Mit ‘sitt’ getaggte Artikel

Heilig’s Blechle: Was ‘n‘ das?

Montag, 10. Mai 2010
Auch wenn die deutsche Standardsprache rund 75.000 Worter umfasst und der gesamte deutsche Wortschatz - mit Ableitungen, Komposita und Neubildungen – auf eine halbe Million geschätzt wird (ohne Fachsprachen –  allein der Chemie verdanken wir rund 20 Millionen Benennungen), trifft man doch immer wieder auf Gegenstände (und Zustände), für die es noch keine Bezeichnung gibt.

So musste 1999 gar ein Wettbewerb ausgerufen werden, um für das Gegenteil von „durstig” – analog zu „satt” – eine Entsprechung zu finden. Dass sich „sitt” noch immer nicht durchgesetzt hat, steht auf einem anderen Blatt. Auch für das Kunden-Waren-Trennstäbchen gibt es erstklassige Vorschläge (wie „Meins-Deins”), die es noch nicht in den Duden geschafft haben. Für alle anderen unbenannten Dinge hat das wunderbare Douglas-Adams-Buch „Der tiefere Sinn des Labenz” großartige Namen parat.

Doch heute gehen wir noch einen Schritt weiter. Schwieriger als Gegenstände und Gefühle, für die es bisher noch kein Wort gab, sind nur noch solche Fundstücke zu benennen, deren Funktion dem aufmerksamen Betrachter völlig schleierhaft ist. Wie zum Beispiel dieses Etwas:

Sinnloses Etwas - dankenswerterweise fotografiert von Petra Horbach

Sinnloses Etwas - dankenswerterweise fotografiert von Petra Horbach

 

Zu bestaunen ist es am Rande eines Westpfälzer Dorfsportplatzes. Hier entdeckten es unlängst eine Handvoll scharfsinniger Eltern, die einem D-Jugend-Spiel beiwohnten und sich in in einer windgeschützten Ecke mit weltbewegenden Gesprächen von der Frühlingskälte ablenkten. Was lag also näher, als gemeinsam darüber zu philosophieren, wozu dieses Dingens wohl dienen mag?

Als Halterung für eine Bandenwerbung kommt es wohl kaum in Frage – es sei denn, die Werbung richtet sich an über dem Platz schwebende Schmetterlinge, Spatzen oder Hummeln. Auch als Regenschutz taugt es nicht wirklich, dazu ist es zu kurz. Sollten hier vielleicht einstmals Solarzellen angebracht werden, bevor die Lokalpolitik – wahrscheinlich nach einer wahlergebnisbedingten Veränderung der Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat – den Plan wieder verwarf? Oder handelt es sich um eine Zielscheibe für Wettbewerbe, die mit Weitspucken (oder Schlimmerem) zu tun haben? Die Roststreifen an der Wand lassen derartige Vermutungen durchaus zu …

Ob das Etwas ursprünglich als Klatschverstärker installiert worden ist, wage ich persönlich zu bezweifeln. Doch als solcher taugt er ganz hervorragend. Auch Torjubelschreie werden vervielfacht, wenn man den Kopf unter das Wandmetall steckt und das blecherne Echo nutzt. Funktionierte hervorragend. Acht mal. Ohne Gegentor. Ob es sich womöglich gar um ein Zauberblechle handelt?

Fußgönheim

Freitag, 06. November 2009

Fußgönheim bei Maxdorf im Rhein-Pfalz-Kreis hat es in über 1100 Jahren Ortsgeschichte auf sage und schreibe 2700 Einwohner, ein Schloss, ein Kartoffelmuseum, ein Gewerbegebiet und eine Mehrzweckhalle gebracht. Respekt!

Aber das alles spielt im Grunde keine Rolle. Viel wichtiger sind Fragen wie diese:

Wie heißt eigentlich das Kunden-Waren-Trennstäbchen am Kassenfließband des Supermarktes? Schwierig, schwierig. Selbst Bastian Sick nahm sich bereits der Thematik an, und die XING-Gruppe „Namestorm” entwickelte allerhand Vorschläge dafür, allen voran das unübertroffene „Meinsdeins”.

Auch die Tatsache, dass es kein Wort für das Gegenteil von „durstig” - entsprechend „satt” für „hungrig” - gab, konnte die Dudenredaktion nicht hinnehmen. 1999 schrieb sie gemeinsam mit dem Getränkehersteller Lipton einen Wettbewerb aus, bei dem unter 100000 Einsendungen das schöne Wörtchen „sitt” als Sieger hervorging. Bisher konnte es sich zwar noch nicht behaupten, doch wenn wir es alle fleißig verwenden, könnte sich das ja ändern.

Aber es gibt so viel zu tun! Denn „Meinsdeins” und „sitt” sind nur zwei von unzähligen Beispielen für Dinge, Zustände und Gefühle, für die es noch keine Bezeichnung gibt. Oder besser gesagt: gab. Bis „Der tiefere Sinn des Labenz” (von Douglas Adams, John Lloyd und - für die deutsche Ausgabe - Sven Böttcher) erschien - ein Wörterbuch, dessen Aufkleber „Dieses Buch wird Ihr Leben verändern” nicht zu viel verspricht.

Ein wunderbares Werk, das ich nur jedem dringend empfehlen kann!
Einige Highlights daraus:

Tübingen: Eine Zahnpastatube zusammenrollen, um den Rest herauszuquetschen.

Baltrum: Instinktiver Groll gegen alle Menschen, die jünger sind als man selbst.

Rüsselsheim: Die Extratasche an der Vorderseite gewisser Herrenslips.

Doch dann das:
Fußgönnheim (salopp): Pediküre-Salon

Nein, also wirklich: Nein. Das trifft nicht zu. Über das überflüssige N könnte man ja noch großzügig hinwegsehen. Aber Pediküre-Salon? Lächerlich!

Die richtige Definition muss heißen:
Fußgönheim: Das unangenehme Gefühl, wenn ein etwas zu locker sitzender Strumpf in einem etwas zu großen Gummistiefel langsam über die Ferse nach vorne rutscht, mit jedem Schritt weiter in Richtung Stiefelspitze wandert und schließlich als störendes Textilknäuel vor dem nackten großen Zeh feststeckt.

Oder würde dem irgendwer widersprechen wollen?