Mit ‘Duden’ getaggte Artikel

Alles Mumpitz!

Donnerstag, 01. Juli 2010

Zeit für einen neuen Blog-Eintrag. Aber worüber? Ist nicht alles gesagt, was zu sagen ist über die Hitze, die Präsidentenwahl, den Werbewert von Jogis Jungs oder Maradonas pathetisches Geschwafel?

Nein, da überlasse ich das heutige Thema lieber dem Zufall. Nicht jedoch, ohne Biggis Pommeswelt beim Viertelfinale der Blog-WM alles Gute zu wünschen! Hier dürfen übrigens alle abstimmen, nicht nur die Mitglieder der Bundesversammlung …

Und nun nehme ich das nächstliegende Buch zur Hand (Duden: Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen), schlage es auf, lese meinen Zufallsfund und lerne:

Ohne Komma schreibt man:
Eingemummelt saß das Kind auf der Terrasse.

Mit Komma KANN man schreiben:
Ganz in Decken eingemummelt[,] saß das Kind auf der Terrasse.

Mit Komma MUSS man schreiben:
Das Kind saß auf der Terrasse, ganz in Decken eingemummelt.

Aha. So ist das also. Aber gilt diese Regel auch im Hochsommer? Und wer in aller Welt setzt ein Kind bei Temperaturen, die ein Einmummeln notwendig machen, auf eine Terrasse? Ja, und ist “einmummeln” überhaupt ein korrektes deutsches Wort?

Ich blättere im Rechtschreibduden und finde - im Gegensatz zum wunderschönen Winterwetter-Adjektiv “gefriergezuckert” - das Verb “einmummeln” mit dem Zusatz, dass das umgangssprachlich sei.

Neugierig greife ich jetzt zum Herkunftswörterbuch und erfahre, dass “mummen” veraltet für “sich in eine Maske einhüllen” ist und heute durch “einmummen” ersetzt wird. Verwandt ist “einmummeln” also auch mit dem Hessischen Mombotz (Schreckgestalt), mit “Mummelputz” (Vogelscheuche), Mummenschanz (Lustbarkeit vermummter Gestalten, Maskenball) und dem seit dem 19. Jahrhundert gebräuchlichen “Mumpitz” (Unsinn, Schwindel). Neuere Ableitungen wie Vermummungsverbot würden wohl den etymologischen Rahmen des Duden-Bandes sprengen …

Mumpitz gefällt mir sehr. Ich nehme mir vor, dieses kraftvolle Wort häufiger zu gebrauchen. Nicht nur auf der Terrasse - und nicht nur, wenn es kühl genug ist zum Einmummeln …

Simsen, googeln … wikipeden?

Mittwoch, 17. Februar 2010

 

Neue Technik bringt neue Wörter.

SMS, Browser, iPod … gehören längst zur Alltagssprache. Aber was ist mit den dazugehörigen Verben?
Statt „eine SMS-Sprachnachricht versenden” hat sich schon in den 1990er Jahren das nette Kurzwort „simsen” eingebürgert - 2001 erreichte es sogar Platz neun bei der Wahl zum Wort des Jahres.

Sende ein „i” an 0815 …

Woher aber kommt das „i” bei „simsen”? Das ist wohl ein Sprossvokal - ein zusätzlicher Vokal, der die Aussprache erleichtern soll. Wie in einigen Dialekten (Doref statt Dorf, Milich statt Milch etc.), in der Kindersprache (Büst statt Pst) oder beim Zweitspracherwerb - und hier vor allem bei Menschen, deren Muttersprache die Häufung mehrere Konsonanten nacheinander nicht kennt. Da hört man dann auch mal Schanapes statt Schnaps

Marktführer dank Verbfähigkeit?

Dass sich unter allen Suchmaschinen ausgerechnet „Google” durchsetzen konnte, hat sicher viele Ursachen. Firmenstrategie, Zufall, Chaostheorie - aber sicher hat auch der Name dazu beigetragen, aus dem sich ganz prima ein Verb ableiten lässt: Man sagt und schreibt googeln, und das ist beim Eindeutschen erlaubt, siehe recyceln, wo „e” und „l” ja ebenfalls den Platz getauscht haben.

Es bleibt viel zu tun!

Aber mit „simsen” und „googeln” ist erst der Anfang getan. Wo bleiben die neuen Verben für „bei Wikipedia nachschauen” (wikipeden), „eine DVD anschauen” (devaudehen), „den Drucker aus dem Fenster werfen, weil er noch immer nicht funktioniert, sondern nur blinkt, statt zu drucken” (durchdrehen)?

Ich freue mich auf weitere Vorschläge! Auch gerne für den Sachverhalt „bei AbidiBlog ein neues Wort vorschlagen und es damit irgendwann sogar in den Duden schaffen” …

Fußgönheim

Freitag, 06. November 2009

Fußgönheim bei Maxdorf im Rhein-Pfalz-Kreis hat es in über 1100 Jahren Ortsgeschichte auf sage und schreibe 2700 Einwohner, ein Schloss, ein Kartoffelmuseum, ein Gewerbegebiet und eine Mehrzweckhalle gebracht. Respekt!

Aber das alles spielt im Grunde keine Rolle. Viel wichtiger sind Fragen wie diese:

Wie heißt eigentlich das Kunden-Waren-Trennstäbchen am Kassenfließband des Supermarktes? Schwierig, schwierig. Selbst Bastian Sick nahm sich bereits der Thematik an, und die XING-Gruppe „Namestorm” entwickelte allerhand Vorschläge dafür, allen voran das unübertroffene „Meinsdeins”.

Auch die Tatsache, dass es kein Wort für das Gegenteil von „durstig” - entsprechend „satt” für „hungrig” - gab, konnte die Dudenredaktion nicht hinnehmen. 1999 schrieb sie gemeinsam mit dem Getränkehersteller Lipton einen Wettbewerb aus, bei dem unter 100000 Einsendungen das schöne Wörtchen „sitt” als Sieger hervorging. Bisher konnte es sich zwar noch nicht behaupten, doch wenn wir es alle fleißig verwenden, könnte sich das ja ändern.

Aber es gibt so viel zu tun! Denn „Meinsdeins” und „sitt” sind nur zwei von unzähligen Beispielen für Dinge, Zustände und Gefühle, für die es noch keine Bezeichnung gibt. Oder besser gesagt: gab. Bis „Der tiefere Sinn des Labenz” (von Douglas Adams, John Lloyd und - für die deutsche Ausgabe - Sven Böttcher) erschien - ein Wörterbuch, dessen Aufkleber „Dieses Buch wird Ihr Leben verändern” nicht zu viel verspricht.

Ein wunderbares Werk, das ich nur jedem dringend empfehlen kann!
Einige Highlights daraus:

Tübingen: Eine Zahnpastatube zusammenrollen, um den Rest herauszuquetschen.

Baltrum: Instinktiver Groll gegen alle Menschen, die jünger sind als man selbst.

Rüsselsheim: Die Extratasche an der Vorderseite gewisser Herrenslips.

Doch dann das:
Fußgönnheim (salopp): Pediküre-Salon

Nein, also wirklich: Nein. Das trifft nicht zu. Über das überflüssige N könnte man ja noch großzügig hinwegsehen. Aber Pediküre-Salon? Lächerlich!

Die richtige Definition muss heißen:
Fußgönheim: Das unangenehme Gefühl, wenn ein etwas zu locker sitzender Strumpf in einem etwas zu großen Gummistiefel langsam über die Ferse nach vorne rutscht, mit jedem Schritt weiter in Richtung Stiefelspitze wandert und schließlich als störendes Textilknäuel vor dem nackten großen Zeh feststeckt.

Oder würde dem irgendwer widersprechen wollen?