Archiv für die Kategorie ‘Wortklauberei’

Pfaltz V?

Montag, 01. Februar 2010

Kaum ist Frau von der Leyen Arbeitsministerin, will sie Hartz IV abschaffen.

Nein, nicht das Arbeitslosengeld 2, sondern den unschönen Begriff. Ist auch wirklich zu verwirrend:

Immer weniger Hartz-IV-Empfänger beherrschen die lateinische Zahlenschreibweise, zumal man sie mit der Reform der Reform der Rechtschreibung schon zur Genüge verwirrt hat: Schreibt man das norddeutsche Mittelgebirge wirklich mit “tz”?

Wie auch immer, die Arbeitsministerin wünscht sich einen netteren Begriff. Mit besserem Image. Hm. Ein harter Brocken.

Wie wäre es mit Pfaltz V, Schwartzwaldt VI oder Eifell VII? Ansonsten könnte ich noch anbieten: Hurz!

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Herr Doktor, Herr Doktor, ich glaub, ich hab Unwort!

Dienstag, 19. Januar 2010

Wer auf „Bad Bank” getippt hat, lag gar nicht so falsch - immerhin wurde es zum Börsenunwort des Jahres 2009. Und ich verzichte jetzt auf die Frage, ob „Börsenunwort” nicht selbst schon eins ist …

Kommen wir direkt zum Sieger! Das Rennen machte nicht die „Flüchtlingsbekämpfung”, und auch die „intelligenten Wirksysteme” unterlagen  -  das offizielle Unwort des Jahres 2009 lautet: „betriebsratsverseucht”

Die Welt verrät nicht nur, was das bedeutet, sondern auch, wo dieses Negativbeispiel der deutschen Wortbildungsvielfalt zuerst diagnostiziert wurde:

„Im ARD-Magazin ‚Monitor’ vom 14. Mai 2009 habe ein Mitarbeiter einer Baumarktkette berichtet, dass das Wort ‚betriebsratsverseucht’ von Abteilungsleitern verwendet werde, wenn ein Mitarbeiter von einer Filiale mit Betriebsrat in eine Filiale ohne Betriebsrat wechseln wolle.”

Aha! Höchstwahrscheinlich steigt proportional mit der Anzahl betriebsratsverseuchter Filialen auch die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter an Morbus Gewerkschaft erkranken - oder gar am gemeingefährlichen Solidaritäts-Syndrom? Pfui Spinne!

Vielleicht hilft prophylaktisch ja eine Schweinegrippen-Impfung? Genug Wirkstoff müsste wohl noch vorhanden sein, sogar - wegen mangelnder Nachfrage - zum Sonderpreis. Ob die Wirkverstärker als Mittel gegen Betriebsratsverseuchung geeignet sind, ist leider nicht erforscht. Aber vielleicht helfen ihre Nebenwirkungen ja wenigstens gegen Unwortitis …

Daisy - gäääähn …

Montag, 11. Januar 2010

Draußen liegt Schnee. Mindestens sieben Zentimeter. Katastrophe! Wie konnte das passieren? Mitten im Winter? Wie gut, dass wir vorbereitet waren. Hätte ich keine Unwetterwarnung im Radio gehört, ich hätte womöglich nicht den warmen Pulli angezogen, sondern ein viel zu dünnes T-Shirt – und gnadenlos gefroren.

Aber zum Glück gibt es ja das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die uns zum Hamstern von Batterien, Kerzen, Trinkwasser und Lebensmitteln riet.

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe? Was machen die eigentlich im Sommer? Gänseblümchen zählen?

Apropos: Dass „Daisy” nichts anderes bedeutet als „Gänseblümchen”, dürfte bekannt sein. Dass „Gans” und damit „Gänseblümchen” von der indogermanischen Wurzel „ghan” stammt, die den Gähnlaut nachahmt, ist vielleicht weniger bekannt. Aber durchaus einleuchtend, oder?

Aber bevor hier alle einschlafen, hier noch was Nostalgisches für Winterromantiker:

Wanted: Das schönste deutsche Wort mit der Vorsilbe “hoch”

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Die Auswahl ist groß: Von hochprozentig, hochhackig und hochnotpeinlich über Hochzeit, Hochwasserhosen und Hochsaison bis hin zu hochschaukeln, hochpäppeln und hochjagen.

Doch nun habe ich von meiner lieben Kollegin Jutta das beeindruckendste aller „hoch”-Wörter gelernt. Bis eben gehörte hochmögend nicht einmal zu meinem passiven Wortschatz, und schon hab ich diese wunderbare, vom Aussterben bedrohte Vokabel selbst gebraucht.

Hochinteressant, was?

Keine Nager weit und breit

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Ich + Ich läuft im Radio. Ich (allein) schaue aus meinem Fenster: Kann nicht erkennen, dass dort ein Hamster toben würde. Was singen die da nur?

Mit freundlichen Grüßen

Agathe Bauer

Noch ‘n Wort

Dienstag, 08. Dezember 2009

Wort und Unwort des Jahres kennt man ja schon länger. Nun gibt’s auch noch das Jugendwort des Jahres. 2008 war es “Gammelfleischparty”. Na ja. Nicht besonders witzig. Genau wie das Arbeitslos-und-zum-Rumhängen-verdammt-Sein. Auch nicht sehr komisch. Doch dafür gibt’s jetzt ein neues Wort: hartzen. Kurz, knapp, knackig.

Noch vor wenigen Jahren hätte man gedacht: “Urlaub im Harz, schön und gut - aber schreibt man das wirklich mit T?”

Fußgönheim

Freitag, 06. November 2009

Fußgönheim bei Maxdorf im Rhein-Pfalz-Kreis hat es in über 1100 Jahren Ortsgeschichte auf sage und schreibe 2700 Einwohner, ein Schloss, ein Kartoffelmuseum, ein Gewerbegebiet und eine Mehrzweckhalle gebracht. Respekt!

Aber das alles spielt im Grunde keine Rolle. Viel wichtiger sind Fragen wie diese:

Wie heißt eigentlich das Kunden-Waren-Trennstäbchen am Kassenfließband des Supermarktes? Schwierig, schwierig. Selbst Bastian Sick nahm sich bereits der Thematik an, und die XING-Gruppe „Namestorm” entwickelte allerhand Vorschläge dafür, allen voran das unübertroffene „Meinsdeins”.

Auch die Tatsache, dass es kein Wort für das Gegenteil von „durstig” - entsprechend „satt” für „hungrig” - gab, konnte die Dudenredaktion nicht hinnehmen. 1999 schrieb sie gemeinsam mit dem Getränkehersteller Lipton einen Wettbewerb aus, bei dem unter 100000 Einsendungen das schöne Wörtchen „sitt” als Sieger hervorging. Bisher konnte es sich zwar noch nicht behaupten, doch wenn wir es alle fleißig verwenden, könnte sich das ja ändern.

Aber es gibt so viel zu tun! Denn „Meinsdeins” und „sitt” sind nur zwei von unzähligen Beispielen für Dinge, Zustände und Gefühle, für die es noch keine Bezeichnung gibt. Oder besser gesagt: gab. Bis „Der tiefere Sinn des Labenz” (von Douglas Adams, John Lloyd und - für die deutsche Ausgabe - Sven Böttcher) erschien - ein Wörterbuch, dessen Aufkleber „Dieses Buch wird Ihr Leben verändern” nicht zu viel verspricht.

Ein wunderbares Werk, das ich nur jedem dringend empfehlen kann!
Einige Highlights daraus:

Tübingen: Eine Zahnpastatube zusammenrollen, um den Rest herauszuquetschen.

Baltrum: Instinktiver Groll gegen alle Menschen, die jünger sind als man selbst.

Rüsselsheim: Die Extratasche an der Vorderseite gewisser Herrenslips.

Doch dann das:
Fußgönnheim (salopp): Pediküre-Salon

Nein, also wirklich: Nein. Das trifft nicht zu. Über das überflüssige N könnte man ja noch großzügig hinwegsehen. Aber Pediküre-Salon? Lächerlich!

Die richtige Definition muss heißen:
Fußgönheim: Das unangenehme Gefühl, wenn ein etwas zu locker sitzender Strumpf in einem etwas zu großen Gummistiefel langsam über die Ferse nach vorne rutscht, mit jedem Schritt weiter in Richtung Stiefelspitze wandert und schließlich als störendes Textilknäuel vor dem nackten großen Zeh feststeckt.

Oder würde dem irgendwer widersprechen wollen?

“Topaktuelle Strandhaubitze für höchste Ansprüche”

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Die Funkwerbung hat mich auf eine Idee gebracht, die mich schier umwirft. Als ich heute früh die überdrehte Sprecherstimme “Saturn - sternhagelgünstig” jubeln hörte, fragte ich mich spontan: “Warum eigentlich bin ich immer nüchtern bei der Arbeit?”

Ja, warum in den Duden schauen, wenn es auch ein tiefer Blick ins Glas tut?

Es wird nicht leicht sein, von Wasser und Kaffee loszukommen. Aber wenn’s gut fürs Business ist?

Wer weiß, mit vollem Kanal kämen meine Texte vielleicht noch besser an - und schließlich ganz groß rausch. Und meine Kunden? Wären stockbebeistert!

Grottenforsch werd ich auch gleich eine Preiserhöhung durchsetzen - und von heiteren Kunden noch Einen-im-Tee-Aktien dazubekommen.

Ich wette das Blaue vom Himmel, die Nachfrage nach formschönen Designer-Strandhaubitzen wird sprunghaft ansteigen! Oder zumindest - torkelnd …

“Gefriergezuckert”, “Rückentwrackung”, “Rundhalszelt” und Co. - sorry, ihr müsst leider warten …

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Eigentlich wollte ich ja heute einen Blogbeitrag über meine schönsten Wortkreationen schreiben.

Wie gesagt: “gefrierzuckert” - für dieses herrliche Naturphänomen an sonnigen Vormittagen nach freuchteisigen Nächten.

Oder “Rundhalszelt” - für die unförmigen Mode-für-Mollige-Kreationen ohne erkennbaren Schnitt, in denen jeder einfach nur aussieht wie ein Kartoffelsack.

Oder “Rückentwrackung”-  für den hilflosen Versuch, die Spuren des Älterwerdens durch aufwändige kosmetische Maßnahmen zu kaschieren.

Oder - eine Erfindung meines Bruders Björn - der “soziale Wetteinsatz”, der den Weg in den Duden zwar noch nicht gefunden hat, dem aber in Diskussionen selten widersprochen wird.

Aber ich werde das aus gegebenem Anlass auf einen späteren Zeitpunkt verschieben müssen und stattdessen einen aktuellen Fund präsentieren:

 

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Was für ein nachhaltiger Käse!

Kalamalmacher - Zungenbrecher mit Text-Vergangenheit

Dienstag, 04. August 2009

Was Menschen in Schreibberufen heute der Drucker ist, war früher die Feder. Und die gab es nicht bei Saturn & Co., sondern wurde vom Schreibzeugmacher angefertigt - dem Kalamalmacher. Der stellte Pappbehälter für Vogelkielfedern und Rohrfedern (calamus!) ebenso her wie Federhalter aus Ebenholz und Tintenfässer aus Horn. Schade, dass ein Beruf mit so schöner Bezeichnung inzwischen längst ausgestorben ist! Übrigens genau wie der des „Abtrittanbieters” - was nicht nur unappetitlich klingt, sondern es auch war … Spannendes Thema? Mehr darüber findet man in Rudi Pallas Buch „Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe”. Eine ausgezeichnete Klolektüre!