Ich zeig euch allen den Vogel!

18. Juni 2010

Wer sagt, dass Vögel niedlich sind? Bemerkt denn niemand ihre fiesen, ruckartigen Kopfbewegungen, die eindeutig auf ihre Verwandtschaft mit Scharfzahn und Co. schließen lassen? Hat denn keiner von euch Jurassic Park gesehen? Oder wenigstens dieses Beweisstück:

Lebensmotto dieses Gesinnungssauriers: Besser das Katzenfutter im Schnabel als neben den Spatzen auf dem Dach Kohldampf schieben …

Danke, Constanze, für dieses Fundstück!

Laaaaangweilig!

16. Juni 2010

Dass viele Favoriten, Geheimfavoriten und Exfavoriten in Südafrika Angsthasenfußball spielen, ist wohl leider nicht zu ändern. Wenden wir uns also einem spannenderen Thema zu - den WM-Teams. Wer hat den schönsten Spitznamen?

Kategorie 1: Farbe bekennen

Mit den Trikots ist es so ähnlich wie auf dem Ritterturnier - man will erkennen, ob man Freund oder Feind vor sich hat. Doch während die Ritter ihr Wappen auf dem Schild tragen, brauchen die Spieler zwei freie Hände (beispielsweise zum Foulen oder damit sich in ihnen die Hand Gottes materialisieren kann). Deshalb tragen sie ihr Wappen quasi auf dem Leib. Und lassen sich ganz gerne nach den Farben dieser textilen Statements benennen: So bezeichnet man die Nationalmannschaft Argentiniens als „La Albiceleste” (Weiß und Himmelblau), die Chilenen als „La Roja” (Rot), die Paraguayer als „Albiroja” (Weiß und Rot), die Franzosen als „Les Bleus” (Blau) oder „Equipe Tricolore” (dreifarbige Mannschaft), die Neuseeländer als „All Whites” (ganz in Weiß), die Serben als „Plavi” (Blau) und nicht zu vergessen die Niederländer als „Oranje” (Orange).

Kategorie 2: Auserwählt um zu siegen

Natürlich handelt es sich bei einer Nationalmannschaft um das „Best of” aller Spieler eines Staates. Sofern sie nicht verletzt sind oder den Trainer durch unreifes Verhalten verärgert haben. Auf den jungen Fußballmillionären lastet also Verantwortung - eine ganze Nation erwartet nicht weniger als den Cup von ihnen. Daran erinnern Bezeichnungen wie „La Seleccion” in spanischsprachigen Ländern bzw. „A Seleção” in portugisischsprachigen. Die Slowaken kürzen ihr Wort für „Auswahl” (Reprezentacia) ab und nennen ihr Team „Repre”. Abgekürzt wird auch in der Schweiz, wo man aus der Nationalmannschaft schlicht „Nati” macht - was ein bisschen nach Hooligan-Müsli klingt.

Kategorie 3: Gib ihnen Tiernamen!

Nach den bisherigen WM-Spielen wäre man geneigt, die meisten Teams als „Schnecken”, „Faultiere” oder „Esel” zu bezeichnen. Tatsächlich haben sie aber Namen wie „Wüstenfüchse („Les Fennecs” - Algerien), „Elefanten” („Les Elephants” - Elfenbeinküste), „Tiger” („Tigers” - Südkorea), „Drei Löwen” („Three Lions” - England) „Die unbezähmbaren Löwen” (Les Lions Indomptables” - Kamerun) oder „Superadler” („Super Eagles” - Nigeria). Geradezu entzückend dagegen ist der Spitzname „Kanarienvögel” („Os Canarinhos”) für die Teilzeitzauberer aus Brasilien …

Kategorie 4: Mehr Abwechslung, bitte!

Geradezu poetisch sind dagegen Namen wie „Schwarze Sterne” („Black Stars” - Ghana), „Kleine Drachen” („Zmajceki” - Sowenien) oder „Blaue Samurai” („Samurai Blue” - Japan). Humor beweisen die Australier mit dem Spitznamen „Socceroos” (aus „Soccer” und „Kangaroos”) und die Dänen mit „Danish Dynamite” („dänisches Dynamit”) bzw. „Olsenbanden”. Wer auf die Idee kam, eine so defensiv aufspielende Mannschaft wie die der Griechen als „Piratenschiff” („To Piratiko”) zu bezeichnen, bleibt wohl ein ewiges Fußballrätsel. Den schönsten Namen für ihre Nationalmannschaft haben aber eindeutig die Gastgeber: Mit „Bafana Bafana” („die Jungs”) ist Südafrika auf jeden Fall Namensweltmeister.

Und die Deutschen? Glänzen lieber auf dem Platz. Jogis Jungs werden übrigens im Ausland als „Mannschaft” bezeichnet. Und jeder weiß, dass am Ende die beste Mannschaft Weltmeister wird …

Gimme hope before the Frisör comes

15. Juni 2010

Früher hatten sie einen Bürstenschnitt oder kämmten ihre leichten Wellen zum Seitenscheitel. Mit dieser Haartechnik schafften Fritz Walter und seine Mannen 1954 das Wunder von Bern. 1974 sah die Sache schon etwas anders aus - grundsätzlich dominierte zwar noch immer der Seitenscheitel, doch die Matte wurde länger. 1990 war dann das Gel erfunden und die Vokuhila noch nicht ganz out. Dass aber 2010 die Frisur des Bundestrainers als die schönste weit und breit besungen würde, hätte damals noch keiner vermutet …

 

Danke, Christina, für den Link - und Herrn D. B. aus GB für seinen Einfluss auf Körperhygiene und Frisurenbewusstsein im Herrensport. Das Auge fiebert ja schließlich mit …

Keine Grammatik-WM

14. Juni 2010

Philipp Lahm war schon vor dem Spiel euphorisch: “Das ist die beste Nationalmannschaft, in der ich je gespielt habe”, zitierte die Presse sein Statement.  Das finde ich unglaublich nett von der Presse, denn hätte man Bastian Sick als Reporter nach Südafrika geschickt, hätte er Lahms Zitat mit Sicherheit aufs Gnadenloseste auseinandergenommen. Tatsächlich sagte der Kapitän nämlich:

“In meiner Meinung ist das die beste Mannschaft, die beste oder die - äh - Mannschaft, die am meisten Qualität hat in den Nationalmannschaften, die ich bis jetzt gespielt habe.”

 

Damit liefert Lahm den lebenden Beweis dafür, was Heinrich von Kleist gemeint hat, als er “Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden” schrieb. Dass Lahm deutlich besser Fußball spielt als Kleist und Sick zusammen, zeigte er nicht auf der Pressekonferenz, sondern auf dem Platz. Und da liegt ja bekanntlich die Wahrheit.

Vuvuzela, Ke Nako, Zakumi & Jabulani

10. Juni 2010

Morgen ist Anpfiff: WM 2010. Oder, wie man korrekterweise sagen müsste: FIFA Fussball-WeltmeisterschaftTM 2010. Ja, so will es die Fédération Internationale de Football Association, also der Weltfußballverband, geschrieben sehen. Mit ss statt ß und ohne Bindestrich. So sehr es dem Texterinnenauge schmerzt. Sorry, FIFA. Ich schreibe jetzt, wie ich will: WM 2010. Worüber ich genau schreibe? Ach, es gibt sooo viel nutzloses Wissen rund um Fußball, WM und Südafrika …

Zwischen dem 11. Juni und dem 11. Juni wird es 64 spannende, langweilige, aufregende, mittelmäßige, ausgewogene, sensationelle und hoffentlich faire Spiele geben.
Für Diskussionen werden garantiert wieder die Schiedsrichterentscheidungen sorgen, vor allem, wenn es um Abseits geht. Abseits gilt als komplizierteste Regel im Fußball - doch sie ist es, die aus tumbem Gebolze ein strategisches Spiel macht. Denn sie verhindert, dass ein lauffauler Stürmer vor dem gegnerischen Tor auf Traumpässe wartet, den Fuß hinhält und das Runde ins Eckige macht. Natürlich würden dann mehr Tore fallen - eins langweiliger als das andere.
So erklären Frauen Abseits. Männer benötigen dazu diverse Gegenstände wie Salzstreuer, Butterdosen und Knäckebrotpackungen. Oder sie sagen einfach „Abseits is’, wenn dat lange Arschloch zu spät abspielt” (Hennes Weisweiler). Gilt natürlich nicht bei Einwurf, Abstoß oder Eckstoß und (seit 1907) auch nur, wenn sich derjenige, dem dat lange Arschloch zupasst, in der gegnerischen Hälfte aufhält …

Austragungsorte der WM 2010 sind die Stadien in Durban, Port Elizabeth, Rustenburg, Nelspruit, Pretoria, Bloemfontein, Johannesburg, Kapstadt und Polokwane. Und überall gilt das Motto der WM 2010: „Ke Nako. Celebrate Africa’s Humanity”, was man mit “Es ist Zeit, Afrikas Menschlichkeit zu feiern” übersetzen kann.

Das Maskottchen heißt Zakumi und ist ein grünhaariger Leopard. Sein Name besteht aus dem internationalen Kfz-Kennzeichen für Südafrika (ZA) und einem Wort, das in mehreren afrikanischen Sprachen „zehn” bedeutet (KUMI). Der offizielle WM-Ball heißt Jabulani. Zulusprache klingt in dem Fall eindeutig besser als Deutsch, denn „Feiern” wäre ein eher dämlicher Ballname.

Nach Indien ist Südafrika übrigens das Land mit den meisten offiziellen Amtssprachen: Neben Englisch und Afrikaans sind das isiZulu, Siswati, Süd-Ndebele, Sesotho, Nördliches Sotho, Xitsonga, Setswana, Tshivenda und isiXhosa. Doch bei elf Sprachen ist in Südafrika noch lange nicht Schluss - denn da sind die vielen nicht amtlichen Sprachen wie Nördliches Ndebele, Khoikhoi oder Fanakalo noch gar nicht mitgezählt …

Und dann hört man ständig die Vuvuzela. Die übrigens nichts mit Uwe Seeler zu tun hat. Es sei denn, Uwe Seeler besitzt selbst eine. Was ich für seine Nachbarn nicht hoffe - denn die typische südafrikanische Fußballfantröte, die klingt wie eine Mischung aus defektem Nebelhorn, kreißender Antilopenkuh oder schmerzhafter Elefantenblähung, ist laut. Schrecklich laut! Weil das die Zuhörer nicht nur in den Wahnsinn treibt, sondern auch krank macht, ahndet die Stadt Köln das Vuvuzelablasen bei öffentlichen WM-Veranstaltungen mit einem Bußgeld von 35 Euro. Verboten sind die Hörsturzinstrumente auch in Dortmund, Gelsenkirchen, Rheine und Leverkusen. Unter anderem.

Fußball ist in Südafrika die Lieblingssportart der schwarzen Bevölkerung. Bei den meisten weißen Einwohnern sind Rugby und Cricket noch populärer.
Bafana Bafana ist der Name, den südafrikanische Fans ihrer Fußballnationalmannschaft gegeben haben. Das ist isiZulu und heißt „unsere Jungs”. Interessant wäre zu wissen, was „Jogis Jungs” auf isiZulu hieße …

Ey, Frollein!

09. Juni 2010

Mit der korrekten Anrede ist es so eine Sache. Selbst bei prominenten Würdenträgern kann man mal ins Grübeln kommen …

“Herr Papst” ist sicher nicht ganz korrekt, “Papa Ratze” darf nur Stefan Raab zum Oberhaupt der katholischen Kirche sagen - alle anderen murmeln ergriffen “Heiliger Vater” oder “Eure Heiligkeit”, wenn sie ihn mal treffen. Wobei Letzteres zu Verwirrung führen könnte, wenn er sich in einem Raum mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen oder dem Dalai Lama befände, denn auch das sind Heiligkeiten.

Immerhin gibt es in kirchenführenden Kreisen kein Genderproblem. Wobei - so problematisch ist es ja meist gar nicht, die korrekte weibliche Form zu finden. Natürlich heißt es Frau Bundeskanzlerin, Herr Senator, Frau Staatsanwältin, Herr Botschafter, Frau Generalin, Herr Wachtmeister … Nein, Unsinn: Bei der Polizei sind derartige Dienstgrad-Anreden unüblich geworden (gibt es überhaupt noch Wachtmeister? Falls nicht, wäre es schade um das schöne Wort, das aber immerhin im Kasperletheater weiterleben wird).

Unabhängig von Würdenträgern und Adeligen (Durchlaucht, Hoheit, Majestät, Hochwohlgeboren), denen man ja im Alltag seltener begegnet, war bis heute noch eines ungeklärt: nämlich die korrekte Anrede einer Kellnerin. Irgendwelche Vorschläge? Vielleicht “Bedienung” oder “Frollein”?

Die Deutsche Knigge-Gesellschaft hat diese Frage nun endlich geklärt. Es gab Tausende von Vorschlägen, aus denen eine Jury “Frau Ober” auswählte. Wer hätte das gedacht!

Warum nicht Frau Oberin? Ganz einfach: Damit wäre eine Kloster-Vorsteherin gemeint …

Genialität hat kein Verfallsdatum

07. Juni 2010

Richtig gute Filme schaut man sich wieder und wieder an. Und entdeckt dabei jedesmal neue Details, sodass man schließlich immer begeisterter wird.
Auch bei Büchern funktioniert das. Sogar bei Krimis werden Wiederholungstäter zum Qualitätsprüfer. Ich zumindest habe nach spätestens drei Jahren vergessen, wer der Mörder ist, und kann meine Lieblingsbücher dann noch mal genießen.
Was bei Unterhaltung und Spannung gilt, ist bei Humor eine besondere Herausforderung: Kann man wirklich immer wieder über einen Gag, einen Film, einen Sketch lachen? Oder zaubert er nach der dritten Wiederholung nur noch ein schwaches Grinsen aufs Gesicht des Zuschauers?
Den ultimativen Genialitätstest besteht dieses Stück TV-Humor ganz problemlos:

Danke, Hape Kerkeling, für Reh, Habicht, Hurz und des Kaisers neue Kleider :-)

Dreisatz

31. Mai 2010

Es gibt Sätze, die sind eigentlich zu absurd, um wahr zu sein. Und daher besonders bemerkenswert. Dieses Wochenende sind mir gleich drei solcher Formulierungen begegnet:

 „Ich bin ein Hologramm”

Sagte Tom Cruise und kommentierte damit das Gerücht, er sei in Neuseeland tödlich verunglückt. Zugegebenermaßen eine einigermaßen witzige Antwort auf die Frage, ob er noch lebe.

Ansonsten halte ich Herrn Cruise eher für überschätzt, und sein Scientologentum ist ungefähr so sympathisch wie die Regierungsform von Nordkorea.

Was mir einen super Übergang zu Zitat zwei verschafft:

 „Mölschbach ist Nordkorea”

Nun, es gibt im Grunde keine Situation, in denen eine derartige Behauptung irgendeinen Sinn ergibt. Außer der D-Jugend-Mini-WM 2010, in der Vereinsjugendmannschaften die Begegnungen der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft austrugen. Spanien schied dabei leider im Achtelfinale aus (trotzdem: super gespielt, Jungs!) - ebenso Nordkorea, besser gesagt: Mölschbach.

Dieser kleinste Stadtteil von Kaiserslautern liegt im Zentrum des Naturparks Pfälzerwald und ist - im Gegensatz zu Nordkorea - durch eine Bundesstraße und eine Buslinie mit der Zivilisation verbunden.

 Im Wappen trägt Mölschbach - über dem Rad der Familie Falkenstein - eine Axt, die symbolisch für Wald- und Forstarbeit steht und mir einen grandiosen Übergang zu diesem unvergleichlichen Satz verschafft:

„Verdammte Axt ist das geil”

Lovely Lena verzauberte alle, gewann am 29. Mai mit auf liebenswert-verrückte Art den Eurovision Song Contest und durfte sich schon einen Tag später ins Goldene Buch ihrer Heimatstadt Hannover eintragen. Das tat sie mit folgendem Text:

„Wow! Verdammte Axt ist das geil! Dankeschönst Leni”

Lenahafter geht es nicht. Zwar wäre nach „Axt” ein Komma ganz schick, aber: Wen kümmert’s?

Lauter Vorurteile …

26. Mai 2010

Klar, Frauen stehen auf Schuhe und Männer meinen, besser einparken zu können. Gähn. Dass dieser Spot dennoch witzig ist, liegt daran, dass man über alles lachen darf. Sogar über Rollenklischees.

 

Ich persönlich nähme natürlich am liebsten beides: das Ankleidezimmer UND das Pilsje :-)

Extrem-Neudeutsching

20. Mai 2010

Nächstes Wochenende finden in Kaiserslautern die rheinland-pfälzischen Meisterschaften im Splashdiving statt.

Splashdiving!

Das klingt nach Trendsportart für emotional unterversorgte Erfolgstypen, die eine teure Ausrüstung brauchen und ein Hobby mit schickem Namen, um sich wichtig und cool zu fühlen. Die niemals Schlauchboot fahren würden, aber gerne raften gehen. Die kein Zeitfenster übrig haben, um ihr Brennholz selbst zu hacken - aber “Timbersports” irre maskulin finden. Oder denen jegliche Ausrede recht ist, um nicht bügeln zu müssen - es sei denn als Vorbereitung für eine Extreme-Ironing-Challenge.

Mag sein, dass manche Übersetzung tatsächlich nach “mehr” klingt. Aber was, bitte sehr, hat “Splashdiving”, was seiner deutschen Bezeichnung fehlt?

Also ich bleibe lieber beim Original und nenne die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft bei ihrem klangvollen deutschen Namen:

ARSCHBOMBENWETTBEWERB