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17 x 17

Montag, 02. November 2009

Naturgedichte können ausschweifend und langatmig sein, erhebend und dramatisch. Oder eben kurz und witzig, wie die japanischen Haikus, wörtlich: lustige Verse. Ein Haiku besteht aus 5 + 7 + 5 Silben, verteilt auf drei Zeilen. Thema dieser weltweit kürzesten Gedichtform ist die Natur, die Jahreszeiten und der erlebte Moment. Die ideale Textform, um herbstliche Spaziergänge zu beschreiben. Die ja bekanntlich bei jedem Wetter ein Erlebnis sind. Passend zur Silbenzahl hier 17 Haikus von Heike:

1
Oktoberhügel.
Ihr Nebelhauch mein Verlies.
Doch: Sonnenfetzen!

2
Grabrosenbusch. Du
blühst im Sturm. Ich sammle Laub.
Autsch! Meine Haare!

3
Zankapfelbäumchen:
Unten welk und oben nackt
droht es frech dem Licht.

4
Das Wiesental gähnt.
Milchig sein Grün, stumm der Fluss.
Was lärmt die Wildgans?

5
Ungerührt grasen
die Nebelsuppenschafe
trotz Krähengeschrei.

6
Taubenetzt funkeln
Spinnenkunstwerke. Egal,
denkt der Ackergaul.

7
Graugelbe Wolken
rasen. Der Hund ist schneller,
bellt sie in die Flucht.

8
Frostrandverziert die
Gräser. Steinhartgefroren
Auch der Kuhfladen.

9
Unfairer Gegner,
schelten die Blätter den Wind
und fallen graziös.

10
Pappeln, silbriggrün
vor herbstbunter Kulisse.
Träumen vom Sommer.

11
Herbstlehmboden schwitzt
in falscher Frühlingssonne.
Schwalben zögern. Fliegt!

12
Der Herbstmorgen strahlt,
taucht welkende Blätter in
Honig, Safran, Zimt.

13
Trauerweiden in
kühlem Morgensonnenschein:
Goldregen im Herbst.

14
Nasse Heuballen:
Vergessene Würfel auf
senfgrünem Spielfeld.

15
Herbst oder Frühling?
wispern die Schilfgräser und
rascheln aufgeregt.

16
Stoppelfeldpfützen,
wo gestern die hungrigen
Schafe trampelten.

17
„Ungern”, seufzt schmatzend
der nasse Lehmboden und
gibt meinen Schuh frei.