Archiv für die Kategorie ‘Wortklauberei’

Böse Falle

Mittwoch, 03. März 2010

Mausefallen sind ja noch relativ harmlos, Kaninchenfallen schon etwas deftiger, Bärenfallen mit Vorsicht zu genießen …

… doch wirklich gefährlich ist offenbar nur die Ypsilanti-Falle!

Wer hebt da voller List und Heimtücke eine Fallgrube aus, um wen zu Fall zu bringen? Wer fällt drauf rein? Etwa der Wähler? Und sind Politiker jetzt als Stimmenwilderer zu betrachten?

Wie auch immer: Ypsilanti-Falle, das merk ich mir. Und danke der WELT für diese herrlich dramatische Wortneuschöpfung!

Rettet das Kauderwelsch!

Dienstag, 23. Februar 2010

 

Nein, es ist eben NICHT damit getan, dass Politiker unüberlegte Stammtischparolen absondern oder dass sich Möchtegernpromis durch TV-Interviews stottern. Nein, das einzig echte Kauderwesch ist in Gefahr …

Beziehungsweise, wenn man es politisch korrekter als sintemal Martin Luther ausdrücken möchte: das Rätoromanische, jene in der Abgeschiedenheit des Schweizer Kantons Graubünden beheimatete, uralte romanische Sprache, die von ihren Sprechern „Rumantsch” genannt wird. Tatsächlich kommt der Begriff „Kauderwelsch” von Churwelsch” und bezeichnete einst die schwer verständliche Sprache der Menschen aus dem Rheintal von Chur.
Heute gibt es nur noch rund 30.000 Menschen, die Rätoromanisch sprechen, und Forscher schätzen, dass die Sprache in 50 Jahren ganz ausgestorben sein wird.

„Tschuntschientschuncontatschun tschancs tschufs”

Wäre es nicht schade um Zungenbrecher wie diesen? Ok, als Sprachanfänger muss man nicht unbedingt mit der rätoromanischen Version von „fünfhundertfünfundfünfzig schmutzige Hammel” anfangen - einer Wendung, die im Sprachalltag eh eine höchst untergeordnete Rolle spielt.
Ganz anders sieht es aus mit „Con aults ei quei cuolm?”, zu Deutsch: „Wie hoch ist dieser Berg”, was man gerade im Engadin sicher gleich mehrmals täglich sagen darf, ohne gleich als einseitig interessiert zu gelten. Oder „Tgi essas Vus?”, was so viel heißt wie: „Wer sind Sie?”

Klingt kernig. Und kompliziert …

Ok, diese Beispielsätze lesen sich wie eine zünftige Mischung aus Italienisch und Husten. Aber trotzdem ist es nicht hinzunehmen, dass Rätoromanisch einfach so ausstirbt. Warum das so ist, obwohl sie eine der vier offiziellen Amtssprachen der Schweiz ist? Wahrscheinlich liegt es daran, dass es keine einheitliche rätoromanische Schriftsprache gibt, sondern mehrere Dialekte, die sich deutlich unterscheiden. So heißt „der Fuchs” auf Sursilvan beispielsweise „l’uolp”, auf Sutsilvan „la vualp”, auf Surmiran „la golp”, auf Ober- sowie auf Unterengadinisch „la vuolp” und auf Münstertalerisch „la uolp”. Alle verwandt mit Italienisch „la volpe”, aber eben doch - anders.

Es lebe die Vielfalt!

Speisekarten, Zeitschriften, Stadtratprotokolle - alles liest und schreibt man im Engadin inzwischen auf Deutsch. Unsere Sprache verdrängt das vom Aussterben bedrohte Rätoromanisch! Das können wir nicht hinnehmen.

Ich fordere daher alle Leserinnen und Leser auf: Adoptiert sofort mindestens einen rätoromanischen Ausdruck!

Warum nicht einfach „Bien di” - klingt das nicht viel netter als unser „Guten Tag”?

Simsen, googeln … wikipeden?

Mittwoch, 17. Februar 2010

 

Neue Technik bringt neue Wörter.

SMS, Browser, iPod … gehören längst zur Alltagssprache. Aber was ist mit den dazugehörigen Verben?
Statt „eine SMS-Sprachnachricht versenden” hat sich schon in den 1990er Jahren das nette Kurzwort „simsen” eingebürgert - 2001 erreichte es sogar Platz neun bei der Wahl zum Wort des Jahres.

Sende ein „i” an 0815 …

Woher aber kommt das „i” bei „simsen”? Das ist wohl ein Sprossvokal - ein zusätzlicher Vokal, der die Aussprache erleichtern soll. Wie in einigen Dialekten (Doref statt Dorf, Milich statt Milch etc.), in der Kindersprache (Büst statt Pst) oder beim Zweitspracherwerb - und hier vor allem bei Menschen, deren Muttersprache die Häufung mehrere Konsonanten nacheinander nicht kennt. Da hört man dann auch mal Schanapes statt Schnaps

Marktführer dank Verbfähigkeit?

Dass sich unter allen Suchmaschinen ausgerechnet „Google” durchsetzen konnte, hat sicher viele Ursachen. Firmenstrategie, Zufall, Chaostheorie - aber sicher hat auch der Name dazu beigetragen, aus dem sich ganz prima ein Verb ableiten lässt: Man sagt und schreibt googeln, und das ist beim Eindeutschen erlaubt, siehe recyceln, wo „e” und „l” ja ebenfalls den Platz getauscht haben.

Es bleibt viel zu tun!

Aber mit „simsen” und „googeln” ist erst der Anfang getan. Wo bleiben die neuen Verben für „bei Wikipedia nachschauen” (wikipeden), „eine DVD anschauen” (devaudehen), „den Drucker aus dem Fenster werfen, weil er noch immer nicht funktioniert, sondern nur blinkt, statt zu drucken” (durchdrehen)?

Ich freue mich auf weitere Vorschläge! Auch gerne für den Sachverhalt „bei AbidiBlog ein neues Wort vorschlagen und es damit irgendwann sogar in den Duden schaffen” …

Rosen? Nee, das war gestern …

Montag, 15. Februar 2010

Was für ein Zufall: Ein Tag nach dem Valentinstag, von dem uns die Werbung für Schnittblumenanbieter, Schmuckläden und Designer-Outlets weismachen will, er sei in unseren Breiten Tradition, ist Rosenmontag. Der wird zwar hierzulande kräftig gefeiert, hat aber mit Rosen weit weniger zu tun als der legendäre Bischof Valentin von Terni (der eigentlich Schutzpatron der Floristen sein müsste) und der nach ihm benannte Tag der Liebenden.

Rosenmontag nämlich kommt von “Rasen(d)montag” - und bedeutet eigentlich “toller, verrückter Montag”. Närrisch, was?

Kichrige Kichererbsen? Kikeriki!

Dienstag, 02. Februar 2010

Die Welt atmet auf: Brangelina teilen vorerst Hab und Gut und Kind und Kegel nicht auf, sondern besuchen demonstrativ als Paar die Directors Guild Of America (DGA) Awards.

An sich wäre mir das keinen Blogbeitrag wert, wäre ich nicht über folgenden Kommentar eines ”Beobachters” gestolpert: “Sie sahen kichrig aus”, wird die Online-Ausgabe der Zeitschrift “People” zitiert. Und weiter: “Sie sehen aus, als ob sie eine spaßige Zeit haben. Es war definitiv ein Date.”

So so, kichrig. Es lebe die Worbildungsvielfalt im Deutschen. Aber eigentlich lebe auch die professionelle Übersetzerzunft - ”eine spaßige Zeit haben” ist nun wirklich keine Formulierung, die unkorrigiert bleiben sollte. Und ist es wirklich so schwierig, sich für Gegenwart oder Vergangenheit zu entscheiden? Wem das nicht gelingt, der wird in jedem Supermarkt vollkommen überfordert sein (Tee oder Kaffee? Butter oder Margarine? Geha oder Pelikan?).

Kichrig dagegen ist definitiv eine Bereicherung. Bisher gab es noch kein so treffendes Wort für “Komm-Schatz-wir-tun-vor-allen-Leuten-so-als-ob-wir-uns-blendend-amüsieren-und-furchtbar-verliebt-sind-wie-wir-uns-wirklich-fühlen-geht-keinen-außer-unseren-Anwälten-was-an”-Geturtel.

Pfaltz V?

Montag, 01. Februar 2010

Kaum ist Frau von der Leyen Arbeitsministerin, will sie Hartz IV abschaffen.

Nein, nicht das Arbeitslosengeld 2, sondern den unschönen Begriff. Ist auch wirklich zu verwirrend:

Immer weniger Hartz-IV-Empfänger beherrschen die lateinische Zahlenschreibweise, zumal man sie mit der Reform der Reform der Rechtschreibung schon zur Genüge verwirrt hat: Schreibt man das norddeutsche Mittelgebirge wirklich mit “tz”?

Wie auch immer, die Arbeitsministerin wünscht sich einen netteren Begriff. Mit besserem Image. Hm. Ein harter Brocken.

Wie wäre es mit Pfaltz V, Schwartzwaldt VI oder Eifell VII? Ansonsten könnte ich noch anbieten: Hurz!

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Herr Doktor, Herr Doktor, ich glaub, ich hab Unwort!

Dienstag, 19. Januar 2010

Wer auf „Bad Bank” getippt hat, lag gar nicht so falsch - immerhin wurde es zum Börsenunwort des Jahres 2009. Und ich verzichte jetzt auf die Frage, ob „Börsenunwort” nicht selbst schon eins ist …

Kommen wir direkt zum Sieger! Das Rennen machte nicht die „Flüchtlingsbekämpfung”, und auch die „intelligenten Wirksysteme” unterlagen  -  das offizielle Unwort des Jahres 2009 lautet: „betriebsratsverseucht”

Die Welt verrät nicht nur, was das bedeutet, sondern auch, wo dieses Negativbeispiel der deutschen Wortbildungsvielfalt zuerst diagnostiziert wurde:

„Im ARD-Magazin ‚Monitor’ vom 14. Mai 2009 habe ein Mitarbeiter einer Baumarktkette berichtet, dass das Wort ‚betriebsratsverseucht’ von Abteilungsleitern verwendet werde, wenn ein Mitarbeiter von einer Filiale mit Betriebsrat in eine Filiale ohne Betriebsrat wechseln wolle.”

Aha! Höchstwahrscheinlich steigt proportional mit der Anzahl betriebsratsverseuchter Filialen auch die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter an Morbus Gewerkschaft erkranken - oder gar am gemeingefährlichen Solidaritäts-Syndrom? Pfui Spinne!

Vielleicht hilft prophylaktisch ja eine Schweinegrippen-Impfung? Genug Wirkstoff müsste wohl noch vorhanden sein, sogar - wegen mangelnder Nachfrage - zum Sonderpreis. Ob die Wirkverstärker als Mittel gegen Betriebsratsverseuchung geeignet sind, ist leider nicht erforscht. Aber vielleicht helfen ihre Nebenwirkungen ja wenigstens gegen Unwortitis …

Daisy - gäääähn …

Montag, 11. Januar 2010

Draußen liegt Schnee. Mindestens sieben Zentimeter. Katastrophe! Wie konnte das passieren? Mitten im Winter? Wie gut, dass wir vorbereitet waren. Hätte ich keine Unwetterwarnung im Radio gehört, ich hätte womöglich nicht den warmen Pulli angezogen, sondern ein viel zu dünnes T-Shirt – und gnadenlos gefroren.

Aber zum Glück gibt es ja das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die uns zum Hamstern von Batterien, Kerzen, Trinkwasser und Lebensmitteln riet.

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe? Was machen die eigentlich im Sommer? Gänseblümchen zählen?

Apropos: Dass „Daisy” nichts anderes bedeutet als „Gänseblümchen”, dürfte bekannt sein. Dass „Gans” und damit „Gänseblümchen” von der indogermanischen Wurzel „ghan” stammt, die den Gähnlaut nachahmt, ist vielleicht weniger bekannt. Aber durchaus einleuchtend, oder?

Aber bevor hier alle einschlafen, hier noch was Nostalgisches für Winterromantiker:

Wanted: Das schönste deutsche Wort mit der Vorsilbe “hoch”

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Die Auswahl ist groß: Von hochprozentig, hochhackig und hochnotpeinlich über Hochzeit, Hochwasserhosen und Hochsaison bis hin zu hochschaukeln, hochpäppeln und hochjagen.

Doch nun habe ich von meiner lieben Kollegin Jutta das beeindruckendste aller „hoch”-Wörter gelernt. Bis eben gehörte hochmögend nicht einmal zu meinem passiven Wortschatz, und schon hab ich diese wunderbare, vom Aussterben bedrohte Vokabel selbst gebraucht.

Hochinteressant, was?

Keine Nager weit und breit

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Ich + Ich läuft im Radio. Ich (allein) schaue aus meinem Fenster: Kann nicht erkennen, dass dort ein Hamster toben würde. Was singen die da nur?

Mit freundlichen Grüßen

Agathe Bauer