsorte, mit der Profis selten beauftragt werden. Aber wenn, dann müsste man erst einmal diese Top Ten überbieten:

Platz 10 – General Sedgewick:
»Die könnten nicht mal einen Elefanten treffen auf diese Entfern…«

Platz 9 – Eva Maria Veigel (zur Tee servierenden Zofe):
»Stell sie hin, dumme Gans! Denkst du, ich kann sie nicht selbst nehmen?«

Platz 8 – Karl Marx:
»Geh raus, verschwinde! Letzte Worte sind etwas für Narren, die zu Lebzeiten nicht genug gesagt haben.«

Platz 7 – Maria Montessori:
»Werde ich nicht mehr gebraucht?«

Platz 6 – Conrad Hilton:
»Der Duschvorhang gehört nach innen in die Wanne.«

Platz 5 – Anna Pawlowa:
»Macht mir mein Schwanenkostüm fertig.«

Platz 4 – Humphrey Bogart:
»Ich hätte nicht vom Scotch zu den Martinis wechseln sollen.«

Platz 3 – Dominique Bouhours (zu seinen Grammatikschülern):
»Ich bin dabei zu sterben, oder: Ich sterbe gerade – beide Wendungen sind gebräuchlich.«

Platz 2 – Marlene Dietrich (zu einem Priester):
»Was soll ich mit Ihnen reden? Ich habe demnächst einen Termin mit Ihrem Boss!«

Platz 1 – Oscar Wilde:
»Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.«

Leibspeise

Freitag, 05. Juni 2009

Schönes Wort, Leibspeise. Da denk ich doch gleich an Churchill, der gewusst hat:

»Man soll dem Leib etwas Gutes bieten,
damit die Seele Lust hat darin zu wohnen.«

Meine Seele freut sich auf Lachs mit Spinat, Tomaten und Schafskäse in Blätterteig. Wow, das klingt ja, als könnte ich kochen!