Heute werden in Oslo und Stockholm die Nobelpreise feierlich überreicht. Was bei uns in den Nachrichten nur am Rande eine Rolle spielt, ist in Skandinavien DAS Top-Thema des Tages.
Svenska Dagbladet berichtet ausführlich über alle Aspekte des Ereignisses: unter anderem mit einem Benimmcode (Tabu: Jeans, Handys, Tischgespräche über brisante Themen, Handtasche auf dem Boden), einen genauen Sitzplan (der Chemiepreisträger hat einen Platz am Tisch des Königs) mit Zeitschema (Fanfaren erklingen um 19.00 Uhr, 19.11 Uhr und 19.13 Uhr) sowie ein Quiz über die Nobelpreisträger (Wie viele der drei Medizinnobelpreisträger sind Frauen? Wo wohnte Obama als Kind?).
Der interessierte Leser erfährt, welcher Chor singt, welche Speisen serviert werden und wer wann mit wem tanzen darf, kann und vielleicht auch will.
Viele Worte um gesellschaftlichen Schnickschnack? Egal: „Je mehr Wörter wir uns nehmen dürfen, desto freier sind wir doch” - sagt Herta Müller in ihrer Nobelpreisrede.

Deutlich pessimistischer dagegen diese Worte:
„Erbärmliches Halbleben, hätte vom menschenfreundlichen Arzt erstickt werden sollen, als er schreiend in dieses Leben trat. Größte Verdienste: die Fingernägel rein zu halten und nie jemandem zur Last zu liegen. Größte Fehler: keine Familie zu haben, keine frohe Laune, keinen guten Magen. Größter und einziger Anspruch: nicht lebendig begraben zu werden. Größte Sünde: nicht dem Mammon zu huldigen. Bedeutende Ereignisse in seinem Leben: keine.”
Schon erstaunlich, wie wenig Alfred Bernhard Nobel, der Erfinder des Dynamits und der Stifter des wohl angesehensten Preises, von sich selbst hielt.
